Samstag, April 21, 2007

Petrus, liebst du mich mehr als diese?



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 21:1 – 19

1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.
10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
11 Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.
15 Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!
16 Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
17 Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
18 Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.
19 Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!



Im Evangelium eben können wir zwei Abschnitte im Leben der Jünger erkennen: Einen Abschnitt ohne Jesus und einen mit Jesus.
Die Zeit ohne Jesus verbringen sie damit, dass sie wieder fischen gehen. Sie tun das, was sie getan haben, ehe Jesus sie in seine Nachfolge gerufen hat. Aber sie fangen nichts; sie bleiben fruchtlos. Es liegt etwas Trostloses über der ganzen Begebenheit: Mit Jesus, der für die Jünger tot ist, erscheint alles ausgelöscht, was sie bisher mit Jesus erlebt haben. Sie erscheinen wie zurückgeworfen in die Zeit vor Jesus. Das Verhalten der Jünger scheint aus einer tiefen Resignation zu erwachsen. Mit Jesus scheint alles weg und alles vergessen: Das Reich Gottes, die Predigt Jesu, seine Wunder und Zeichen. Alle Hoffnungen und Träume sind zerplatzt.
Ist dieser Zustand der Jünger nicht dem ähnlich, den wir bei uns immer wieder erleben: Dieses Treten auf der Stelle, dieses immer wieder zurückfallen; dieses nicht weiter kommen; diese Trostlosigkeit, die Resignation, die Depression, die Eintönigkeit eines freudlosen Lebens; die Erfolglosigkeit in geistlicher und moralischer Hinsicht? Wir müssen weiß Gott nicht weit gehen! Oft genug nur bis vor die Kirchtüre! Und gebe Gott, dass diese Haltungen uns nicht auch oft genug schon beim Gottesdienst selber einholen!
Die Jünger stellen uns ein Leben vor Augen, in dem Jesus tot ist; ein trostloses Leben, ein unfruchtbares Leben. Ein Leben ohne den Herrn; ein Leben, in dem sie auch nicht mehr seine Jünger sein können.

In dieses Leben dringt die Stimme vom Ufer ein. Sie gibt Anweisung, die, befolgt, Früchte zeitigt. Die schönste Frucht ist jedoch die Erkenntnis, dass dies die Stimme des Herrn ist. Diese Erkenntnis ist ihrerseits eine Frucht der Liebe, die vom Herrn kommt. Letztlich führt diese Stimme zur Begegnung mit dem Herrn selber. Es ist eine Mahlbegegnung.
Alles zusammen genommen können wir sagen, die Situation ist unserem christlichen Leben nicht unähnlich: Es ist die Stimme des Herrn, der unserem Leben Sinn und Ziel geben möchte. In dieser Stimme möchte der Herr in unserem Leben gegenwärtig sein. Die Liebe, die der Herr zu uns hat, lässt uns diese Stimme als die Stimme des Herrn erkennen. Die Stimme des Herrn führt uns zur Mahlgemeinschaft mit ihm: bei jeder hl. Messe dürfen wir diese Gemeinschaft erleben.

Noch etwas fällt im Evangelium auf: Dass Petrus besonders hervorgehoben wird: Er führt die Aufzählung der Apostelgruppe an. Er macht den Vorschlag, fischen zu gehen und alle stimmen zu und gehen mit ihm. An ihn wendet sich der Jünger, der Jesus erkennt. Von ihm wird als einzigem erzählt, dass er nackt ist. Er wirft sich ins Wasser und watet auf den Herrn am Ufer zu. Und wie Jesus an alle Jünger die Bitte richtet, von den gefangnen Fischen zu bringen, ist es Petrus allein, der die 153 großen Fische ans Land zieht. Der Vorrang des Petrus ist unübersehbar!
Nach dem Essen scheint es in der gleichen Tonart weiter zu gehen: Jesus fragt nämlich den Petrus gleich dreimal, ob er ihn liebt.
Und doch ist bereits in der ersten dieser drei Fragen eine wesentliche Korrektur enthalten, denn Jesus fragt den Petrus: Liebst du mich mehr als diese? Für Jesus zählt der Vorrang in der Liebe! Ein Streben darf es geben, besser zu sein als die anderen: das Streben im Lieben! In der geschwisterlichen Liebe, in der gegenseitigen Achtung, in der Rücksichtnahme aufeinander dürfen wir einander übertreffen. (vgl Röm 12:10)
Dass Jesus diese Frage, die jeden Jünger betrifft, gerade an Petrus dreimal richtet, ist darin begründet, dass gerade er den Herrn dreimal verraten hat.
Es ist dieser Eifer im Lieben, dem der Herr seine Schafe zum Weiden anvertraut. (vgl Joh 21:15-17) Denn in diesem Liebeseifer ist der Jünger dem Herrn ähnlich, der die Seinen liebte bis zur Vollendung (vgl. Joh 13:1); er steht in jener größten Liebe, in der einer sein Leben hingibt für seine Freunde (Joh 15:13). Diese Liebe macht den Jünger bereit, wie der gute Hirte zu suchen und zu retten, was verloren war. (vgl Lk 19:10) Diese Liebe befähigt zur Nachfolge Jesu.

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