Freitag, März 02, 2007

Das ist mein auserwählter Sohn!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 9: 28b – 36

28b Da nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten.
29 Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß.
30 Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; 31 sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte.
32 Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.
33 Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte.
34 Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst.
35 Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.
36 Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten, und erzählten in jenen Tagen niemand davon.



Im heutigen Evangelium (Lk 9:28b-36) erleben wir im Leben Jesu einen wohltuenden Gegensatz zum Evangelium des vergangenen Sonntags (Lk 4:1-13). Dort hörten wir von seiner Auseinandersetzung mit dem Satan, mit dem Versucher, mit dem Bereich des Finsteren und Widergöttlichen.
Heute hingegen sind seine Gesprächspartner aus dem Reich des Lichtes, aus dem Bereich Gottes: Es sind Mose und Elias.

Mir erscheint dieses Evangelium eine wichtige Ergänzung für unser christliches Leben und für die Fastenzeit. Die soll ja auch bei uns nicht nur eine Zeit andauernder Versuchung und unablässigen Kämpfens sein. Wiewohl die Auseinandersetzung mit dem Bösen in uns und um uns herum gerade in dieser Zeit der Umkehr und Buße besonders ansteht und notwendig ist – so ist doch die Begegnung mit dem Bereich des Lichtes für uns ebenso wichtig und prägend.
Denn es muss Kennzeichen unseres christlichen Lebens sein dass wir sowohl vom Licht angezogen und durchstrahlt werden als auch, dass wir das Böse bekämpfen und den Bösen zurückweisen.
Das Hingezogensein zum Licht Gottes ist das Kennzeichen der Christen, die bei Paulus einmal Kinder des Lichtes und Kinder des Tages genannt.
Ihr gehört nicht mehr der Nacht und nicht mehr der Finsternis (1Thes 5:5), ruft der Apostel den Mitchristen seiner Gemeinde zu.
Es kennzeichnet den Christen aber auch die Wachsamkeit und die Kampfbereitschaft (vgl. Eph 6:13; Phil 1:30; 1 Tim 6:12; Heb 12:4)

Auf die Frage, was das für uns bedeutet, können wir anhand des heutigen Evangeliums eine Antwort finden.
So wie Jesus mit Moses und Elias gesprochen hat, können auch wir das Gespräch mit Menschen suchen, die Gott nahe sind.
Das kann dadurch geschehen, dass wir die Begegnung mit solchen Menschen durch die Lektüre der Heiligen Schrift suchen oder durch gute Biographien, die uns von solchen Menschen erzählen.
Das kann genauso gut geschehen, indem wir die Begegnung mit solchen Menschen suchen bei Einkehrtage und Exerzitien.
Oder indem wir via Medien solchen Menschen in Radio und Fernsehen zuhören.
In solchen Begegnungen kann Verklärung unseres Lebens geschehen.

Ein Ereignis aus dem Leben des hl. Ignatius von Loyola, dem Begründer des Jesuitenordens, soll erklären, was ich meine:
Ignatius musste schwer verwundet lange Zeit das Bett hüten. In dieser Zeit hätte er sich durch die Lektüre von Ritterromanen gerne etwas Kurzweile verschafft; doch war nichts von dieser Sorte in Reichweite. Statt dem war ein Buch da über das Leben verschiedener Heiliger.
In Ermangelung von anderem begann er in diesem Buch zu lesen. Im Verlauf der Lektüre machte er bei sich eine eigenartige Entdeckung: durch die Beschäftigung mit diesen Heiligen machte sich in seinem Herzen ein wohltuender Friede breit, den er bei der Lektüre von Ritterromanen sonst nie verspürt hat. Und dieser Friede hielt auch nach der Lektüre an.
Diese Erfahrung hat ihn zur Entscheidung geführt, in Zukunft das in sich aufzunehmen, was seinen Frieden fördert.
Auch wir lesen, hören und sehen vieles. Aber führt uns das über die Unterhaltung hinaus auch wirklich zum Frieden des Herzens – den wir hoffentlich nicht mit jener betäubenden Müdigkeit gleichsetzen, die uns ein Abend vor dem Fernsehen oder in der Diskothek beschert.

Ich habe es selber erlebt, dass ein Krimi andere Spuren in mir hinterlässt als etwa ein Video über das Leben Jesu; bedeutete dieses für mich ein Aufbauen, ein Ermutigen, ein Wegweisen so ließ der Krimi mich leer und mit dem Gefühl zurück, die Zeit vertan zu haben.

So wie Jesus mit seinen drei Jüngern den Berg besteigt, um zu beten genauso haben auch wir die Wahl, welchem Einfluss wir uns öffnen, welcher Ausstrahlung wir uns aussetzen – der der Finsternis oder der des Lichtes, der der Unruhe oder der des Friedens, der des Todes oder der des Lebens.

Jesus wird verwandelt, während er betet. Das will uns sagen, dass gerade das Beten eine Hochform ist, uns dem Licht zuzuwenden, weil wir uns dabei ausdrücklich und so vollständig wie möglich Gott zuwenden. Darum ist das Beten auch ein sicherer Weg zur Verwandlung und Verklärung unseres Lebens. Es ist der königliche Weg auf dem wir zum Licht gelangen und das Licht zu uns kommen kann.

So mag denn diese Fastenzeit für uns alle wie ein Aufstieg sein zum Berg der Verklärung indem wir uns immer wieder für das Licht entscheiden – sei es in der betenden Begegnung mit Gott, sei es durch die gesuchte Begegnung mit Frauen und Männern Gottes oder sei es dadurch, dass wir all das wählen, was den wahren Frieden in unserem Leben fördert. So sind wir gerüstet, den guten Kampf zu kämpfen, den Lauf zu vollenden und die Treue zu halten. (vgl. 2Tim 4:7) Amen!

1 Kommentar:

sister hat gesagt…

It is beautiful to see inside the sermon also some personal experiance. :) :) :)

I like the passage about Jesus´conversation with Moses and Elija...and proposition to seek the strenghtening of my faith, love and hope through seeking company of those who are close to God.