Freitag, Mai 11, 2007

Muttertag



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 14:23-29

23 Jesus antwortete Judas: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
24 Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.
28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.
29 Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.



Jeder von uns kennt seine eigene Vergesslichkeit – und ist froh, wenn jemand da ist, der ihn gelegentlich erinnert. Offenbar rechnet Jesus im heutigen Evangelium auch damit, dass seine Jünger vergessen könnten, was er ihnen gesagt hat: „Der Beistand aber der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, er wird euch alles lehren, und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh 14:26)

O glückliche Vergesslichkeit, die so eine wunderbare Stütze erwirkt hat. Der Heilige Geist – unsere Eselsbrücke zu Jesus, der göttliche Knoten im Taschentuch unseres Lebens. Wie sehr nimmt doch Jesus Rücksicht auf die Schwachheit unserer menschlichen Natur. Er will es nicht zulassen, dass durch sie auch nur eines seiner Worte verloren geht – eines jener Worte, die für uns Geist und Leben sein wollen. (vgl. Joh 6:63)

Wenn Jesus uns seinen Geist als Gedächtnishilfe gibt, dann sollen wir nicht nur an unser kurzes und schwaches Gedächtnis erinnert werden sondern auch an den unermesslichen und lebensnotwendigen Wert seiner Worte an uns und seiner Taten für uns.
Wenn Jesus aber diesen „Geist der Erinnerung“ seinen Jüngern schenkt, jenen Menschen, die unmittelbar mit ihm gelebt haben, dann will der Herr uns damit zurufen: „Leute, Christen zu aller Zeit, was diese Jünger euch überliefert und was sie aufgeschrieben haben in den Schriften des Neuen Testamentes – das ist die Wahrheit, das kommt von Gott, das ist wirklich Wort Gottes!“
Garant für die Echtheit und Wahrheit der Heiligen Schriften ist dieser Heilige Geist; er ist der Geist Gottes, der Geist des Vaters, der Geist des Sohnes!
Gott selber steht ein für die Wahrheit der Heiligen Schriften.
Gott selber sorgt dafür, dass er in seinem Wort bei uns bleiben kann.
Gott selber ruft sich kraft seines Geistes durch sein Wort unablässig in Erinnerung.

Aber wen von uns kümmern diese Worte Jesu? Wem von uns gehen sie zu Herzen? Haben wir nicht alle Hände voll zu tun, uns von allen möglichen Einflüssen aus der Vergangenheit frei zu machen und uns zugleich aller möglichen Eindrücke aus der Zukunft zu erwehren – in demselben Augenblick, in dem der Herr diese Worte an uns richtet? Bleibt nicht bloß minimaler Raum in uns für das Wort des Herrn – wenn überhaupt!? Und liegt der Grund dafür nicht darin, dass wir nicht mehr in der Situation der Jünger sind, zu denen der Herr spricht?
Die Situation der Jünger ist die, dass sich ihr Jesus verabschiedet; er will zu seinem Vater gehen und sie verlassen, so dass er nicht mehr in der sichtbaren, spürbaren und greifbaren Form wie bisher unter ihnen ist. Die Jünger denken bestürzt: „Oh Gott! Unser Jesus geht von uns weg! Er verlässt uns! Was soll denn jetzt aus uns werden!?“ In dieser Spannung sind sie gleichsam wie dürres aufgerissenes Wüstenland, wie ein staubtrockener Schwamm – sie warten auf Wasser, um sich damit voll saugen zu können; in seiner Geistverheißung gibt Jesus ihnen dieses Wasser. Wir können uns vorstellen, wie sie dieses Wort des Herrn verschlungen haben!

Wo aber ist in uns jene Verbundenheit mit Jesus, die fürchtet, IHN zu verlieren, die ihn unbedingt halten möchte und die sich ausstreckt nach Mitteln, um diesem Jesus nahe zu bleiben. Unseren Jesus – wenn wir ihn je hatten!? Wo ist er geblieben? Wo haben wir ihn verloren? Werden wir ihn jemals wieder finden? Ihn jemals wieder umarmen und wie Maria Magdalena rufen: Rabbuni!? Meister!? Oder wie Thomas: Mein Herr und mein Gott!? Oder wie Petrus: Du weißt alles Herr, du weißt, dass ich Dich liebe!?

Ohne diese persönlich innig liebende Beziehung zu Jesus läuft die Absicht des Geistes, uns an Jesus zu erinnern, ins Leere und bleibt fruchtlos. Wir wollen erinnert werden an Menschen, die wir lieben; die uns lieb und teuer – eben „unvergesslich“ sind.

Mit der persönlichen Beziehung zu Jesus sind wir beim Herzstück unseres christlichen Lebens angelangt. Entweder ist unser Leben ein Leben um Jesu Willen und das heißt: ein Leben wie Jesus, oder: ein Leben in der Nachfolge Jesu – oder es ist schlicht und ergreifend kein christliches Leben.
Dieses Leben um Jesu Willen ist etwas anderes als ein Leben aus Gewohnheit;
es ist etwas anderes als ein Leben aus einem rationellen Humanismus heraus;
es ist etwas anderes als ein Leben für weiß Gott was oder wen.
Alles das sind Klischees von einem christlichen Leben, denen das Herz fehlt: das Leben um Jesu willen. Und genau dieses Fehlen macht das Christentum und das kirchliche Leben in unseren Breiten zu einer kühlen Angelegenheit, die kaum mehr berührt.

Vorbilder sind starke Impulse für die Erneuerung eines Lebens. So wollen wir uns so ein Vorbild für die Erneuerung unseres christlichen Lebens vor Augen führen: Es ist das Leben des Völkerapostels Paulus. Ein echt christliches Leben durch und durch. Wie konnte er so ein Leben führen? Weil, wie er selber so unübertrefflich schreibt, nicht mehr er lebt, sondern Christus in ihm! (vgl. Gal 2:20) Sein christliches Lebenszeugnis hat durch die Jahrhunderte Schule gemacht und zahllose Christen ermutigt und bestärkt, ein Leben um Jesu Willen anzustreben und zu verwirklichen. So wollen auch wir den Herrn suchen, solange er sich finden lässt und wollen Ausschau halten nach ihm, solange er nahe ist. (vgl. Jes 55:6)

Wir wollen an die Vorgaben denken, die uns in der Taufe und in der Firmung geschenkt wurden und die schon längst auf ihre Verwirklichung warten in einem intensiven und begeisterten Jesusleben. Dieses Jesusleben beginnt mit dem unerschütterlichen Entschluss zu einem persönlichen Beten je nach Stand und Möglichkeit; es findet seine Fortsetzung, den Gottesdienst zu besuchen aus dem einen und einzigen Grund: Jesus selber dort zu hören, ihn persönlich dort anzubeten, dort die Freundschaft mit ihm zu erneuern – damit so auch die Leuchte unseres Lebens das Lamm, Jesus, werde. (vgl. Offb 21:23) Er möge das Licht sein, das auf dem Leuchter steht und allen im Haus leuchtet. (vgl. Mt 5:15) Möge dieses Licht durch uns nicht gebrochen und verdunkelt werden!

Maria, die Mutter Jesus und unser aller Mutter im Glauben, möge uns dabei besonders helfen; durch ihr lichtvolles Leben und ihre Weisung ermuntert sie uns, zu tun, was Jesus sagt (vgl. Joh 2:5) ihn zu suchen, so wir ihn verloren haben (vgl. Lk 2:41-52) im Leiden nicht von seiner Seite zu weichen (vgl. Joh 19:25) und in der Gemeinschaft der Glaubenden seinen verheißenen Geist zu erwarten (vgl. Apg 1:14).

Auch unsere Mütter sind wie so ein Licht, das allen im Haus leuchtet; auch sie sind uns eine Erinnerung an Jesus. Danken wir heute am Muttertag dem Herrn, was er uns durch unsere Mütter – bei all ihrer Gebrochenheit – von seinem Licht leuchten und von seiner Liebe erfahren lässt. Amen!

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