Freitag, Januar 05, 2007

... und sie fielen nieder und beteten an ...



Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 2: 1 – 12

1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem

2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.

3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.

4 Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.

5 Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:

6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.

7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.

8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.

9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.

10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.

11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.


Es ist schon erstaunlich welche Wege die Nachricht geht, dass in Bethlehem im Kind der Maria und des Joseph der König der Juden geboren ist. Sterndeuter aus dem Osten fragen bei König Herodes nach dem neugeborenen König der Juden: Wir erfahren nicht ihre Namen und nicht das Land, aus dem sie kommen. Das scheint Nebensache zu sein. Wichtig ist ihr Dasein, dass sie die Botschaft bringen, die sie aus dem Buch des Firmamentes gelesen haben und wie sie mit dem Kind umgehen: Und da hören wir, dass sie von sehr großer Freude erfüllt sind, als sie vom Stern zu diesem Kind geführt werden und dann erweisen sie diesem Kind tatsächlich königliche Ehre: „Sie fallen vor ihm nieder und huldigen ihm. Dann holen sie ihre Schätz hervor und bringen ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“ (Mt 2,11)

Da wird buchstäblich Himmel und Erde in Bewegung gesetzt um diese Nachricht an den König Herodes, an die Priester und in der Folge unter das Volk zu bringen. Aber was bei den Sterndeutern Anlass zu sehr großer Freude ist lässt Herodes und ganz Jerusalem erschrecken.

Woher dieser große Unterschied in der emotionalen Äußerung? Nun, die Sterndeuter haben nichts zu verlieren, sie haben aber viel zu geben: Ihre Freude, ihre Verehrung, ihre Gaben!
Herodes hingegen fürchtet, seine Macht und seinen Reichtum zu verlieren an den neugeborenen König. Er ist in seinem Denken völlig gefangen in irdischen Kategorien. Die Angst um seinen Besitz schnürt ihn ein und macht ihn unfähig wie die Sterndeuter ein positives Lebenszeichen zu setzen; was er geben kann ist allein der Tod, wie uns dann die schreckliche Geschichte vom Kindermord in Bethlehem schildern wird.

Dabei wird die Botschaft der Sterndeuter bestätigt durch das Wort Gottes, das dem Herodes von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten vorgelesen wird: „Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.“ (Mt 2,6; Mi 5,1.3) Aber in dieses steinharte Herz des Herodes dringt weder die Botschaft der Sterne noch die Botschaft des Wortes Gottes. Dieses Herz ist für Gott, und was von IHM kommt, völlig zu.

Die Sterndeuter auf der einen und Herodes & Co auf der anderen Seite werden uns deshalb so krass gegenüber gestellt, um gleich zu Beginn des Evangeliums auf die Katastrophe hinzudeuten, die Jesus, menschlich gesehen, erleben wird in seinem gewaltsamen Sterben am Kreuz.
Die Sterndeuter hingegen zeigen, dass es auch außerhalb des jüdischen Volkes Menschen gibt, die für die Botschaft Gottes offen sind, die er in diesem Kind Jesus verkündet; und dass diese Botschaft nicht auf das jüdische Volk beschränkt bleiben wird sondern für alle Welt bestimmt ist.
Dass diese Sterndeuter mit keinem Namen genannt werden und ihr Land nicht näher angegeben wird will sagen, dass jedes Land von diesem Kind sich angesprochen wissen darf und dass jeder von uns sich in diesen Sterndeutern wieder finden soll.
So wollen wir uns der Frage stellen ob tatsächlich die Sterndeuter in uns leben oder ob nicht auch Herodes sich in uns verbirgt. Diese Frage beantworten wir, indem wir die sehr große Freude in uns suchen, von der die Sterndeuter erfüllt waren; und indem wir das suchen, was wir dem Kind schenken möchten als Zeichen unserer Verehrung und unserer Hingabe.

Den Herodes in uns finden wir dann, wenn wir etwas in uns entdecken, von dem wir fürchten, dass dieses Kind es uns nehmen könnte: Das muss nicht unbedingt Macht und Reichtum sein. Das können auch schlechte Angewohnheiten sein oder Anhänglichkeiten, die uns unfrei machen oder Unversöhnlichkeiten anderen gegenüber. Herodes lebt dann in uns, wenn wir uns der Befreiung verweigern, die uns Jesus durch seine Botschaft und durch sein Leben in der Tradition der Kirche schenken will.
Christus ist uns heute erschienen, damit wir den alten Menschen, nämlich den Herodes ausziehen und wie die Sterndeuter zu neuen Menschen werden in Christus. Amen!

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