Freitag, Januar 12, 2007

Sie haben keinen Wein mehr!



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 2: 1 – 11

1 Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei.

2 Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.

3 Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.

4 Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

5 Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!

6 Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter.

7 Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.

8 Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm.

9 Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen

10 und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.

11 So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.



Am heutigen Sonntag könnte es passieren, dass das Evangelium im Wein ertrinkt – in dem Sinn nämlich, dass wir, fasziniert von den 600 Litern Wasser, die Jesus in Wein wandelt, anderes übersehen, das mehr im Hintergrund, deswegen aber nicht minder köstlich ist.
Dieser Faszination könnte auch ich erliegen, da ja auch ich neben dem Messwein einem guten Wein beim Essen nicht abgeneigt bin, schon gar wenn es ein Tokajer oder ein Chardonnay ist.

Wo also sind die köstlichen Tropfen, die das heutige Evangelium außer den 600 Litern noch zu bieten hat?
Da ist einmal die Tatsache, dass es jemandem auffällt, dass der Wein ausgeht. Dass da jemand so aufmerksam ist und eine Notlage entdeckt, in die andere geraten sind! Denn Maria sagt zu Jesus ja nicht: Herr, ich habe keinen Wein mehr sondern: „Sie haben keinen Wein mehr!“ (Joh 2,3) Diese aufmerksame Sorge um andere können wir wohl mit Recht eine mütterliche Sorge nennen. Denn für so perfide kann ich Maria nicht halten, dass sie ihre eigene Not hinter der der anderen verbirgt – um ja selber nicht als Liebhaberin dieses edlen Getränkes dazustehen.
Wie notwendig sind doch diese Menschen, denen die Not ihrer Mitmenschen ins Auge fällt. Wie notwendig sind sie auch heute! Menschen, denen auffällt, dass andere kein Essen mehr haben oder kein Dach über dem Kopf oder keinen Frieden oder keine Heimat oder keine Gemeinschaft .... Denen also die Not anderer in der Ferne und nahe auffällt und die diese Not auch Jesus sagen. Dieses Sagen ist Gebet. Dieses Gebet ist Sorge darum, dass die Freude im Leben der Mitmenschen nicht stirbt sondern zu neuem Leben erwacht. Diese Sorge gehört zu unserer christlichen Berufung, denn sie ist im Liebesgebot Jesu enthalten, das unser christliches Leben begründet. Diese Sorge, dieses Beten ist die Vorbereitung dafür, dass wir dem Wort Marias folgen können, wenn sie uns wie den Dienern im Evangelium ans Herz legt: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5) Dieses Beten ist keine Flucht vor tätiger Hilfe sondern ein Verweilen beim Herrn. Frucht dieses Verweilens ist dann sein Auftrag, „die Krüge mit Wasser zu füllen!“ (Joh 2,7) Das heißt: Der Herr hilft mir beim Suchen und Entdecken meiner Mittel und meiner Möglichkeiten, der Not, der ich begegne zu begegnen und ihr abzuhelfen. Dieses Beten bereitet mich vor, zu tun, was Jesus mir sagt! Ja, dieses Beten lässt mich in der Not selber, die mir begegnet, die Stimme Jesu heraushören. Christliches Beten, wie Maria es uns im heutigen Evangelium lehrt ist immer ausgerichtet auf das entsprechende Handeln – gemäß dem Wort Jesu und gemäß meinen Möglichkeiten.

Eine weitere stille Köstlichkeit ist der Dienst, den die Diener verrichten. Wie oft werden sie wohl die Krüge getragen und mit Wasser gefüllt haben. Sie haben in der Ausführung des Wunsches Jesu eine alltägliche, unscheinbare Arbeit getan. Aber gerade diese Arbeit hat dazu geführt, dass den Hochzeitsleuten die Freude erhalten geblieben ist.
Diese Tatsache lässt das Normale als Grundlage erkennen, aus der das Besondere herauswächst. Das Gewöhnliche wird zur Ermöglichung von Außergewöhnlichem. Der einfache Dienst der Diener im heutigen Evangelium möchte uns hinlenken zur Wertschätzung jener alltäglichen Dienste, die andere verrichten, damit es uns gut geht und die auch wir tun, um anderen Freude zu machen. Diese Dienste gewinnen ihren eigenen Wert und ihre eigene Schönheit, wenn wir sie als Quelle der Freude sehen können und unsere Dankbarkeit für sie wird neu belebt. So können wir auch im Alltäglichen zu Erfüllung und zu tiefer Befriedigung finden.

Und schließlich dann doch die 6 Krüge mit je hundert Liter. (vgl. Joh 2,6) Sie sind ein Zeichen dafür, dass Leben in Fülle für Jesus nicht nur eine geistliche Größe für die Seele sondern auch ein materieller Größe für den Leib ist. Die Menge des gewandelten Weines zeigt uns, wie sehr es Jesus darum geht, dass wir rundum glücklich sind. Knausern ist Jesus fremd. Muss es ja auch, da er doch aus der Fülle Gottes kommt.
Auch uns soll man beim Helfen anmerken, dass wir aus der Fülle Gottes kommen. Knausern ist keine christliche Tugend.
So wollen wir angesichts der Not um uns und in uns nicht mutlos sondern angesichts der großzügigen Liebe des Herrn zuversichtlich und hoffnungsvoll werden. Wir wollen nach dem Vorbild Marias und zusammen mit ihr unsere Sorgen und die anderer auf den Herrn werfen. (vgl. Ps 55,23) So wollen wir uns frei machen zu hören und zu helfen, wie der Herr es von uns möchte.

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