Mittwoch, Juni 06, 2007

Und alle aßen und wurden satt!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 9: 11 – 17


11b Jesus nahm die Leute freundlich auf, redete zu ihnen vom Reich Gottes und heilte alle, die seine Hilfe brauchten.
12 Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Schick die Menschen weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort. 13 Er antwortete: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische; wir müssten erst weggehen und für all diese Leute Essen kaufen.
14 Es waren etwa fünftausend Männer. Er erwiderte seinen Jüngern: Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen.
15 Die Jünger taten, was er ihnen sagte, und veranlassten, dass sich alle setzten.
16 Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten.
17 Und alle aßen und wurden satt. Als man die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll.








Was war das für ein Abend damals? Jesus hat zum Volk geredet vom Reich Gottes; er hat alle geheilt, die seine Hilfe brauchten. Er hat den Leuten gesagt und sie erleben lassen, dass Gott ihnen nahe ist. So wird der Tag vorüber gegangen sein.
Als nun aber dieser Tag zur Neige ging, ging da nicht auch bei den Jüngern etwas zur Neige? Nämlich das Vertrauen, dass die 5000 Leute ihren Hunger bei Jesus stillen können? Sollte nicht dieses Vertrauen tagsüber gerade gewachsen sein? So dass sie sich also sagen hätten müssen: Jesus hat Kranke geheilt, jetzt wird er doch wohl auch dem Hunger der Leute abhelfen können?
Oder war das Heilen bereits so selbstverständlich, dass es für sie nichts mehr Besonderes war?
5000 Leuten aber mit praktisch Nichts etwas zu essen geben – das haben sie noch nicht erlebt und das trauen sie Jesus auch nicht zu; womöglich denken sie gar nicht daran, dass der Herr auch dafür zuständig sein könnte.
Sie haben bloß auf die 5000 Leute geschaut und auf die 5 Brote und die 2 Fische. Nach menschlichem Ermessen freilich eine Unmöglichkeit, die ihnen allerdings den Blick auf Jesus und seine Möglichkeiten nimmt.
So wollen sie also die Leute in ihrer Not von Jesus wegschicken, damit sie sich selber helfen und sich was zu Essen und eine Unterkunft besorgen.
Aber Jesus bemerkt, welch Inkonsequenz das wäre zu seinem vorauf gehenden Predigen und Handeln. Nein, wenn sein Reden und Handeln wirklich von Gott kommt, dann muss dieser Gott gerade auch jetzt in dieser menschlich aussichtslosen Situation den Leuten hilfreich nahe sein können.
Und so will er gerade jetzt den Leuten nahe bleiben und lässt es nicht zu, dass sie gerade jetzt von ihm weggeschickt werden.
Gerade jetzt will er erweisen, dass die Nähe Gottes hilft und dass sich diese Nähe Gottes in seinem Nahesein verwirklicht. Jesus heilt und Jesus hilft durch Nähe; denn in ihm ist Gott uns nahe gekommen.
So sind wir dem Geheimnis des heutigen Festtages ganz nahe gekommen: Jesus hat sich selber in die Gestalt des Brotes gegeben, um den Seinen die Jahrhunderte hindurch nahe sein und nahe bleiben zu können.


In folgendem Gebet kommt das so schön zum Ausdruck:
Herr Jesus, du bist uns ganz nahe. Aus der Zeitlosigkeit der Ewigkeit
bist du zu uns gekommen:
Ganz nahe unserem Leben, lebst du mit uns;
ganz nahe unserem Weg, gehst du mit uns;
ganz nahe unseren Kämpfen, kämpfst du mit uns;
ganz nahe unserem Schmerz, leidest du mit uns;
ganz nahe unserem Herzen, liebst du uns;
ganz nahe unserer Nacht, erleuchtest du uns;
ganz nah unserer Sündhaftigkeit, verzeihst du uns;
ganz nahe unserer Bosheit, läuterst du uns;
ganz nahe unserer Sehnsucht, erfüllst du uns;
ganz nahe unserer Hoffnung, verheißt du uns Zukunft.
Herr Jesus,
du bist uns ganz nahe
und bleibst uns immer nahe,
um uns dereinst ganz mit dir
zu vereinigen. (Verfasser-in unbekannt)


Wenn Jesus uns Menschen so nahe sein will – ist das nicht eine Einladung, dass auch wir die Nähe des Herrn suchen – nicht nur heute sondern jederzeit und auf jede Weise?
Fronleichnam soll nicht nur die Nähe des Herrn zu uns feiern sondern auch unsere Bereitschaft erneut ausdrücken, dem Herrn nahe sein und nahe zu bleiben. (vgl. Joh 15:1-7)


Schließlich ist das Verhalten des Herrn eine Herausforderung für uns, dass wir einander Gutes tun und lieben durch Nahesein und Nahebleiben und dass wir nicht voneinander davonlaufen, wenn es eng, schwer und scheinbar aussichtslos wird.
Jeder prüfe sich also, wie er das Gebot des Herrn erfüllt: „Liebt einander! wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!“ (Joh 13:34)

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