Montag, Dezember 25, 2006

Maria bewahrte alles in ihrem Herzen



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2: 15 – 20

15 Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.

16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.


In der mitternächtlichen Christmette hörten wir die Botschaft der Engel: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2,11) Das Evangelium des frühmorgendlichen Hirtenamtes erzählt von der Reaktion der Angesprochenen auf diese englische Botschaft.
Wir hören von den Hirten: „Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten sie zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.“ (Lk 2,15f.)
Beeindruckt vom Aufwand der himmlischen Heerscharen eilen sie sogleich nach Bethlehem, um mit eigenen Augen zu sehen, was sie mit eigenen Ohren von den Engeln gehört hatten.
Sie vergessen ihre Aufgabe, die Schafherde zu hüten und lassen sich von den Engeln ein anderes, neues, ein bedeutsameres Ziel setzen: Das Kind in der Krippe.
Menschlich gesehen können wir sagen: Diese Hirten haben die Nachricht der Engel als Einladung gesehen zu einer willkommenen Abwechslung in einer ansonsten eintönigen und langweiligen Nachtwache.
Biblisch gesehen können wir sagen: diese Hirten stellen das Volk des Herrn dar, wie es sich der Herr wünscht: Gehorsam den Weisungen seiner Diener – in diesem Fall der Engel – versammeln sie sich um ihn und verlassen dabei, was ihnen bisher wichtig ist. Sie sind das positive Gegenbild eines ungehorsamen Volkes, das sich um die Weisungen des Herrn nicht kümmert und das nicht sein Volk sein will (vgl. Jer 7,23 u.a.)
Geistlich gesehen können wir diesen Gedanken weiterführen und mit Johannes vom Kreuz sagen: Diese Hirten sind wie Leute, die auf ihrem geistlichen Weg so weit gekommen sind, dass ihnen die Verbundenheit mit Gott so viel bedeutet, dass sie die Herden nicht mehr weiden, die sie bisher geweidet haben: „Im inneren Weinkeller trank ich von meinem Geliebten; als ich wieder auf die Weide hinaustrat, wusste ich nichts mehr und habe die Herde verloren, der ich vorher gefolgt war.“ (CB 26) In der geistlichen Ehe mit Gott wurde der Mensch dermaßen in Liebe umgeformt, dass er allen Dingen der Welt entfremdet (ist) und allem seinem Begehren abgestorben ist. Sein Begehren ist ganz darauf gerichtet, Gott allein zu lieben und ihm allein zu gefallen. (vgl. CB 26,2)
Was die Hirten erfahren bringt aber nicht nur ihre Beine in Schwung sondern auch ihren Mund, denn „als sie das Kind sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.“ (Lk 2,17) Sie werden durch ihr Tun und ihr Reden zu Botschaftern des göttlichen Kindes. Dies ist nur möglich, weil ihre Lippen übergehen aus der Fülle ihres Herzens.
Möge doch auch uns jene Langeweile an allem Weltlichen befallen, die uns öffnet für die Botschaft des Himmels.
Mögen doch auch wir jene Empfänglichkeit gewinnen, die uns das Kind in der Krippe anziehend und über alles begehrenswert macht.

Doch schauen wir nun auf Maria, die jungfräuliche Mutter dieses Kindes. Sie fällt durch ihr Verhalten aus dem Rahmen im Vergleich mit den Hirten: Sie rührt sich nicht und gibt nichts von sich! Vielmehr nimmt sie auf und bewahrt es für sich: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ (Lk 2,19) Maria hat bereits alles von sich gegeben, was sie besaß: Ihren Sohn bei der Geburt! ER war es, der aus ihrem Schoß nach außen kam in die Welt. Ihr Kind, der Sohn des Höchsten, war ihre Äußerung! Mehr hatte sie nicht zu geben! Doch siehe da, der Platz, den bisher ihr Sohn in ihrem Inneren eingenommen hatte, dieser Platz bleibt nicht leer. Er wird gefüllt, mit dem, was mit ihrem Sohn geschieht: Vorerst, was die Leute von ihm erzählen und später dann, was sie von ihm selber sieht und erlebt. Das füllt sie fortan aus, das beschäftigt sie von nun an; darüber denkt sie nach. Auf diese Weise wird sie immer tiefer verstehen, was es heißt, dass ihr Kind der Sohn des Höchsten ist, dass er der Messias und der Herr ist. Das Erkennen ihres Sohnes im Glauben wird in unermessliche Tiefen vorstoßen. Sie wird eindringen in die Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes, wie es keinem anderen Menschen möglich sein wird. (vgl. Röm 11,33) Zugleich mit seiner äußeren Entfaltung wird Jesus sich im bewahrenden und erwägenden Herzen seiner Mutter entfalten.
Mögen auch uns die weihnachtlichen Gnaden Dünger sein, der unsere Erkenntnis von diesem Jesus wachsen lässt, den wir heute als göttliches Kind in der Krippe verehren.
Mögen wir in ihm mehr und mehr die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes erkennen.
Mögen wir das heilige Volk werden und die Erlösten des Herrn. (Jes 62,12) Amen!

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