Donnerstag, Juni 14, 2007

Er geht dem Verlorenen nach bis er es findet


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 15: 3-7

3 Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:

4 Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?

5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern,

6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wieder gefunden, das verloren war.

7 Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.





Das Herz Jesu Fest wird durch die Lesungen mit dem Bild des guten Hirten verbunden. Die Botschaft ist klar, die uns damit gesagt sein will: Das Herz Jesu ist das Herz eines guten Hirten.

Dieses Hirtenherz zeichnet sich aus durch unmittelbare Nähe zu seiner Herde; seine Schafe sind für ihn keine anonyme Masse sondern er kennt jedes seiner Schafe; er ist vertraut mit seiner Eigenart, seiner Besonderheit, seinen Vorzügen und seinen Schwächen. Weil der Hirt am Puls seiner Herde ist bemerkt er auch sofort, wenn eines der Schafe fehlt. Er braucht keinen Ombudsmann, der ihn darauf aufmerksam macht; er braucht keine Protestaktion, die ihn auf die anstehende Not hinweist. Der Hirt ist nicht irgendwo – abgehoben von seiner Herde sondern ganz nahe bei ihr, ganz auf Tuchfühlung mit ihr.
Jesus ist ein Hirte wie er im Buche steht. Über diesen Hirten hat Bischof Kamphaus sehr zeitnahe Worte gefunden:

„Es gibt heute,“ so schreibt er, „zwei Arten von Hirten: Die einen interessieren sich für die Wolle, die anderen interessieren sich für das Fleisch. Für die Schafe interessiert sich niemand.“ Ein hartes Wort. Es trifft unsere Zeit, unsere Situation. Hirten dieser Art gibt’s genug unter uns. Sie sind darauf aus, andere „auszunehmen.“ Sie sind im Wesentlichen damit beschäftigt, ihr eigenes „Schäfchen ins Trockene zu bringen.“

Es gibt auch andere. Es ist jemand da, der sich für die Schafe interessiert: Der gute Hirt, Jesus. Von ihm spricht das Evangelium (Joh 10,11-18). Ihm ging es nicht um Fleisch und Wolle. Er hat nicht die anderen ausgenommen. Er fragte nicht: Was habe ich davon? Es ging ihm nicht um sich, sondern um uns. Er wollte nicht verdienen, er diente. Er brach nicht den Stab über andere, er stärkte die Schwachen. Er heilte die Angeschlagenen und die Aussätzigen. Er ging den Sündern und Sünderinnen nach und den verlorenen Söhnen. Dem, der unter die Räuber gefallen war, half er wieder auf die Beine. Er tat das, ohne sich selbst zu schonen. Vielmehr riskierte er dabei alles. Er setzte das Letzte für die anderen ein, sich selbst. Er dachte eben nicht ans Scheren und Schlachten. Er ging nicht über Leichen, er opferte sich selbst. So hat er seine Herde zusammengeführt und geleitet. Das macht sein Leben aus. So ist er beides in einer Person geworden: der gute Hirt und das sich opfernde Lamm. Gerade als das sich opfernde Lamm ist er der gute Hirt, gerade deshalb ruht die Verheißung Gottes auf seinem Leben: „Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe“ (17).

Einer jedenfalls ist unter uns, der nicht auf Fleisch und Wolle aus ist, sondern uns selbst meint. Er sammelt alle, die auf seine Stimme hören und ihm folgen. Er ist die „Bezugsperson.“ Nicht die Hürde, der Hirt bewahrt die Herde; der Hirt ist es, der ihre Einheit verbürgt (vgl. 16).

Diesem guten Hirten kann ich trauen. Ich muss keine Angst haben, dass er mich abhängig machen will und unmündig hält wie ein „dummes Schaf.“ Im Gegenteil: Er befreit mich von meiner Angst um mich selbst. Ich kann mich getrost ihm lassen: „Der Herr ist mein Hirte...“ Soweit Bischof Kamphaus.

So einem Hirten können wir uns nur anvertrauen gerade auch in unseren Schwächen, in unserer Verlorenheit und in unseren Abhängigkeiten. Denn er wird keinen Einsatz scheuen, um uns zu befreien. Lassen wir uns zu diesem Anvertrauen anregen durch eine Inschrift am Dom zu Lübeck:

Ihr nennet mich Licht so sehet mich doch.
Ihr nennet mich Weg so folget mir doch.
Ihr nennt mich Hirte so traut mir doch.
Ihr nennet mich Leben so suchet mich doch.
Ihr heißet mich schön so liebet mich doch.
Ihr heißet mich Liebe so folgt doch der Bahn,
denn wenn ihr mich liebt, habt ihr alles getan.

Hirten nach dem Vorbild Jesu können wir uns nur wünschen – in Kirche und Politik. Beten wir um solche Hirten. Beten wir, dass jene, die schon auf diesem Weg sind auch auf diesem Weg bleiben und dass jene, die es noch nicht sind, auf diesen Weg kommen. Beten wir um Hirten, die bereit sind, sich ihr Herz nach dem Herzen Jesu bilden zu lassen. Sie und wir alle mögen dankbar aus diesem Quell des Erbarmens trinken.

Das Herz Jesu sei gelobt und gepriesen in Ewigkeit. Amen!

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