Samstag, Juni 23, 2007

Er muss wachsen, ich abnehmen



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1:57-66.80

57 Für Elisabet kam die Zeit der Niederkunft, und sie brachte einen Sohn zur Welt.
58 Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr.
59 Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben.
60 Seine Mutter aber widersprach ihnen und sagte: Nein, er soll Johannes heißen.
61 Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt.
62 Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das Kind haben solle.
63 Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb zum Erstaunen aller darauf: Sein Name ist Johannes.
64 Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen, und er redete und pries Gott.
65 Und alle, die in jener Gegend wohnten, erschraken, und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa.
66 Alle, die davon hörten, machten sich Gedanken darüber und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn es war deutlich, dass die Hand des Herrn mit ihm war.
80 Das Kind wuchs heran, und sein Geist wurde stark. Und Johannes lebte in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er den Auftrag erhielt, in Israel aufzutreten.



Wenn ich den Namen Johannes des Täufers höre, dann taucht zuerst die Wüstengestalt auf, gehüllt in ein Gewand aus Kamelhaaren mit einem ledernen Gürtel um seine Hüften, dessen Nahrung wilder Honig und Heuschrecken. (vgl. Mt 3:4 par.) Und dann als dazupassende akustische Untermahlung seine polternde Predigt: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?“ (Mt 3:7)

Oder es tritt der große Ratgeber vor mein Auge, der den Leuten mit seiner Weisung hilft, ihr Leben nach dem Willen Gottes zu ordnen. (vgl. Lk 3:10-14)

Und schließlich der unübersehbare Fingerzeig: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt. Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war.“ (Joh 1:29-30)

Aber – man möchte es kaum glauben: Nicht dieses Gewaltige, Beeindruckende, Erschütternde an der Gestalt des Johannes ist heute die Mitte des Festtages: es ist seine Geburt! Gerade so als wollte der Herr sagen, er habe „keine Freude an der Kraft des Pferdes, kein Gefallen am schnellen Lauf des Mannes.“ (Ps 147:10) sondern „aus dem Mund der Kinder und Säuglinge wolle er sich Lob schaffen.“ (Ps 8:3)
Und tatsächlich, bereits vor seiner Geburt geschieht dieses Wort des Herrn, als beim Gruß Mariens das Kind im Leib der Elisabet vor Freude hüpft (vgl. Lk 1:41) Und freilich ruft er auch bei seiner Geburt Freude hervor in seinen Eltern und in deren Nachbarn und Verwandten (vgl. Lk 1:58)

Doch kehren wir zurück zur Freude des Johannes selber, denn sie findet ihre Fortsetzung: „Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden.“ (Joh 3:29) Das ist zugleich ihre Vollendung, denn in der Braut hat Johannes dem Jesus jene Israeliten zugeführt, die auf seine Stimme gehört haben und die fortan Jesus folgen werden (vgl. Joh 1:35-37), der seine Aufgabe übernehmen und weiterführen wird in der Verkündigung des Reiches Gottes. Und Johannes kann einen großen Schlusspunkt setzen hinter seine große Laufbahn als Vorläufer des Herrn indem er spricht: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ (Joh 3:30)

So möchte ich in scheinbarem Widerspruch zum eingangs gezeichneten Bild vom Täufer diesen einen Mann der Freude nennen – und zwar der Freude am Herrn! Auf Johannes treffen die Worte Jesajas zu 9:2: „Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.“ „Die Freude am Herrn war seine Stärke“ (Neh 8:10) Dieses Nahverhältnis zum Herrn kommt bereits durch seine Aufgabe als Vorläufer zum Ausdruck. Einen Dienst der Freude, den Johannes da erfüllt.

Was die klaren Worte seiner Predigt keineswegs ausschließt sondern vielmehr begründet. Denn durch sein Leben in der Freude am Herrn sieht er klar, dass dies wohl seine besondere Berufung ist aber allein für das Ziel, andere aufmerksam zu machen, dass eben diese seine Berufung auch die ihre sei! Und die Dringlichkeit dieses Berufung für jeden sowie die klare Einsicht in die Barrieren für diesen Weg lassen ihn deutliche und drastische Worte finden, die er seinen Zuhörern in der Predigt dann um die Ohren haut, damit ihr Herz aufgerüttelt werde!

So reicht er dem Apostel Paulus die Hand; denn dieser schreibt aus dem Gefängnis seiner Gemeinde in Philippi: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (4:4) Das Wesentliche seiner Berufung als Vorläufer des Herrn ist Sammlung auf den Herrn hin – Sammlung in Freude! Sammlung seiner Person, seiner Fähigkeiten, seines ganzen Lebens. Sammlung aber auch seiner Zeitgenossen: Er ist ja nicht nur Vorläufer, dem der Herr folgt; er ist auch Vorläufer, dem seine Zeitgenossen nachlaufen mögen: Im Tagesgebet hörten wir ja, dass Johannes das Volk des Alten Bundes Christus, seinem Erlöser, entgegenführen soll.

So sind wir denn schließlich bei uns angelangt, denen der Herr über seinen Apostel Johannes ausrichten lässt, dass er, Jesus, zu uns gesprochen habe, damit seine Freude in uns ist und damit unsere Freude vollkommen sei. (vgl. Joh 15:11) und was hat Jesus im Grunde gesprochen? „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.“ (Joh 15:9-10)

Lassen wir Johannes auch unseren Vorläufer sein; denn wenn wir ihm nachlaufen, laufen wir geradewegs Jesus in die Arme, der allein unsere wahre Freude ist – jetzt und in Ewigkeit. Amen!

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