Samstag, Juni 09, 2007

Und Jesus gab ihn seiner Mutter!


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 7:11 – 17

11 Einige Zeit später ging er in eine Stadt namens Naïn; seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm.
12 Als er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie.
13 Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht!
14 Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die Träger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!
15 Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.
16 Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen.
17 Und die Kunde davon verbreitete sich überall in Judäa und im ganzen Gebiet ringsum.




Niemand hat Jesus darum gebeten, es zu tun. Das Mitleid mit der Mutter hat ihn angetrieben. Der Verstorbene war ihr einziger Sohn und sie selbst war Witwe. Der Sohn ermöglichte der Frau das Leben. An ihm hatte sie Rechtsschutz, Lebensunterhalt, Trost. Ein soziales Netz, das bei uns in solchen Situationen auffängt, gab es damals nicht. Jesus wusste um die Not dieser Frau. Das Mitleid mit ihr veranlasst ihn zu handeln – unverzüglich und effektiv!
So fragt er nicht nach Glauben oder sonst einer Voraussetzung für die Gabe, die er geben möchte.
Er lässt den Trauerzug anhalten und befiehlt dem toten jungen Mann, aufzustehen! Sein Wort ist Tat und ist Macht: Der Tote richtet sich auf und beginnt zu sprechen.
Und dann hören wir, wie Jesus ihn seiner Mutter zurückgibt.
Die Menschen legen das Gewand ihrer Trauer ab und ziehen an das Kleid des Lobpreises. (vgl Est 4:17h; Jer 31:13) An Jesus brechen sich die Wogen des Todes. An seiner Macht zerschellt die Macht des Todes.

In der ersten Lesung gibt auch einer den Sohn seiner Mutter zurück: Elias erweckt das tote Kind seiner Wohltäterin zum Leben. Doch gelingt ihm dies erst nach beträchtlichem Aufwand an Gebeten zu Gott und an sinnfälligen Handlungen. Der Unterschied zwischen ihm und Jesus ist der Unterschied zwischen Prophet und dem, den er ankündigt; zwischen Knecht und Herr; zwischen Mensch und Gott; bei Elias wird deutlich: Die Quelle des Lebens ist Gott; Elias kann die Gabe des Lebens nur von Gott her erbitten, vermitteln, weitergeben. Aus sich selbst ist Elias machtlos.
Ganz anders bei Jesus: Die Worte, die er spricht sind selber Leben; die Lebensmacht, die den Tod besiegt kommt aus ihm selber! Was nichts anderes heißt, als dass er selber Gott ist. Das haben die Leute im Evangelium offenbar nicht begriffen; denn wohl in Erinnerung an das Wirken des Elia nennen sie Jesus einen großen Propheten, der unter ihnen aufgetreten ist – freilich von Gott gesandt, den sie deshalb auch preisen. Der Gedanke, dass Jesus Gott sei, ist ihnen zu unbegreiflich.

Wenn wir in der ersten Lesung und im Evangelium hören, dass Elias bzw. Jesus den Sohn der Mutter zurückgeben dann erinnert das an eine Stelle beim Propheten Jesaja 9:5: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.“ Mit diesen Worten wird angekündigt, dass auch uns ein Sohn gegeben wird und dass in diesem Sohn der Messias zu uns kommen wird.
Wenn wir nun die 2. Lesung in diesem Zusammenhang lesen, dann geschieht dem Paulus genau das: Ihm wird von Gott dieser Sohn geschenkt. Er drückt dies aus wie folgt: „Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte seinen Sohn offenbarte, damit ich ihn unter den Heiden verkündige, da zog ich keinen Menschen zu Rate.“ (Gal 1:15-16)
Und wie hat diese Gabe den Saulus gewandelt: Er, der vorher ohne Christus tot war und zu einer Quelle des Todes ward (vgl. Apg 8:1a), wird nun in Christus zu einen neuen Menschen und zu einer Quelle des Lebens für viele; er kam durch diese Gabe des Sohnes vom Tod zum Leben; nämlich von einem Leben ohne und gegen Christus zu einem Leben im Herrn und für den Herrn!

Wunderbare Lehre der heutigen Lesungen:
* Jesus überwindet den Tod! Welch große Botschaft, die jene viel größere Botschaft ankündigt, dass Jesus in seiner Person den Tod endgültig besiegt in seiner Auferstehung zum ewigen Leben in Gottes Herrlichkeit.
* Das Leben eine Gabe zum Dienst an der Freude anderer; um es hinzugeben, damit andere dem Leben in Fülle näher kommen.
* Dass weniger der leibliche Tod zu fürchten ist als vielmehr der Tod, der in einem Leben ohne Christus besteht. Gott bewahre uns vor diesem Tod! Er gebe uns immer wieder seinen Sohn und lasse uns jene Orte und Gelegenheiten aufsuchen und dort verweilen, an denen er uns den Anführer des Lebens (vgl. Apg 3:15) geben will, unseren Herrn Jesus Christus, der gelobt und gepriesen sei in Ewigkeit! Amen!

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