Donnerstag, Februar 08, 2007

Selig, ihr Armen!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 6:17.20 – 26

17 Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen, und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei.
20 Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.
21 Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
22 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.
23 Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
24 Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten.
25 Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.
26 Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.



„Jesus stieg mit seinen Jüngern den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen, und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei.“ (Lk 6:17)
Lukas möchte so an Mose erinnern, der nach der Begegnung mit Gott auf dem Berg Sinai den Berg hinab stieg, um am Fuße des Berges dem Volk die 10 Weisungen mitzuteilen, die ihm Gott auf dem Berg gegeben hat. (vgl. Ex 32:15)
Lukas will Jesus als den neuen Moses darstellen, der dem Volk Gottes die Weisungen Gottes mitteilen will. Das tut er dann mit der folgenden Feldrede, die er mit den Seligpreisungen und den Wehrufen beginnt. Auf diese Weise will Lukas dieser Rede Jesu besonderes Gewicht verleihen.

So beginnt Jesus denn mit den Seligpreisungen, dabei richtet er seine Augen auf seine Jünger und sagt: Selig, ihr Armen! (Lk 6:20)

Es ist unverkennbar, dass bei Lukas Jesus seine Jünger anredet und nicht das Volk. Gewiss tut er dies vor vielen Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon. Aber die ersten Adressaten sind seine Jünger. Wenn bei dieser Anrede an die Jünger also die übrige Volksmenge Ohrenzeugen sind, dann will uns Lukas damit sagen, dass er die Gemeinschaft der Kirche nicht als in sich verschlossene Sekte sieht sondern als Gemeinschaft offen nach außen.

Wenn Jesus als in den Seligpreisungen seine Jünger anredet so bestimmt das den Sinn seiner Worte; dann gibt das der Armut, von der Jesus spricht, ihren Reichtum.
Denn seine Jünger sind tatsächlich arm, haben sie doch alles verlassen: Ihre Familien, ihr Zuhause, ihre Arbeit, ihr gewohntes und relativ gesichertes Leben. (vgl. Mt 19:27-30) Doch haben sie das alles hergegeben, um mit Jesus gehen zu können. Sie haben ihr bisheriges Leben eingetauscht gegen ein Leben mit Jesus. Sie haben mit den Worten des Paulus alles Bisherige wie Unrat von sich gegeben um Christus zu gewinnen. (vgl. Phil 3:8) Die Armut, die Jesus hier selig preist ist nicht irgendeine unbestimmte Armut – es ist eine Armut um Jesu willen. Und was diese Armut selig sein lässt, ist Jesus selber, ist die Gemeinschaft mit ihm; Jesus nennt sie im Evangelium „Reich Gottes.“ Und dieses Reich Gottes ist keine rein zukünftige Größe – dieses Reich Gottes ist schon da – in Jesus. Darum spricht Jesus auch in der Gegenwartsform und nicht in der Zukunftsform: „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes!“ (Lk 6:20)

Wir dürfen uns mit den vielen Leuten, die sich um Jesus und seine Jünger versammelt haben, als Zuhörer dieser Worte verstehen und uns fragen, was soll uns damit gesagt sein.
Nun das eine einmal ganz gewiss: Wer Jesus nachfolgen will, wer mit ihm leben will, darf sich keinen Reichtum im Sinne dieser Welt erwarten – in welcher Form auch immer: keine vollen Geldtaschen, keinen vollen Bauch, keine Lacher auf seiner Seite.
Der Reichtum, der uns bei Jesus winkt, das Reich Gottes, das bei Jesus auf uns wartet schaut so aus: O, Jesus all mein Leben bist du, ohne dich nur Tod. Meine Nahrung bist du, ohne dich nur Not. Meine Freude bist du, ohne dich nur Leid. Meine Ruhe bist du, ohne dich nur Streit, o Jesus!
O Jesus, all mein glaube bist du, Ursprung allen Lichts. Meine Hoffnung bist du, Heiland des Gerichts. Meine Liebe bist du, Trost und Seligkeit. All mein Leben bist du, Gott der Herrlichkeit. O Jesus. (Gotteslob 472)

So will Jesus nicht Armut an sich propagieren sondern für die Gemeinschaft mit ihm werben – allerdings mit einer klaren Sprache. Er legt die Karten auf den Tisch. So und so ist es in meiner Nachfolge und so und so ist es nicht. Er öffnet die Augen für das, was uns bei ihm erwartet und nimmt uns die Illusionen, die wir uns vielleicht von einem Leben mit ihm machen.
Er reinigt unsere Vorstellungen von einem christlichen Leben von jeder irdischen Gesinnung und öffnet sie damit zugleich für die Gesinnung der Kinder Gottes.
Indem aber Jesus die Armut um seinetwillen selig preist, weist er den einzig möglichen Weg, die bedrückende Armut, wie sie sich vielgestaltig in unserer Welt zeigt, zu überwinden.
Wie das?
Erinnern wir uns an die Begegnung Jesu mit einem Mann, der das ewige Leben gewinnen wollte. (Mk 10:17-31) Ihm sagte Jesus schließlich: „Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“ (Mk 10:21) Armut um Jesu willen ist immer Armut mit den Armen und Armut zugunsten der Armen.
Ob wir auf diese Einladung Jesu hin wie der Mann wohl auch traurig werden und weggehen, weil wir ein großes Vermögen haben? Oder wenn es nicht groß ist, dass dann unsere Anhänglichkeit an unser kleines Vermögen groß ist?

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