Dienstag, Mai 15, 2007

Emporhebung Jesu



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 24: 46 – 53

46 Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,
47 und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.
48 Ihr seid Zeugen dafür.
49 Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herab senden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.
50 Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie.
51 Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben;
52 sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.
53 Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.




Das Evangelium berichtet uns, wie Jesus die Jünger verlässt und in den Himmel emporgehoben wird. Sie kehren darauf voll Freude nach Jerusalem zurück! Bisher waren sie immer verzagt und betrübt, wenn Jesus von seinem Heimgang zum Vater gesprochen hat.
Woher nun dieser Stimmungswechsel? Woher die Freude? Nun, Jesus verschwindet nicht einfach sang- und klanglos. Vielmehr hat er ihnen gesagt, was sie jetzt weiter tun sollen: „Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.“ (Lk 24:49b) Mit dieser Anweisung hat er ihnen gleichsam als Abschiedsgeschenk so was wie eine Schatzkarte in die Hand gegeben; denn diese Kraft aus der Höhe ist eine Gabe, die sein Vater herab senden wird.
So folgen sie sehr treu diese Anweisung ihres Herrn und „waren nun immer im Tempel und priesen Gott.“ (Lk 24:53) Sie zeigen durch ihr treues Verhalten, dass sie sich ganz bereiten und öffnen wollen für diese Gabe des Vaters.
Über diese Gabe zu sprechen ist Aufgabe einer Pfingstpredigt.

Für heute gilt es nicht vorzugreifen sondern bei der Freude stehen zu bleiben, die die Jünger erfüllt angesichts der Empornahme ihres Herrn in den Himmel und angesichts der Verheißung jener Gabe des Vaters, der Kraft aus der Höhe.
Diese Freude hängt mit dem Vertrauen zusammen, das der Herr in ihnen erneuert hat: Denn er ist als der von den Toten auferstandene Herr zu ihnen gekommen; hat erneut die Gemeinschaft mit ihnen gesucht, hat sie erneut um sich versammelt. Er hat so in seinem Tod und seiner Auferstehung erfüllt, was er bereits angekündigt hatte, als er noch mit ihnen in Galiläa unterwegs war, und was sie damals nicht verstanden und nicht geglaubt haben.
Aber nicht nur das: Auch zu den hl. Schriften hat er ihnen einen neuen Zugang erschlossen, indem er sie als Wege deutet, die alle zu ihm hinführen und in ihm ihre Erfüllung finden. Dass Jesus nun von ihnen weg und in den Himmel aufgenommen wurde können sie als Teil dieser Erfüllung der hl. Schriften erkennen. Die Jünger freuen sich im Rückblick deshalb, weil der Weg Jesu nicht in den Tod geführt hat sondern durch den Tod hindurch zu einem neuen unzerstörbaren Leben beim Vater.

Die Freude der Jünger ist also eine Frucht des Vertrauens, das der Herr in ihnen erneuert hat. Dieses neue Vertrauen sagt ihnen: "Was der Herr verheißt, das trifft ein! Und es trifft in Überfülle ein! Und so können wir uns in dieser Gabe des Vaters von oben auf ein Geschenk der absoluten Extraklasse freuen!"
Die Jünger freuen sich also auch im Hinblick auf die Zukunft. Dabei lässt sie diese Freude nicht halb ängstlich halb neugierig fragen, was da mit diesem Geschenk wohl auf sie zukommen mag. Vielmehr ist es eine gelassene, weil vertrauende Freude, die in dieser kraftvollen Gabe aus der Höhe nur Gutes und Heilvolles erwartet. Diese Freude befähigt sie deshalb zum unablässigen Aufenthalt im Tempel und zum Lobpreis Gottes – wohlgemerkt des Gottes Jesu Christi, der zugleich der Gott ihrer Väter Abraham, Isaak und Jakob ist.

Und somit entdecken wir eine dritte Ursache ihrer Freude: Der Lobpreis Gottes zeigt an, dass ihre Beziehung zum Gott ihrer Väter durch Jesu Wirken erneuert wurde. Und der Tempel ist ja die Wohnung dieses Gottes. Sie sind nicht deshalb in den Tempel gegangen, weil sie nicht wussten, wohin sie sonst gehen sollten sondern weil sie durch Jesus beim Gott ihrer Väter ein neues Zuhause gewonnen haben. Dieser Gott hat wie eine aufstrahlende Sonne seinen ungeahnten und unergründlichen Reichtum erkennen lassen in der Auferweckung Jesu aus dem Tod, in der Aufnahme Jesu in seine göttliche Herrlichkeit und – wie sie mit Vertrauen erwarten – in der Kraftgabe aus der Höhe. Vielleicht konnten sie es noch nicht theologisch klar ausdrücken; aber geahnt haben sie es gewiss: In diesem Jesus ist in der Aufnahme in den Himmel nicht nur der Sohn des Vaters sondern ein Mensch in die Herrlichkeit Gottes eingetreten – ein Mensch wie die Jünger! Diese Beheimatung eines Menschen in der Herrlichkeit Gottes hat sie auch im Tempel eine neue Heimat beim Gott ihrer Väter finden lassen.

Ihr habt es schon bemerkt, die Freude der Jünger entströmt dem dreifaltigen Gott! Und ich bin überzeugt, die beste Vorbereitung auf die Kraftgabe Gottes zu Pfingsten ist es auch für uns, wenn wir uns in diese Freude einstimmen und mit den Jüngern Gott preisen – im Vertrauen auf Jesu Verheißung jener Kraft aus der Höhe, mit der er auch uns erfüllt wissen möchte.

Keine Kommentare: