Mittwoch, Januar 31, 2007

Menschenfischer



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 5: 1 – 11

1 Als Jesus am Ufer des Sees Gennesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören.
2 Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
3 Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus.
4 Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus!
5 Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.
6 Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten.
7 Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen.
8 Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.
9 Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten;
10 ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.
11 Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.



Es gibt Begegnungen, die ein Leben völlig verändern, die es auf den Kopf stellen und ihm eine völlig neue Richtung, einen völlig neuen Inhalt geben. Die Begegnung der Fischer am See mit Jesus ist eine solche.
Keiner von diesen Männern hätte sich in der Frühe dieses Tages geträumt, dass er am Abend nicht mehr nach Hause kommen und den Tag im Kreis seiner Familie und Freunde beschließen werde.
Gott fügt solche Begegnungen im Leben von Menschen, die er zu einer Aufgabe berufen hat.
Die Männer des heutigen Evangeliums hat er berufen, mit Jesus zu leben, damit sie von ihm lernen und dann jene Gemeinschaft mit Jesus aufbauen, die wir heute Kirche nennen.

Vielleicht scheuen wir die Begegnung mit Jesus deshalb, weil wir Angst haben, es könnte uns ähnlich gehen wie den Jüngern: Dass unser Leben in einer Form geändert wird, die wir eigentlich nicht möchten. Wir möchten den heutigen Tag, wie gewohnt und wie geplant in unseren vier Wänden zu Hause beschließen. Diese Sorge ist verständlich doch soll sie uns nicht hindern, Jesus offen zu begegnen. Denn die Begegnung mit Jesus kann uns ja auch in der Weise verändern, dass wir den Lebensweg, auf dem wir gerade gehen in einer neuen Tiefe, in einem neunen Reichtum erkennen dürfen; dass Jesus uns das Leben, das wir bisher geführt haben, auf eine neue Weise leben lässt: im Hinblick auf unsere Beziehungen, auf unseren Beruf, auf unsere Umwelt.

Es ist für uns immer nur ein Gewinn, wenn wir unser Leben, so wie es ist, dem Herrn öffnen; wenn wir den Herrn in unser aktuelles Leben hereinlassen; wenn wir dem Herrn unser Leben anvertrauen.

Das tun wir, wenn wir auf seine Stimme hören und wenn wir uns ermutigen, auf sein Wort hin zu handeln. Das haben ja auch die Männer des heutigen Evangeliums getan – und welchen Reichtum hat ihnen das beschert – zuerst den großartigen Fischfang und dann die bleibende Gemeinschaft mit Jesus.

Wir dürfen fest darauf vertrauen, dass Jesus von uns nichts Unmenschliches verlangt, er, der ja gekommen ist, uns Menschen den Reichtum Gottes zu schenken.
Er kennt unsere Armut und er weiß, was wir brauchen.
Er, der ganz Mensch geworden ist wie wir, weiß um unsere Versuchungen und kennt die Kraft, die wir brauchen, um bestehen zu können.
Er kennt unsere Abhängigkeiten und weiß den Weg in die Freiheit.
Er versteht unsere Wunden und will sie heilen.

So gilt das „Fürchte dich nicht!“ Jesu auch uns:
Fürchte dich nicht, mir zu begegnen, denn ich zeige dir den Weg zu einem neuen Leben und ich gebe dir die Kraft, diesen Weg zu gehen; ich bin die Kraft, denn ich gehe diesen Weg mit dir.
Fürchte dich nicht vor dem neuen Menschen, den ich dir schenken will, denn er gehört zur Sehnsucht deines Herzens, da er nach dem Plan Gottes ist.
Fürchte dich nicht, mir zu folgen, denn in der Gemeinschaft mit mir bekommt dein Leben jene Fruchtbarkeit, die von Gott kommt und die ein wahres Geschenk ist für die Menschen, die mit dir sind und für die Welt, in der du lebst.

Mühe dich von jetzt ab nicht mehr alleine sondern lass die Gnade Gottes in dir wirken und erfülle so den Auftrag, den auch die Jünger im heutigen Evangelium bekommen haben: Menschen zu fischen; das heißt: Menschen für Gott zu gewinnen; das heißt: sein Reich, die Kirche aufzubauen – in deinen Freundschaften, in deiner Ehe, in deiner Familie, auf deinem Arbeitsplatz, in der Welt, in der du lebst.

Wenn also Gott fragt: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen?
Dann antworte du: Hier bin ich sende mich! Ich will für Gott gehen! Jesus gibt dir die Kraft dazu – hier und heute!

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