Freitag, Januar 19, 2007

Theophilus


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1: 1 – 4. 4, 14 – 21

1 Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat.
2 Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren.
3 Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hoch verehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben.
4 So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.

14 Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend.
15 Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.
16 So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen,
17 reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:
18 Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
19 und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
20 Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
21 Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.




Im heutigen Evangelium erzählt uns Lukas, was ihn bewegt hat, sein Evangelium zu schreiben. (vgl. Lk 1,1-4) Lukas versteht sein Evangelium als einen Bericht über das, was sich im Zusammenhang mit Jesus damals ereignet hat. Er schreibt eine Dokumentation über Jesus und versichert, dass er gründlich recherchiert hat. Mit seiner Arbeit möchte Lukas seinen Freund Theophilus von der Zuverlässigkeit der Lehre über Jesus überzeugen.
Theophilus heißt sein Freund. Das heißt übersetzt „Gottesfreund.“ Das kann bedeuten, dass sein Freund ein Glückspilz ist, weil er dieses Werk über Jesus zu lesen bekommt, weil es keine Selbstverständlichkeit ist, von diesem Jesus zu hören und ihn zu kennen.
Das kann aber auch eine Einladung sein, zu einem Freund Gottes zu werden durch das Lesen seines Werkes. Dass also das, was Lukas schreibt, nicht etwas ist, was vergangen und Geschichte ist, sondern etwas, das nach wie vor da ist und geschieht.

Warum das so ist, erzählt Lukas dann in der Geschichte über den Anfang von Jesu Wirksamkeit in seiner Heimat: Da heißt es, dass Jesus nicht allein auf sich gestellt unterwegs ist sondern dass er erfüllt von der Kraft das Geistes in seine Heimat zurückkehrt. (Lk 4,14) Dieser Geist ist sein Begleiter, sein Antrieb, seine Kraft und Wegweisung – von diesem Geist lebt Jesus. Es ist dies derselbe Geist, der auf Maria, die Mutter Jesu herabgekommen ist; (vgl. Lk 1, 35) und es ist derselbe Geist, der im Obergemach die Jüngergemeinde erfüllt hat. (vgl. Apg 2,1-4) Dieser Geist verbindet über die Zeit hinweg mit Jesus; dieser Geist erhält über die Zeit hinweg Jesus lebendig. (vgl. 1 Kor 12,3) Sodass er auch heute alle, die diese Botschaft des Lukas hören zu Gottesfreunden machen kann.

Dabei geht der Weg zu dieser Gottesfreundschaft aus dem hervor, was Lukas dann weiter erzählt: Wie Jesus nämlich wie gewohnt am Gottesdienst der Gemeinde teilnimmt und dabei aus dem Propheten Jesaja vorliest: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe!“ (Lk 4,16-19) Solches liest Jesus vor und erkennt in der Kraft des Geistes, dass er gerade von sich selber vorgelesen hat. Er erkennt seine Berufung und weiß nun, was er zu tun hat.


Das Beispiel Jesu lädt ein, uns diesem Geist anzuvertrauen, uns von diesem Geist führen zu lassen – auch hierher zum Gottesdienst – und in diesem Gottesdienst. Denn er möchte auch uns sagen und zeigen, wozu wir berufen sind und was wir zu tun haben:
Dass wir in unseren Gefangenschaften zu Jesus gehen um uns von ihm befreien zu lassen;
dass wir uns in unserer Blindheit an Jesus wenden, damit er uns wieder sehend macht;
dass wir uns als Erschlagene mit Jesus verbinden, damit er uns wieder in Freiheit setze!

Kurz und gut:
Der Geist, der möchte, dass Jesus Heiland ist, möchte, dass wir uns von Jesus heilen lassen;
der Geist, der möchte, dass Jesus Befreier ist, möchte, dass wir uns von Jesus befreien lassen;
der Geist, der möchte das Jesus Licht ist, möchte, dass wir uns von Jesus erleuchten lassen.
Ein und derselbe Geist ist in Jesus am Werk und möchte auch in uns wirksam sein: In Jesus – dass er ein Gnadenjahr seines Vaters im Himmel ausrufe! In uns – dass wir uns von Jesus in dieses Gnadenjahr des Vaters hineinführen lassen.

Wie geschieht das aber? Indem wir aus gläubigen Vertrauen auf Jesus heraus tun, was wir tun:
Dass wir also mit ganzer Hingabe jetzt Gottesdienst feiern;
dass wir Gott mit allen Kräften unseres Herzens loben;
dass wir ihn mit unserem ganzen Vertrauen bitten;
dass wir aus unserem tiefsten Schmerz heraus ihm unser Leid klagen!

Genauso verhalten sich nämlich die Gottesfreunde und genauso werden wir zu Gottes Freunden. Und es wird uns die Erfahrung zuteil, wer wirklich die Freunde Gottes sind: Nicht die Reichen und die Mächtigen, nicht jene, die ein großes Mundwerk haben, nicht jene, die auf der Sonnenseite des Lebens sind – sondern jene, die arm sind vor Gott, die Trauernden, die Friedensstifter, die Hunger und Durst haben nach Gerechtigkeit, die keine Gewalt anwenden, die Barmherzigen, jene, die ein reines Herz haben und die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden – die alle heißen Theophilus – Gottesfreunde; darum ruft Jesus ihnen allen auch zu: Selig seid ihr! (vgl. Mt 5,1-12; Lk 6,20-26)

1 Kommentar:

mirjam hat gesagt…

Dear Jona,
where did you find it?
It´s really great!
I almost agree with the young son :)

Hoping on better days :)

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