Freitag, April 06, 2007

Frau, siehe dein Sohn! ... Siehe, deine Mutter!



„Deinen Tod, o Herr, verkünden wir!“ So haben wir gestern nach der Wandlung in der Akklamation gerufen!
Was wir bei der Abendmahlfeier gesagt haben tun wir heute auf besondere Weise: Wir verkünden das Leiden und den Tod unseres Herrn Jesus Christus.
Wir begegnen der alttestamentlichen Gestalt des Gottesknechtes (Jes 52:13 – 53:12) und finden ihre Entsprechung in unserem leidenden und sterbenden Herrn Jesus. (Joh 18:1 - 19:42)
Im herzlichen Mitgehen mit dem Herrn auf seinem Leidensweg dürfen wir tiefer eindringen in das Geheimnis seines scheinbar sinnlosen Leidens und Sterbens.

„Jesus wusste alles, was mit ihm geschehen sollte.“ (Joh 18:4)
Jesu wusste, dass Pilatus keine Macht über ihn hätte wenn es ihm nicht von oben gegeben wäre. (vgl. Joh 19:11)
Schließlich wusste Jesus, dass nun alles vollbracht war und er gab seinen Geist auf mit den Worten: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19:30)
Dieses Wissen Jesu reichte über seine Nasenspitze hinaus in die Tiefen Gottes hinein.
Darum verwendet Jesus sein Wissen nicht, um Strategien zu entwickeln, wie er sein Leiden verhindern und seinen Tod hinausschieben könnte.
Dieses Wissen gibt ihm vielmehr die Kraft, sein Leiden anzunehmen, entschlossen den Kreuzweg zu gehen und den Tod zu erdulden wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. (vgl. Jes 53:7)
Sein Wissen wird genährt aus der Kenntnis der Schriften und da heute besonders der 1. Lesung über den Gottesknecht.
Sein Wissen ist begründet in seinem Gebet.
Beides lässt ihn erkennen und annehmen, dass sein Leiden und Sterben von Gott verfügt ist, von jenem Gott, den er zärtlich Abba, Vater, zu nennen pflegt. In der Annahme seines Leidens und Sterbens erfüllt er den Willen Gottes aus Liebe zu ihm.
Beides lässt ihn aber auch erkennen und annehmen, warum ihm Leiden und Tod widerfahren: „Der Herr lud nämlich auf ihn die Schuld von uns allen.“ (Jes 53:6) „Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53,4f.) In der Annahme seines Leidens und Sterbens handelt er zu unserem Heil aus Liebe zu uns.

Sein Umherziehen, sein Gutes Tun und dass er alle Krankheiten und Leiden im Volk heilte (vgl. Apg 10:38; Mt 4:23) – das alles erreicht seinen Höhepunkt in seinem Leiden und Sterben am Kreuz, seine Glieder angenagelt am Marterpfahl.
Sein wissendes Leiden und Sterben wollen uns sagen, dass er aus Liebe zu Gott und zu uns Menschen leidet und stirbt.
Es will uns sagen, dass nicht die brutale Gewalt der Menschen und der eisernen Nägel seine Arme am Kreuz ausgebreitet hält sondern seine bezwingende Macht der Liebe, mit der er alle zu sich ziehen wird (vgl. Joh 12:32) O möge uns doch seine Liebe und alles, was sie erduldet, wahre Zerknirschung des Herzens bereiten, damit wir in diese geöffneten Arme des Herrn laufen, bereit, sein Geschenk der Erlösung anzunehmen um dadurch gewandelt als neue Menschen in dieser Welt zu leben – als Menschen seines Wohlgefallens. (vgl Lk 2:14)

„Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!
Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19:26f)
Seine wissende Liebe lässt ihn bis zuletzt aufmerksam sein. So vertraut er in seinem Lieblingsjünger uns alle seiner Mutter an, das heißt jener Frau, deren Herz nach dem seinen am meisten gelitten hat und sich so als wahres Mutterherz erweist. Diesem Herzen vertraut sich der Herr erneut an – diesmal allerdings stellvertretend durch seinen Lieblingsjünger im Leib seiner Kirche. Im Leib der Kirche möge Maria ihren Sohn lieben. Durch diese Liebe möge Maria uns helfen, in den Händen ihres Sohnes unsere Heimat zu finden, indem wir uns so wie sie dem Herrn zu Verfügung stellen: Sein Wille möge wie in ihrem so auch in unserem Leben geschehen (vgl Lk 1:38). Sein Wort möge wie in ihrem so auch in unserem Herzen Raum finden, dass wir es dort bewegen, darüber nachdenken (Lk 2:19) und danach leben. (vgl. Lk 11:28; Mt 7:24f.)

Keine Kommentare: