Samstag, Juni 30, 2007

Der Menschensohn aber hat keinen Ort....


 
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 9:51 – 62

51 Als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen.
52 Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.
53 Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.
54 Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?
55 Da wandte er sich um und wies sie zurecht.
56 Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.
57 Als sie auf ihrem Weg weiter zogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
58 Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
59 Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.
60 Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!
61 Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. 62 Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.





Im Evangelium hörten wir, dass Jesus sich entschlossen hat, nach Jerusalem zu gehen. Im griechischen Urtext steht für dieses Sich Entschließen: Er machte sein Angesicht fest auf Jerusalem hin. Zu diesem Entschluss bewogen hat ihn, dass die Tage seiner Aufnahme in den Himmel sich erfüllten. Das heißt: Er nahm war, dass die Zeit dafür reif wird. Und dass jetzt seine Zustimmung dazu erforderlich ist; und die gibt er, indem er sein Angesicht fest macht und nach Jerusalem aufbricht.
Unser Tiroler Volksheld Andreas Hofer würde den Seinen zurufen: „Mander, s’isch Zeit!“ – „Männer, es ist Zeit!“ Zeit nämlich für die Heimat Tirol zu kämpfen gegen die bayrische und französische Besatzung.
Zeichen für diese Entschlossenheit ist, dass er Boten vor sich her schickt. Sie sollen ihm seinen Weg nach Jerusalem gestalten helfen.
Auch unsere Mutter Teresa fordert eine entschlossene Entschlossenheit im einfachen, freundschaftlichen, betenden Sein beim Herrn.
Das Verhalten Jesu fordert uns überall dort heraus, wo wir noch kein klares Ziel vor Augen haben, dem wir entschieden zustreben;
es fordert uns auch dort, wo wir uns vor einer uns gestellten Aufgabe drücken und davonlaufen wollen;
es fordert uns dort, wo uns gegebene Aufgaben und Pflichten unerträglich scheinen und wir einer vermeintlich größeren Freiheit nachjagen.
Jesus möchte, dass wir mit ihm unser Jerusalem neu ins Auge fassen und ins Herz schließen, weil wir erkennen, dass gerade dort und nirgendwo anders unsere Erfüllung zu finden ist – freilich durch Leid, Kreuz und Tod hindurch.
Dieses Jerusalem ist ihm und uns nicht von einem blinden Schicksal verfügt sondern vom liebenden Vater im Himmel geschenkt. Und der gibt zuletzt auch die Kraft, diesem Jerusalem zuzustreben und dort vollendet zu werden.
Der Grundtenor einer entschiedenen Ausrichtung trägt auch die Worte Jesu darüber, wie ihm zu folgen sei.
So sagt Jesus zu einem, der ihm wohin immer auch folgen möchte: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Lk 9:58) Wer in der Nachfolge Jesu Nestwärme sucht und ein gemütliches, bequemes zu Hause, sucht sich selber aber nicht den Herrn. Auf den Spuren Jesus ist vielmehr die Entschlossenheit erforderlich, die Einsamkeit, die Verlassenheit, die Mühsal, das Leiden, das Kreuz und den Tod des Herrn zu suchen, um dies alles mit ihm zu teilen. Darin erweist sich wahre Nachfolge Jesu und aus dieser Nachfolge erwächst wahre Freundschaft mit dem Herrn.

Zu einem der vorerst seinen Vater begraben will, sagt der Herr: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!“ (Lk 9:60) Mit diesem radikalen Wort fordert Jesus entschiedene Loslösung aus jeglichem traditionellen und kulturellen Kontext um seinetwillen. Er ist es wert, dies alles sein zu lassen; Leben ist allein bei ihm; fern von ihm ist jeder ein Toter.

Und zu dem, der sich vorerst von seiner Familie verabschieden will, sagt er: “Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“ (Lk 9:62) Damit fordert Jesus das entschlossene Kappen jeglicher familiärer Bindung als Voraussetzung für eine Nachfolge auf seinen Spuren, was Jesus gleichsetzt mit der Arbeit im Reich Gottes.

So wagen wir am Ende dieser Predigt den Schluss: Wollen wir Jünger Jesu sein benötigen wir eine entschlossene Entschlossenheit: für das Jerusalem, das Gott uns zum Sinn und Ziel unseres Lebens gesetzt hat. Und dieses Jerusalem ist zuinnerst Jesus Christus selbst. IHN müssen wir mit möglichster Entschlossenheit in allem, was wir tun und lassen, suchen und finden. Und mag das kosten was es wolle! Nichts darf uns dabei zu teuer, zu lieb, zu kostbar sein als dass wir es nicht um Jesu willen loslassen. Zu dieser Freiheit hat uns Christus befreit! Lassen wir uns von nichts und niemanden mehr unterjochen – es sei denn von der Liebe um Jesu willen!

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