Donnerstag, Februar 15, 2007

Liebt eure Feinde!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 6: 27 - 38

27 Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.
28 Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.
29 Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd.
30 Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück.
31 Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.
32 Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.
33 Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder.
34 Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen.
35 Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
36 Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!
37 Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.
38 Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.



Das heutige Evangelium klingt auf weite Strecken wie ein Faschingsscherz – zumal heute am Rosensonntag. Es ist aber kein Scherz sondern der einzige Weg, der aus Streit und Zwietracht herausführt zu Versöhnung und Frieden, denn es fordert auf zu einer christlichen Antwort auf eine unchristliche Anfrage: Gutes tun antwortet dem Hass, Segen der Verfluchung, Gebet der Misshandlung; so antwortet Liebe der Feindschaft.
Die Ausfaltung der Liebe in Gutes tun, segnen und beten macht schon deutlich, dass es bei dieser Liebe nicht allein um gefühlsmäßige Regungen geht sondern um Taten, um sichtbare Zeichen, die wir unserem Feind gegenüber setzen. Dieses Tun der Liebe wandelt dann in der Folge und allmählich auch unsere negativen Gefühle dem Feind gegenüber.

Was uns zu diesem Tun der Liebe befähigt ist der Aufblick zu Gott als zu einem Dritten, der neben und über dem Feind und mir auch noch da ist. Dieser Aufblick sprengt die intensive Beziehung zwischen mir und meinem Feind, die ganz tief bestimmt ist von Verwundung und Vergeltung. Die Fixierung auf mich und den Feind ist das Tödliche in jeder Feindschaft. Der Aufblick aus dieser Fixierung sprengt ein tödliches Band zwischen mir und dem Feind und gibt einem Dritten Raum, der ein neues Element hereinbringt zwischen mir und meinen Feind; und wenn dieser Dritte Gott ist, dann bedeutet dieses Element neues Leben, Großzügigkeit, Weitherzigkeit, Versöhnung und Frieden.

In der 1. Lesung (1Sam 26:2.7-9.12-13.22-23) kommt das ganz deutlich zum Vorschein: Da haben wir in David einen Menschen, der sich von der Feindschaft, die Saul ihm entgegenbringt, nicht einfangen und fixieren lässt. Er bleibt vielmehr frei für den Aufblick zu Gott, so dass er in Saul nicht nur und nicht zuerst seinen Feind, sondern den Gesalbten Gottes sehen kann. Das bewahrt ihn davor, Saul zu töten; denn indem er Saul getötet hätte, hätte er seine Hand gegen Gott, den Herrn erhoben.

Wenn nun schon David zu so einer Sicht seines Feindes fähig war – wie viel mehr müssen wir dazu in der Lage sein, da wir doch wissen, dass durch die Taufe wir alle – also auch unsere Feinde – Kinder Gottes geworden sind und wir deshalb auch in unseren Feinden Gott selber gegenüberstehen.

Zu dieser Sicht unserer Feinde kommen wir nur durch einen tiefen Glauben, der sich vom Hören auf Jesu Stimme ernährt. Darum sagt Jesus ja auch gleich zu Beginn seiner Predigt über die Feindesliebe: Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde! (Lk 6:27) Unsere praktizierte Feindesliebe ist also ein sehr markanter Hinweis auf unsere Rechtgläubigkeit, auf unsere Bereitschaft, Jesus zuzuhören.
Wir können somit wohl sagen, dass wir in der Feindesliebe etwas haben, welches das Christentum von allen anderen Religionen unterscheidet, und das nicht zuletzt auch deshalb, weil Jesus die Feindesliebe nicht nur durch sein Wort verkündet sondern auch in seinem Sterben am Kreuz gelebt hat.

Die Feindesliebe ist die Endstation für Feindseligkeit, Hass und Krieg; denn diese zerstörerischen Kräfte finden in der Feindesliebe keine Antwort, die sie am Leben erhalten und stark machen, sondern eine Antwort, die sie auflösen und auf Ernüchterung, Versöhnung und Frieden hin überwinden. Zu dieser Antwort ist die Feindesliebe fähig, weil sie sich zum Vorbild ihres Verhaltens nicht das Verhalten der Feinde nimmt sondern das Verhalten Gottes, der nach den Worten Jesu im heutigen Evangelium gütig ist gegen die Undankbaren und Bösen. (Lk 6:35) Die Feindesliebe will barmherzig sein wie es auch der Vater im Himmel ist. (Lk 6:36)

Es kann aber nur Vorbild für uns sein, den wir gern haben und dem wir nahe stehen. Deswegen ist es gerade im Hinblick auf die Feindesliebe wichtig, dass wir Gott gern haben und ihm nahe stehen. Dieses gern Haben und nahe Stehen kommt besonders deutlich im Beten zum Ausdruck.

Wenn Jesus darum von uns verlangt, dass wir beten sollen für die, die uns misshandeln, (Lk 6:28b) dann geschieht durch dieses Beten zuerst ein Hintreten zu Gott und durch Gott ein Hintreten zu unserem Feinde.
Im Gebet für unsere Feinde treten wir zuerst hin zu Gott, um uns von ihm kleiden zu lassen in Barmherzigkeit und Frieden; so gekleidet wagen wir es dann, zu unserem Feinde zu gehen, um ihm jene Liebe zu schenken, die Gott uns für ihn gegeben hat.

Gott schenke uns allen durch das Evangelium Jesu jene erbarmende und verzeihende Liebe, die jede Feindschaft überwindet, und die ein sicherer Weg ist über die Versöhnung zum Frieden.

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