Donnerstag, April 26, 2007

Der gute Hirt



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 10: 27 – 30

27 Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir.
28 Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen.
29 Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.
30 Ich und der Vater sind eins.



Wenn am heutigen Sonntag der Gute Hirte vor unsere Augen tritt, dann kennen wir dieses Bild wohl kaum mehr aus persönlicher Erfahrung. Wenn wir jedoch die Begriffe hören, in denen die Beziehung des Hirten zu seiner Herde zum Ausdruck kommt, wird lebendiger, was mit Hirte gemeint ist: hören, kennen, folgen!
Diese Begriffe spielen nämlich in unserem Leben eine wesentliche Rolle; denn wir hören auf Stimmen, wir kennen andere Menschen, und wir folgen ihnen.
Gerade in den nachösterlichen Erzählungen von der Begegnung mit dem Auferstandenen leben diese drei Beziehungswörter auf.
Als der auferstandene Herr die weinende Maria bei ihrem Namen ruft, erkennt sie ihn als ihren Meister. (vgl. Joh 20:16) So wie Jesus ruft niemand sonst ihren Namen. Seine Stimme würde sie unter Tausenden heraushören. Indem Jesus sie bei ihrem Namen ruft, berührt er jene einmalige Beziehung, die nur zwischen ihm und ihr besteht. Diese Beziehung ist im Verlauf ihres Beisammenseins gewachsen und hat sich unvergesslich in ihr Herz eingeprägt.
Oder wie Jesus den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus unerkannt davon erzählt, wie sein Schicksal ausgehend von Mose und den Propheten aus der gesamten Schrift herauswächst (vgl. Lk 24:27) da beginnt ihr Herz zu brennen (vgl Lk 24:32) und sie erahnen ihn, den sie noch nicht erkennen können.
Und schließlich am See von Tiberias: Da hat Jesus den Jüngern, die eben vom nächtlichen Fischfang ans Ufer gekommen sind, ein Mahl bereitet und isst es nun mit ihnen. Was er dabei mit seinen Gesten und mit seinem Mund redet lässt sie zweifelsfrei erkennen, wer er ist, da „wagte keiner von den Jüngern ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.“ (John 21:12) Gewiss können wir aus eigener Erfahrung nachvollziehen, was es bedeuten kann, auf eine Stimme zu hören.

„Ich kenne sie“ (Joh 10:27) So einfach das klingt so unergründlich tief ist es auch. Es spricht zum einen die gemeinsame Geschichte vor seinem Tod an. Er hat sie dabei durch und durch kennen gelernt. Die Episode bei Cäsarea Philippi weist darauf hin, als Jesus zu Simon sagt: „ Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ (Mt 16:18) Demselben Simon sagt Jesus unmittelbar vor seinem Leiden: „Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ (Mt 26:34)
Oder erinnern wir uns an die beiden Söhne des Zebedäus, die in seinem Reich links und rechts neben Jesus sitzen wollen. Da antwortet er ihnen: „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.“ (Mk 10:38-39)
Und von allen sagt er beim letzten Abendmahl: „Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen und zu Fall kommen;“ (Mt 26:31) Jesus kennt ihren Reichtum und ihre Armseligkeit.
Er kennt sie aber zudem tiefer in dem Sinn, dass er Mensch ist wie sie, in allem ihnen gleich außer der Sünde. (vgl Heb 4:15) Er hat menschliche Versuchbarkeit (Mt 4:1-11) menschliche Trauer, (vgl Joh 11:35) menschliche Angst (Mt 26:37-46) und äußerste Verlassenheit (Mt 27:46) erlebt. Aus eigenem weiß er, wessen sie zuinnerst bedürfen und dass nur ER, der gute Hirt, ihnen das geben kann. So heißt es im Heb 2:17f: “Darum musste er in allem seinen Brüdern gleich sein, um ein barmherziger und treuer Hoherpriester vor Gott zu sein und die Sünden des Volkes zu sühnen. Denn da er selbst in Versuchung geführt wurde und gelitten hat, kann er denen helfen, die in Versuchung geführt werden.“

Dieses Kennen ist ein Kennen aus Liebe und somit ein Kennen zum Heil. Es begründet, dass sie ihm folgen. Dieses Folgen weiß im Innersten: Dieser Jesus kennt mich besser als ich selber mich kenne. Darum weiß er auch, was für mich das Beste ist. Deshalb folge ich ihm. Ich folge ihm, wie Maria Magdalena und die Jünger von Emmaus ihm gefolgt haben und zu den übrigen Jüngern gegangen sind, um ihnen auszurichten, was der Herr aufgetragen hat. Ich folge ihm wie die Jünger nach Galiläa auf den Berg (vgl. Mt 28:16), wo er sie bis ans Ende der Welt und bis ans Ende ihres Lebens in seine Gefolgschaft ruft mit dem Auftrag: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28:19-20)
Dem guten Hirten Jesus Christus nachfolgen bedeutet den Weg des Lebens gehen, es bedeutet Vertiefung der Jüngerschaft und es wandelt zu guten Hirten. Im Guten Hirten werden wir selber zu guten Hirten. Amen!

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