Donnerstag, Mai 31, 2007

In Dreiheit Eins!



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 16:12-15


12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.


13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.


14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.


15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.






Gepriesen sei der dreieinige Gott:
der Vater und sein eingeborener Sohn
und der Heilige Geist;
denn er hat uns sein Erbarmen geschenkt.


Dieser Eröffnungsvers zur hl. Messe bezeichnet den Inhalt des heutigen Hochfestes: Es möge ein Lobpreis sein des Dreifaltigen Gottes. Dieser Lobpreis möge vom Erbarmen angeregt werden, das der dreifaltige Gott uns schenkt.
Ein Fest des Herzens ist es, das dieses Erbarmen nicht fasst, und des Verstandes, der diesen Gott in seiner Dreieinheit nicht begreift. Denn es ist nicht die Unfassbarkeit und Unbegreiflichkeit, die uns die Festfreude trüben sondern das Begreifbare und das Erahnbare, das uns jubeln und feiern lässt im Hinblick freilich auch auf das, was über alles Begrenzte hinaus uns Gott an Erbarmen, Leben und Liebe schenken wird jetzt und dereinst.
Dieses Fest drückt die liebende Bereitschaft Gottes aus, sich uns Menschen mitzuteilen so, dass wir ihn erfahren können, und zugleich in einer Art, die jede Erfahrung übersteigt.


Jeder von uns hat ja auch verschiedene Weisen sich anderen mitzuteilen. Ich als Karmelit begegne Euch z. B. als Priester, als Beichtvater oder als Prediger. Aber bei keiner Weise kann ich verleugnen, dass ich Karmelit bin.
So ähnlich ist es auch bei Gott: Er begegnet uns als Vater, als Sohn oder als Hl. Geist.
Denn der Vater hat die Welt erschaffen und den Sohn gesandt – nicht etwa der Sohn oder der hl. Geist.
Und der Sohn ist am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden – nicht etwa der Vater oder der hl. Geist.
Und der hl. Geist verbindet uns mit Gott und miteinander zur Gemeinschaft der Kirche – und nicht etwa der Vater oder der Sohn.
Die Dreifaltigkeit ist kein göttlicher Einheitsbrei sondern eine Gemeinschaft in brennender Liebe bei aller Verschiedenheit.


Alle Religionen, in denen Gott Monarch ist, sind ein Nährboden für Intoleranz, Streit und Krieg.
Und es ist bei uns Christen genau auch diese Vorstellung eines nicht gemeinschaftsfähigen Gottes, der hinter den Kreuzzügen und hinter den Religionskriegen und hinter den Zwangsmissionierungen in Vergangenheit und Gegenwart steht.
Von diesem Zusammenhang her können wir verstehen, wie wichtig und wesentlich das Geheimnis des dreifaltigen Gottes ist für ein geschwisterliches Auskommen in der Kirche, zwischen den Religionen, in der Gesellschaft, zwischen den Völkern und Kontinenten.
Durch dieses Fest möchte Gott uns sagen, dass in seiner Liebe Einheit in Verschiedenheit möglich ist – ja, ER möchte uns sagen, dass in dieser Liebe, die Andersartigkeit und die Verschiedenheit nicht als notwendiges Übel ertragen sondern im Gegenteil als Besonderheit des Anderen geliebt wird.
Stellt Euch nur einmal vor, was der Grundgedanke des heutigen Festes bedeutet für das Zusammenleben in den Familien, in unseren Gemeinden, zwischen den Kulturen und den Schichten unserer Gesellschaft: er bedeutet einen Quell der Geschwisterlichkeit, des Entgegenkommens und des Friedens.


Ihr habt es schon bemerkt: Mit dem heutigen Fest will Gott nicht nur etwas von sich mitteilen; damit will er auch unser Leben beeinflussen und prägen.
So wie ER dreifaltige Gemeinschaft ist sollen auch wir dreifaltige Gemeinschaften werden: in unseren Familien, in unseren Gemeinden, in unserem Staat, auf der ganzen Welt. Ein Auftrag, an dem wir immer zu arbeiten haben werden. Aber mit dieser Arbeit bauen wir das Reich Gottes auf in dieser Welt.


In diesen Zusammenhang passt auch, wenn ich auf die Frage nach den verschiedenen Religionen der Erde die Antwort höre: Das ist eh alles der gleiche Gott!
Gibt so eine Antwort einer, der für den Gott seiner Religion Feuer und Flamme ist oder einer, der seine Ruhe haben will, der Verschiedenheit nur schwer aushalten kann und dem im Grunde Gott gleich gültig weil gleichgültig ist.
Zum dreifaltigen Christen gehört beides zusammen: Die feste Überzeugung, dass der Gott und Vater Jesu Christi der wahre Gott ist und die Achtung vor der religiösen Überzeugung Andersgläubiger.


Im Aushalten des Unterschiedes, im Erleiden der Differenz und im Bleiben in der Liebe zeigt ein Christ, dass sein Gott der dreifaltige Gott der Bibel ist, der ja auch in Jesus Christus unsere menschliche Andersartigkeit, die ja geradezu eine Widerartigkeit zu Gott ist, aushält, in Liebe annimmt und sie in Liebe umformt in seine göttliche Art.
Das Fest des dreifaltigen Gottes ist ein Zeugnis für die Bereitschaft Gottes, die Überfülle seines Lebens in unsere Gemeinschaftsformen einströmen zu lassen, um sie zu dreifaltigen Gemeinschaften zu machen.


So beten wir: Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, im Neuen Bund berufst du aus allen Völkern dein Volk und führst es zusammen im Heiligen Geist. Gib, dass deine Kirche ihrer Sendung treu bleibt, dass sie ein Sauerteig ist für die Menschheit,
die du in Christus erneuern und zu deiner Familie umgestalten willst. So bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen!

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