Sonntag, Februar 11, 2007

Euch gehört das Reich Gottes!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 6:20 – 26

20 Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.
21 Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
22 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.
23 Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
24 Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten.
25 Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.
26 Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.




Im heutigen Evangelium beginnt bei Lukas die Feldrede Jesu. (Lk 6:20-49) Darin spricht Jesus aus, was er von seinen Jüngern grundsätzlich erwartet. Sie beschreibt, wie das Leben seiner Jünger im Wesentlichen ausschauen soll. Eine christliche Grundsatzerklärung also, eine Charta des Christentums.

Jesus beginnt diese Rede bereits mit einem Hammer: „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.“ (Lk 6:20) Wen spricht Jesus da an? Er richtet bei diesen Worten seine Augen auf seine Jünger. Sie sind die Armen! Warum? Weil sie nichts mehr haben: Kein Zuhause, keine Angehörigen, keine Arbeit, keinen materiellen Reichtum! Und deswegen sollen sie auch noch selig sein!? Was ist das für eine Armut und was für eine Seligkeit!? Sind seine Jünger etwa Waisen? Sind sie arbeitsscheu? Sind sie Bettler? Nein! Sie haben vielmehr alles was sie bisher hatten verlassen und es eingetauscht für die Gemeinschaft mit Jesus. (vgl. Mk 10:28) ER ist jetzt für sie Vater und Mutter, Bruder und Schwester, Tochter und Sohn; ER ist jetzt ihr Beruf und ihre Arbeit; ER ihr ganzer und einziger Reichtum; Er ist fortan ihre Erfüllung; Sinn und Ziel ihres Lebens. Deshalb ist ihre Armut ein wahrer Reichtum; deshalb sind sie selig, weil sie alles als Unrat hergegeben haben, um Christus zu gewinnen. (vgl. Phil 3:8)

Ob wir auch zu diesen Armen gehören, auf die Jesus blickt und die er selig preist?
Ich kenne Ordensleute, die Stunden vor dem Fernseher verbringen aber nicht bereit sind auch nur kurze Zeit, geschweige denn die zwei Stunden, wie die Ordensregel sie vorschlägt, im Gebet dem Herrn zu schenken. Ein Skandal ist das, ein Trauerspiel und ein Ärgernis. Ein Beispiel, das uns zeigt, dass wir als Christen zwar den Namen des Herrn tragen können, ER selber deswegen aber noch längst nicht unser Reichtum und unsere Mitte ist. Ich habe gestern bei einem Kirchenvater gelesen, dass man zum Christen wird nicht durch Geburt sondern durch Entfaltung. Das gilt auch für Ordensleute. Es kann nur allzu leicht passieren, dass sie beim Ordenseintritt nicht den Herrn wechseln sondern nur ihre Reichtümer.

Oder was soll ich von jenen Christen sagen, die sich chinesischen und anderen fernöstlichen Gesundheits- und Gebetslehren verschrieben haben? Die konzentrieren sich auf sich selber und spüren durch bestimmte Bewegungen und Haltungen ihrer Körperenergie nach!
Wissen die denn nicht, dass sie als Christen nicht berufen sind um sich selber zu kreisen sondern – wie es ihr Name sagt – um Christus? Wissen die denn nicht, dass sie zu betenden Menschen berufen sind (vgl. 1Thess 5:17) und nicht zu chinesischen Kasperlen? Wie es für uns Christen nur einen Herrn, nur einen Meister und nur einen Lehrer geben darf vgl. Mt 23:8-10), so darf es auch nur ein Zentrum geben um das wir kreisen und nur eine Quelle, aus der uns alle Lebensenergie für Leib und Seele zuströmt: Christus! Und in der betenden Verbundenheit mit dem Herrn beginnt diese Quelle überreich zu fließen. (vgl. Joh 4:15)

Und was ist mit jenen Christen, die im gefüllten Bankkonto und in zahlreichen Versicherungen ein bequemes Ruhekissen suchen und doch nur noch größeren Unfrieden – weil Unzufriedenheit – ernten? (vgl. Mt 6:19-34)

Nein das Lied der Jünger Jesu muss folgendes sein:
„O Jesus, all mein Leben bist du, ohne dich nur Tod. Meine Nahrung bist du, ohne dich nur Not. Meine Freude bist du, ohne dich nur Leid. Meine Ruhe bist du, ohne dich nur Streit, o Jesus!
O Jesus, all mein glaube bist du, Ursprung allen Lichts. Meine Hoffnung bist du, Heiland des Gerichts. Meine Liebe bist du, Trost und Seligkeit. All mein Leben bist du, Gott der Herrlichkeit. O Jesus.“ (Gotteslob 472)

Wenn wir dieses Lied nicht nur mit unseren Lippen sondern vor allem in unserer ganzen Lebensführung singen, dann erst wird der Herr auch uns als seine Jünger erkennen und er wird seine Augen auf uns richten und uns zurufen: „Selig ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes!“
Denn dann sind wir dermaßen arm geworden, dass ER unser einziger Schatz sein kann, dem allein unser Herz gehört. (vgl. Mt 6:21). Und dazu ist er, der reich war, ja selber arm geworden, damit er uns durch seine Armut reich machen kann. (vgl. 2Kor 8:9) Amen!

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