Samstag, März 24, 2007

Wer von euch ohne Sünde ist ...



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 8: 1 – 11

1 Jesus aber ging zum Ölberg.
2 Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es.
3 Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte
4 und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.
5 Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du?
6 Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
7 Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.
8 Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.
9 Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand.
10 Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?
11 Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!



„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein!“ Dieses Jesuswort ist ein Sprichwort geworden.
Wie oft haben wir schon dieses Wort ausgesprochen? Wie oft haben wir es von anderen gehört?

Dieses Wort Jesu führt zur Einsicht in eigene Schuld. Es weitet meinen Horizont um die Erkenntnis meiner eigenen Schuldhaftigkeit. Es führt dazu, dass ich mich eingebunden erlebe in eine Schuldgemeinschaft, in eine Gemeinschaft von Schuldigen, von Sündern. Es wendet meinen Finger, der anklagend auf andere weist auf mich selbst zurück. Dieses Wort Jesu führt mich zur tieferen Wahrheit, dass nicht nur andere Sünder sind sondern auch ich selber.

Das berührt zunächst unangenehm. Bedeutet es für mich doch eine Ernüchterung im Hinblick auf mich selber. Es ist eine Ohrfeige, die mich aufweckt aus meinem Unschuldswahn.
Doch bereitet dieses Wort in mir die Humusschicht der Barmherzigkeit, aus der dann ein Urteil wächst, das die Sünde trifft und den Sünder schont. Und dieses Urteil der Barmherzigkeit führt mich selber zum Frieden.

Dieses Urteil führt nicht zur Resignation, die sagt: Ich bin ja selber ein Sünder, also lass ich andere auch Sünder sein.
Dieses Urteil lässt mich nicht den Weg der Schriftgelehrten und Pharisäer gehen, auf dem sie die Sünderin einfach im Staub liegen lassen.
Dieses barmherzige Urteil lässt den Weg Jesu gehen: den Weg auf die Sünderin zu und nicht von der Sünderin weg!

So ist es gut, dass sie die Steine aus der Hand gegeben haben; aber statt dessen hätten sie die Hand der Sünderin ergreifen und zu ihr sagen sollen: „Schwester, verzeih uns unser hartes Urteil, auch wir sind Sünder und wir verdienen es so wie Du, gesteinigt zu werden. Aber nun steh auf, denn Gott will nicht den Tod des Sünders sondern dass er umkehrt und lebt. So wollen wir denn gemeinsam umkehren und miteinander wollen wir uns bemühen, nicht mehr zu sündigen.“

Genau das ist auch der Weg Jesu: die Chance der Erneuerung zugestehen, zur Umkehr ermutigen.
Wir merken: Die Sünde anderer hat die wichtige Aufgabe, an unsere eigene Sünde zu erinnern; daran zu erinnern, dass wir selber der Barmherzigkeit und der Vergebung durch andere vor allem aber durch Gott bedürfen. Und weil das so wichtig ist, wollen wir uns das noch einmal von Basil Hume, dem großen englischen Kardinal sagen lassen:

„Wer von uns wäre nicht auf Vergebung angewiesen? Ich jedenfalls brauche sie. Wenn wir spüren, dass wir einen Fehler, vielleicht einen großen Fehler begangen haben, müssen wir nicht verzweifeln. "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun", hat Jesus am Kreuz gebetet. Er möchte uns vergeben, mehr noch, ich wage zu sagen, dass er sogar noch nach einer Entschuldigung für unser Fehlverhalten sucht: "Sie wissen nicht, was sie tun."

Was mich selbst betrifft, kommt es darauf an, dass ich freimütig eingestehe, dass ich der Vergebung bedarf, dass ich mein Versagen bedauere und entschieden versuche, künftig mein Bestes zu tun. Gott wird mir vergeben. Er möchte es. Jeder, der liebt, möchte vergeben.

In jedem Leben gibt es Dinge, Taten und Haltungen, die der Vergebung bedürfen. Erinnerungen an frühere Dummheiten und Momente der Schwäche liegen wie finstere Gespenster auf der Lauer und tauchen urplötzlich wieder auf, wenn wir ein Tief durchleben oder die Härte des Lebens spüren. Könnten wir doch in solchen Zeiten klar und deutlich das befreiende Wort vernehmen, dass uns vergeben ist!

Wenn wir Gott ehrlichen Herzens um Vergebung bitten, wenn wir das Vergangene wirklich bedauern, was hält uns dann davon ab, an Gottes Vergebung zu glauben? Ist es mangelnder Glaube an seine Liebe zu uns?
Wenden wir uns ihm zu, leben wir aus dem Wunsch, ihn zu lieben, bitten wir ihn um Vergebung: Dann dürfen wir ganz sicher sein, dass auch unser Kummer über alles, was wir falsch gemacht haben, uns Gott näher bringt – und in seiner Nähe wird unser Herz Frieden finden.“

Diese Nähe des barmherzigen Herrn, in der unser Herz Frieden findet, ist uns im Sakrament der Buße geschenkt. So sind die Lesungen und Evangelium des heutigen Sonntages ein unübersehbarer Hinweis auf die hl. Beichte. Suchen wir diesen Ort der Gnade, diese Zeit unseres Heiles und lassen wir uns durch den Mund des Priesters jene Worte zusagen, die geradewegs aus der Herzmitte unseres Herrn und Erlösers kommen: „Deine Sünden sind dir vergeben! Geh hin in Frieden!“ (Lk 7:48.50)
Zugleich mit dem Frieden, der aus der Vergebung und der Versöhnung kommt, schenkt der Herr uns in der Beichte auch jene Kraft, mit der wir seine Weisung erfüllen können: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Joh 8:11)
Wer von uns hätte nicht im Innersten seines Herzens unauslöschliche Sehnsucht gerade nach diesen Worten des Herrn! Folgen wir dieser Sehnsucht, denn sie führt auf den Weg des Lebens – des Lebens in Fülle. Trinken wir vom Wasser in der Steppe und von den Strömen in der Wüste, die der Herr fließen lässt, um sein erwähltes Volk zu tränken. (vgl. Jes 43:20)

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