Freitag, Dezember 22, 2006

Selig ist die, die geglaubt hat!



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 1: 39 – 45

Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.



Wir hörten eben, dass Maria sich auf den Weg machte und in eine Stadt im Bergland Judäa eilte! „Maria im Weihnachtsstress“ – ist mir spontan zur Eile der Maria eingefallen.
Was hat Maria wohl eilen lassen? Für die Hektik, die uns gerade in diesen Tagen plagt finden wir im Evangelium keinen Anlass – schon allein aus dem Grund, weil „Weihnachten“ bei Maria noch gut neun Monate entfernt ist.
Warum also hat Maria es eilig? Nun, das Ziel ihres eiligen Weges ist ein Mensch, eine Frau, Elisabet, ihre Cousine. 3-4 Tage wird sie von Nazaret gebraucht haben dorthin, wo Elisabet wohnte.
Verursacht wurde diese Reise durch den Engel, der ihr von der späten Schwangerschaft der Elisabet erzählt hat. Und er hat ihr das erzählt zum Zeichen dafür, dass für Gott nichts unmöglich ist und dass es deshalb auch möglich ist, dass sie – Maria – ein Kind bekommt nicht von einem Mann sondern durch das kraftvolle Wirken des Heiligen Geistes.
Die innere Stimmung dieser jungen Frau aus Nazaret ist nachfühlbar; es wird sie gedrängt haben, die Botschaft des Engels, die sie gläubig angenommen hat, als Wirklichkeit zu erfahren: dass nämlich Elisabet schon im 6. Monat ist, und dadurch auf jene viel beglückendere Wirklichkeit hingewiesen zu werden, an die sie schon glaubt – dass sie mit dem Sohn Gottes schwanger ist.
Nicht der Zweifel lässt sie eilen, der nach Bestätigung strebt sondern der Glaube, dessen Erfüllung sie mit Gewissheit erwartet.

Maria eilt auf dem Weg, den der Engel ihr mit dem Hinweis auf die schwangere Elisabet gewiesen hat, denn sie weiß: Auf diesem Weg wird sich bestätigen, was der Engel ihr sagte: Der Herr ist mit dir! Du bist voll der Gnade!
Ist uns eigentlich klar, dass auch jedem von uns diese Zusage gemacht wurde, dass Gott mit uns ist und wir voll der Gnade sind? Und zwar angefangen bei der Taufe über die weiteren Sakramente die wir empfangen haben bis her zu jedem Gottesdienst, an dem wir teilnehmen. Vielleicht haben wir schon zu oft gehört, dass der Herr mit uns ist, so dass wir das bereits notorisch überhören. Aber das erneuerte Hören dieser Botschaft und das lebhafte Interesse daran, diese Worte immer wieder bestätigt zu finden und jene Orte und Menschen aufzusuchen, die mir diese Worte immer wieder sagen – das kann in meinem Leben Stress und Hektik in Eile verwandeln – nämlich in einen Impuls, der meinem Leben ein erfüllendes Ziel gibt und der ansonsten trockene Stellen zu Lebensquellen erschließt: ich meine jene Stellen, an denen ich Gott begegnen kann – im Mitmenschen, beim Gottesdienst, beim Beten, im Sakrament der Buße und bei zahllosen anderen Möglichkeiten.

Dass der Herr mit Maria ist, regt sie auf, bringt sie in Bewegung, führt sie zur Begegnung mit Elisabet. Gottes Zuwendung zu Maria führt diese Frau zur Begegnung mit Elisabet. Das Leben mit Gott macht selig und es macht gesellig. Wenn wir uns zu Gott wenden wendet Gott uns zu den Menschen, so hat Erzbischof Alois Kothgasser einmal gemeint; und ich möchte noch ergänzen: wenn Gott sich uns zuwendet wendet er uns auch zu den Menschen. Wahre Gottesbegegnung führt zur Menschenbegegnung. So dass wir uns fragen müssen: Ist es hier bei der hl. Messe, oder sonst bei einem Gottesdienst oder bei meinem persönlichen Beten noch Begegnung mit Gott, wenn wir dadurch unseren Mitmenschen nicht mehr näher kommen?
Wo passiert es denn in unserem Leben noch, dass wir so über unsere Gotteserfahrung miteinander sprechen können, wie Elisabet und Maria es im heutigen Evangelium tun? Im Evangelium ist die Verwandtschaft eine Erleichterung für dieses Gespräch. Und bei uns? Sind da die Blutsbande nicht ein Hindernis zu aller Scheu dazu, die wir ohnedies schon haben, wenn wir über unseren Glauben reden sollen?
Ich behaupte, dass einer der Gründe für unsere Redehemmungen hinsichtlich unseres Glaubens der ist, dass unser Glaube sich in einem Tiefschlaf befindet und dass sich glaubensmäßig eine Eiszeit über unser Leben ausgebreitet hat, die es verhindert, dass wir unseres Glaubens froh werden, weil wir durch ihn dem lebendigen Gott begegnen.
Diese Eiszeit schmelzen kann nur jene Kraft, die sehr deutlich in unserem heutigen Evangelium anklingt, wenn es von Elisabet heißt, dass sie vom Heiligen Geist erfüllt Maria mit lauter Stimme zugerufen hat.
Nur dieses Feuer des Hl. Geistes kann unser vereistes und tief gefrorenes Herz auftauen zu einem neuen Hören, Sehen und Reden.
Elisabet und Maria mögen unsere besonderen Fürsprecher sein um diesen lebendig machenden Geist Gottes – gerade in den kommenden Tagen der Weihnacht!

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