Sonntag, April 08, 2007

Und sie erkannten ihn als er das Brot brach



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 24: 13 – 34

13 Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. 15 Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen,
18 und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.
20 Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, 23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. 28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen.
31 Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.




Wie sehr hat doch das Erleben des Leidens und Todes Jesu die beiden Emmausjünger traumatisiert: Der Herr begegnet ihnen auf ihrem Weg, er geht mit ihnen und spricht mit ihnen – und sie erkennen ihn nicht!
Damit sie ihn schließlich doch erkennen konnten, hat er ihnen eine dreifache Gemeinschaft geschenkt.

Da ist zuerst einmal die Weggemeinschaft: „Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.“ (Lk 24:15)
Jesus meidet nicht die Gemeinschaft seiner Jünger – mögen sie ihn auch verlassen haben: er geht dennoch wieder mit ihnen. Wie er sie zu Beginn seines öffentlichen Wirkens in seine Gemeinschaft gerufen hat so sucht er jetzt erneut das gemeinsame Unterwegssein mit ihnen. Es stört ihn nicht, dass sie ihn nicht erkennen.
Es stört ihn auch nicht, dass sie schlecht drauf sind; dass sie jammern und klagen; dass sie leiden und Kummer haben. Es mag wohl gerade dies der Grund sein, dass Jesus mit ihnen geht. Wer könnte berufener sein den Kreuzweg mit ihnen zu gehen, als der, der ihn zuvor für sie gegangen ist auf Kalvaria hinauf?
In seiner Kirche geht Christus auch heute an der Seite der Leidenden, der Traurigen, der Bedrückten und Verfolgten. In der Kirche hält Christus auch heute Weggemeinschaft mit der leidenden Welt. Es ist eine Aufgabe, die zum Wesen der Kirche gehört: Die Welt in ihren Leiden aufzusuchen und mit ihr durch die Dunkelheit dieser Zeit zu gehen und ihr so den auferstandenen Herrn nahe zu bringen – mag sie ihn nun erkennen oder nicht!

Das Nebenhergehen allein genügt Jesus nicht; er tritt in ihr Gespräch ein. Er gewährt ihnen Erzählgemeinschaft. Im Erzählen und Zuhören teilen sie einander ihr Leben mit; lernen sie einander kennen; lässt einer den anderen tiefer in sein Leben eintreten. Im Evangelium erleben wir Jesus da vor allem als Zuhörenden; als einen, der bereit ist, sich auf die Not der beiden Jünger ganz einzulassen; er kann sie ausreden lassen. Sie dürfen ihr Herz bei ihm ausschütten.
Wer könnte dazu berufener sein als jener, der sein Herz von der Lanze des Soldaten hat öffnen lassen, damit Blut und Wasser hervor fließen. Er hat sein Herz ganz offen und ganz leer gemacht, damit alle Not der Welt, alle Klage und aller Jammer dort ihren Platz und ihren Widerhall finden können.
Und erneut ist es der lebendige Leib seiner Kirche, in der der Herr die Probleme, die Klagen, die Übel, die Katastrophen und die Verbrechen der heutigen Welt hören möchte in ihrer Länge und Breite, in ihre Tiefe und in ihrer ganzen Schrecklichkeit.
Es gehört zur wesentlichen Berufung der Kirche, den auferstandenen Herrn der Welt darzustellen, indem sie als Hörende und Antwortende auf alle Probleme dieser Welt eingeht.
Und wie Jesus dann die Klage der beiden Jünger beantwortet, indem er aus seinem Leben erzählt, wie es die Schriften und die Propheten darstellen, beginnt ihr Herz zu brennen: Sie spüren mit dem Herzen den nahen Herrn und können ihn mit dem Verstand doch noch nicht erkennen.

So bietet ihnen der Herr als drittes die Mahlgemeinschaft an: „Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn.“ (Lk 24:30f.) Das bringt den Durchbruch, das Aufleuchten! Die unverwechselbare Art, wie Jesus beim letzten Abendmahl in den Gestalten von Brot und Wein sich selber in seinem Tod und seiner Auferstehung gegenwärtig setzte und sich selber ihnen zur Speise gibt, hilft ihnen jetzt Jesus zu erkennen.
So macht Jesus es seinem Leib der Kirche zur Aufgabe, in der Eucharistie selber vom Brot des Lebens zu essen und vom Kelch des ewigen Heiles zu trinken und der Welt diese Speise zum ewigen Leben anzubieten, auf dass sie erkenne, welche Speise ihr das wahre Leben gibt.
Papst Benedikt schreibt jüngst über die Eucharistie: „Auf die Fürsprache der Allerseligsten Jungfrau Maria entzünde der Heilige Geist in uns dasselbe Feuer, das die Jünger von Emmaus spürten (vgl. Lk 24,13-35) und erneuere in unserem Leben das eucharistische Staunen über den Glanz und die Schönheit, die im liturgischen Ritus aufleuchten, der ein wirksames Zeichen der unendlichen Schönheit des heiligen Mysteriums Gottes ist. Jene Jünger erhoben sich und kehrten eilends nach Jerusalem zurück, um die Freude mit ihren Brüdern und Schwestern zu teilen. Die wahre Freude besteht nämlich darin, zu erkennen, dass der Herr bei uns bleibt, als unser treuer Weggefährte. Die Eucharistie lässt uns entdecken, dass sich der gestorbene und auferstandene Christus im Mysterium der Kirche, seinem Leib, als unser Zeitgenosse erweist.“ (Mysterium caritatis 97)

Gehen wir mit dem auferstandenen Herrn und in ihm mit unseren Schwestern und Brüdern. Amen!

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