Samstag, Mai 26, 2007

Hl. Philipp Neri - ein Narr in Christo!



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 20:19-23

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.



„Jesus hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!“ (Joh 20:22) Diese Worte des Evangeliums machen die schönste Aussage über den Heiligen Geist: Er kommt von Jesus!
Noch ehe er Feuerzunge und Sturmesbrausen ist, ist er ein Geschenk Jesu.
Noch ehe er von Paulus in seinem Reichtum entdeckt wird in der Vielzahl seiner Gaben, ist er eine Gabe Jesu!
Darum wird uns der heilige Geist immer an Jesus erinnern, an das, was er getan und gesagt hat. (Joh 14:26) Er wird uns Freude an dem schenken, was uns zu Jesus hinführt: An der hl. Messe, an der Anbetung, an der Beichte, an jedem Sakrament unserer Kirche, an der Gemeinschaft der Kirche selber, am Gebet, an der Schriftlesung, an der Begegnung mit Menschen, die Jesu Freunde sind.
Dieser Geist will uns mehr und mehr zu Menschen machen, die durch ihr ganzes Denken, Reden und Tun bekennen: „Jesus ist der Herr!“ (1Kor 12:3b) Und er wird uns erkennen und meiden lassen, wo Jesus das Herrsein streitig gemacht wird. Dieser Geist wird uns meiden lassen, was nichts mit Jesus zu tun hat, was nicht zu ihm hinführt, was ihn verschämt verschweigt und eigenherrlich verleugnet.
Dieser Geist wird die Haltungen in uns fördern, die an Jesus erinnern: „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“ (Gal 5:22-23)
Darum ist es selbstverständlich, dass die Geisterfüllten unserer Kirche durchwegs Christusnarren waren. Denn wer den hl. Geist im Nacken hat, der trägt Jesus in seinem Herzen und auf seinen Lippen. Sein Bekenntnis zu Jesus ist der Erweis jenes Geistes, dessen Herabkunft wir heute feiern.
Da wir gestern eben einen solchen Narren in Christo gefeiert haben möchte ich an einzelnen Episoden in seinem Leben aufzeigen, was ich meine: Wir gedachten gestern des hl. Philipp Neri, des Apostels von Rom.

1515 – 1595 lebte Philipp Neri; mit 18 Jahren kam er nach Rom. dort war er 16 Jahre lang als Erzieher in einer Familie tätig. Er studierte Theologie und Philosophie, und kümmerte sich um Arme und Kranke.
Noch während des Studiums verkaufte er alle seine Bücher außer der Bibel, gab den Erlös den Armen und widmete sich der religiösen Unterweisung des Volkes auf der Straße. Entsprechend seinem sonnigen Naturell führte er heitere, witzige und schlagfertige Gespräche mit Straßenjungen und einfachen Leuten, aber auch mit Kaufleuten und Künstlern, was ihm den Beinamen "der lachende Heilige" eintrug. Ohne Unterlass betete er, manchmal schlief er in einer Kirche, um auch im Schlaf Gott nahe zu sein.
1548 gründete Filippo gemeinsam mit seinem Beichtvater die "Bruderschaft der Heiligsten Dreieinigkeit", eine Gesellschaft von Laien zur Betreuung von bedürftigen Rompilgern, Kranken und Armen. 1551 empfing Filippo auf Drängen seines Beichtvaters hin die Priesterweihe und schloss sich bald darauf der Kirchengemeinde von San Girolamo della Carità in Rom an. Seine Versammlungen und Gottesdienste mit Lobliedern und Gebeten in der Volkssprache wurden so beliebt, dass über dem Kirchenschiff ein zusätzlicher Raum eingerichtet werden musste, um die wachsende Zuhörerschaft unterzubringen. In diesem Raum, dem "Oratorium", entstand eine Wohngemeinschaft Gleichgesinnter, innerlich zusammengehalten von gemeinsamem Glaubensgespräch, von Beten und Bibelbetrachtung. Das Oratorium wurde zum Mittelpunkt der Tätigkeit Filippo Neris.

Die Feier des Messopfers versetzt ihn in Ekstase. Er weiß kaum, wohin er schreitet, er taumelt auf dem Wege und vor dem Altare. Hebt er die Hostie in die Höhe, so kann er die Arme nicht wieder herunterbringen; es scheint, als zöge ihn eine unsichtbare Kraft empor. Beim Eingießen des Weins zittert und schaudert er. Und wenn er nach vollendeter Wandlung dieser geheimnisvollen Gaben genießen soll, erzeigt er sich auf eine wunderliche, nicht auszusprechende schwelgerische Weise. Vor Leidenschaft beißt er in den Kelch, indes er ahnungsvoll das Blut zu schlürfen glaubt des kurz vorher gleichsam gierig verschlungenen Leibes. Ist aber die Messfeier vorüber, so finden wir zwar immer einen leidenschaftlich wundersamen, aber immer höchst verständig praktischen Mann.“

Im Mittelpunkt von Filippos Frömmigkeit standen das Pfingstwunder und besonders die Verehrung der Gottesmutter.
An einem sehr heißen Sommertag macht er mit einer Pilgergruppe eine Wallfahrt zu den 7 Hauptkirchen Roms; es war so heiß, dass vor Erschöpfung fast niemand mitbetete; da nahm er sein Birett, warf es in die Luft, sprang hinterher, fing es auf und rief: "Paradiso, paradiso!". Alle lachten und klatschten in die Hände, dann ging Gebet und Wallfahrt fröhlich weiter.

Einmal soll er im Auftrag des Papstes eine Nonne prüfen, die sich durch Wunder hervortut: Übel zugerichtet durch die Reise lässt er die Nonne rufen und reicht ihr statt des Grußes den Stiefel hin, damit sie ihn ausziehe. Zornig erwidert sie, für wen er sie denn halte? Sie sei die Magd des Herrn – aber nicht eines jeden, der daherkomme, um knechtische Dienste von ihr zu verlangen. Phillip erhob sich, kehrte zum Papst zurück und sagte ihm: diese Nonne tut kein wunder, denn es fehlt ihr an der ersten christlichen Tugend, an der Demut.

Einer seiner Leitsprüche war eine Weisung des hl. Bernhard: Verachte die Welt, verachte niemanden, verachte dich selbst, verachte es verachtet zu werden!

Wir wollen beten: O Gott! Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und was deine Liebe am Anfang der Kirche und im Leben des hl. Philipp Neri gewirkt hat, das wirke sie auch heute in den Herzen aller, die an dich glauben. Amen!

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