Freitag, April 13, 2007

Friede sei mit euch!



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 20: 19 – 31

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

24 Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!

27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

28 Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!

29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

30 Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan.

31 Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.




Wir erlebten eben eine Begegnung der Jünger mit ihrem auferstandenen Herrn. Der Herr kommt nicht mit leeren Händen zu dieser Begegnung.

„Jesus tritt in ihre Mitte und sagt zu ihnen: Friede sei mit euch!“ (Joh 20:19). Das erste Wort des Auferstandenen an seine Jünger ist ein Friedenswort. Was mag dieses Wort für die Jünger wohl bedeutet haben, deren Herz bedrückt war von Angst vor den Juden; mussten sie doch befürchten, ein ähnliches Schicksal zu erleiden wie ihr Herr und Meister.
Was mag es bedeutet haben für ihr Herz, das belastet war vom schlechten Gewissen im Hinblick auf ihr Verhalten gegenüber dem leidenden und sterbenden Jesus. Die Erwartung eines Strafgerichtes wäre nur allzu menschlich gewesen. Aber sie vernehmen ein Friedenswort von dem, der schon öfter zu anderen gesagt hat: Deine Sünden sind dir vergeben! Geh in Frieden! Nun sind sie an der Reihe; nun muss auch ihnen Schuld vergeben werden; nun dürfen auch sie die Wohltat eines Friedens erfahren, der aus der Vergebung kommt.
Es muss geradezu eine erlöste, befreite Freude gewesen sein, mit der die Jünger sich daraufhin freuten, als sie den Herrn sahen.

Diese erlöste Freude wird bewirkt durch die zweite österliche Gabe: „Jesus zeigt ihnen seine Hände und seine Seite“ (Joh 20:20)
Dieser Jesus, der da in ihrer Mitte ist, ist nicht eine Erscheinung, ein Gespenst, eine Einbildung, ein Produkt ihrer Phantasie. Dieser auferstandene Jesus ist Wirklichkeit; so wirklich wie die Wundmale an seinen Händen und an seiner Seite. Derselbe Jesus, der ans Kreuz genagelt (Joh 19:23) und mit der Lanze durchbohrt wurde (Joh 19:34) steht nun als der Auferstandene in ihrer Mitte. Sie können die Wunden sehen, durch die sie geheilt wurden. Und zu diesem Geheilt-sein gehört der Friede dazu, den Jesus ihnen schenkt und ihre Freude darüber, dass sie Jesus sehen. So werden die Jünger durch das Erlöserwirken Jesus durch die österlichen Gaben des Friedens und der Freude mit ihrem Herrn verbunden.
Doch fügt Jesus nun noch eine weiter österliche Gabe hinzu:

"Jesus hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!" (Joh 20:22)
Was Jesus mit dieser Gabe des Heiligen Geistes beabsichtigt kommt deutlich zum Ausdruck: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Joh 20:21) und gleich darauf: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ (Joh 20:23) Im Heiligen Geist dürfen die Jünger erkennen, dass Jesus nicht in eigener Mission als der Auferstandene in ihrer Mitte ist sondern dass der Vater ihn in ihre Mitte geschickt hat; dass somit die Auferstehung ein Werk des Vaters ist und die österlichen Gaben des Friedens und der Freude Gaben des Lebens sind, die Jesus vom Vater den Jüngern überbringt.
Im Heiligen Geist wird die Beziehung zwischen Jesus und den Jüngern geöffnet auf jene Menschen hin, zu denen Jesus sie sendet: Wie er im Namen des Vaters zu ihnen gegangen ist sollen sie in seinem Namen zu all denen gehen, zu denen Jesus sie sendet. Und der Erste, zu dem Jesus sie sendet ist ihr Mitapostel Thomas. Sie sagen ihm: Wir haben den Herrn gesehen!
Wir können am heutigen Evangelium Wesentliches über die Gemeinschaft der Kirche sagen: Sie ist eine Herzens- und Lebensgemeinschaft mit ihrem auferstandenen Herrn, in der jeder zuinnerst durch die österlichen Gaben des Friedens und der Freude mit dem Herrn verbunden ist.
Zugleich ist sie eine Gemeinschaft, die in der Kraft des Heiligen Geistes zu allen Menschen gesendet ist um allen Menschen die Barmherzigkeit in Wort und Tat zu vermitteln, die ihnen Gott in der Auferstehung seines Sohnes schenken möchte. Sehen wir mit allen Kräften zu, dass es nicht an uns liege, dass dieses Geschenk auf seinem Weg zu den Menschen verdunkelt oder behindert werde. Lassen auch wir uns vom auferstandenen Herrn mit seinem Geist erfüllen und lassen wir uns senden erfüllt mit seinem Frieden und seiner Freude. Werden wir so Zeugen und Boten der barmherzigen Liebe Gottes, der gelobt und gepriesen sei in Ewigkeit! Amen!

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