Donnerstag, Mai 17, 2007

Alle sollen eins sein!


 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 17:20-26

20 Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.
21 Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind,
23 ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.
24 Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.
25 Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
26 Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.




 

Wir dürfen im heutigen Evangelium einem Gebet beiwohnen, das Jesus an seinen Vater im Himmel richtet: „Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein!“ (Joh 17:20f) Jesus betet um Einheit, und zwar um Einheit all jener, die an ihn, Jesus, glauben. Das Thema dieses Jesusgebetes ist ausdrücklich die Einheit unter den Christen; und nicht etwa die Einheit der Christen mit den Gläubigen anderer Religionen der Welt.

Jesus spricht dieses Gebet bei seinem Abschied von den Jüngern im Abendmahlssaal. Dieses Gebet um Einheit fließt aus der Einheit Jesu mit seinem Vater. Im Beten verwirklicht er diese Einheit. Jesus lebt diese Einheit mit dem Vater angesichts der Zerrissenheit und Uneinigkeit seiner Jünger: Er wusste darum und sagte es ihnen voraus: Judas wird ihn verraten; Petrus wird ihn verleugnen; alle Jünger werden ihn verlassen!

Diese Einheit mit seinem Vater im Gebet hat er auch in anderen kritischen Situationen seines Lebens gelebt: etwa als er vom Teufel versucht wurde – da war er durch die Worte der Schrift betend mit seinem Vater vereint, was ihm schließlich den Sieg über den Versucher ermöglicht hat. (vgl. Mt 4:1-11 parr.)

Oder erinnern wir uns an den Ölberg – auch dort finden wir Jesus im Gebet mit dem Vater vereint. (vgl. Mk 14:32-41 parr.) Ebenso in seinen letzten Zügen am Kreuz! (vgl. Lk 23:34; 23:46 u.ä.)

In all diesen Situationen der Spaltung, der Trennung, der Zerrissenheit aufgrund der Sünde lebt Jesus durchgehend sein Einssein mit dem Vater und drückt dies durch sein Gebet auch aus. So will Jesus uns Mut machen, in den Uneinigkeiten unseres Lebens im Gebet das Einssein mit dem Vater zu suchen und zu leben. So wie wir lernen, das Dunkel der Uneinigkeiten betend auszuhalten, zu bestehen und durchzustehen sind wir beim Vater und nichts wird uns schaden können. (vgl. Lk 10:19) So leben wir wie Jesus Einheit in Zerrissenheit; so heilen wir, wie er, Zerrissenheit durch Einheit. Nicht umsonst mahnt uns der Apostel: „Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5:17) Betend überwinden wir Uneinigkeit auf Einheit hin.

Das Thema des Gebetes ist die Einheit der Christen. Bereits die Apostelbriefe und die Apostelgeschichte, erst recht aber die Kirchengeschichte seither zeigen, dass das Einssein seiner Jünger zu Recht ein besonderes Sorgenkind Jesu ist. Jesus will mit seinem Gebet die Einheit unter uns Christen auch uns wärmstens ans Herz legen. Diese Sorge Jesus möge auch unsere Sorge sein; so wie er um Einheit betet mögen auch wir zum Vater um Einheit beten. Machen wir uns diese besondere Sorge Jesu zu Eigen! Er macht sie ja zur Chefsache, indem er mit seinem Vater darüber spricht. Er macht sie zur Angelegenheit Gottes! So wichtig ist ihm unser Einssein. Auch uns soll es so wichtig sein; auch uns soll es Chefsache sein!
Damit uns das gelingt, will er uns den Heiligen Geist senden,
den einen Geist, der die vielen Gnadengaben schenkt,
die in den vielen Diensten wirken, die auf den einen Herrn verweisen, durch den wir zum einen Gott gelangen, der in den verschiedenen Kräften alles in allem wirkt. (vgl. 1 Kor 12:4-6)

Schließlich noch die Frage, warum Jesus „nur“ um die Einheit jener gebetet hat, die an ihn glauben und nicht etwa um die Einheit aller Religionen:
Weil uns Jesus seine Einheit mit dem Vater nicht nur als Beispiel sondern als absolut nötigen Lebensgrund für die Einheit von uns Christen vor Augen stellt. Man kann das Streben nach dieser Einheit nicht von Menschen fordern, die nicht an Gott glauben.

Und dennoch betet Jesus indirekt auch für jene, die noch nicht an ihn glauben können. Denn er fährt in seinem Gebet fort: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. (Joh 17:21) Jesus möchte also, dass die Menschen zum Glauben an ihn kommen durch das Zeugnis der Einheit, das wir Christen ablegen. Das Zeugnis unserer Einheit und das Streben nach dieser Einheit ist ein eminentes Werkzeug für die Ausbreitung unseres Glaubens.

Und zwar deshalb, weil in der Einheit der Christen, gelebt nach dem Vorbild der Einheit Jesu mit dem Vater, gerade jene Liebe zum Leuchten kommt, die für uns heute überlebenswichtig ist: Die Liebe, die im Zumuten des Eigenen und im Annehmen des Anderen Wirklichkeit wird. Schauen wir nur in die Krisenherde unserer Welt und wir erkennen dort genau das Fehlen dieser Liebe als Ursache für Zerrissenheit, Uneinigkeit, Hass, Krieg, Terror und für unsägliches Leid. Der Blick darauf zusammen mit der Liebe zum Herrn muss uns dazu bewegen, die von Jesus so sehr erwünschte und erbetene Einheit anzustreben und zu verwirklichen, wo immer dies möglich ist. Amen!

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