Freitag, Dezember 29, 2006

Er hörte zu und stellte Fragen



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2: 41 – 52

41 Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.
42 Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.

43 Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.

44 Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten.

45 Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort.

46 Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.

47 Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten.

48 Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.

49 Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?

50 Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.

51 Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.

52 Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.



„Herr, unser Gott, in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt. Gib unseren Familien die Gnade, dass auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben und einander in der Liebe verbunden bleiben.“

So haben wir vorhin gebetet. Wenn wir nun eben das Evangelium gehört haben, fragen wir uns doch einmal ob dieses Gebet vom Evangelium abgedeckt wird. Schauen wir also nach, wie das Vorbild, das Gott uns in der Hl. Familie gibt, im Bericht des Evangelisten aufleuchtet. Entdecken wir den Weg der Frömmigkeit, den die Hl. Familie gegangen ist, die Eintracht, in der sie gelebt und das Band der Liebe, das sie zusammengehalten hat.

„Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.“ (Lk 2,41) Ein erster Hinweis auf die Frömmigkeit der Eltern Jesu. Bei unser etwa vergleichbar einer jährlichen Familienwallfahrt nach Mariazell. 7 Tage dauerte das Paschafest. Nun wird vielleicht einer im Stillen denken: Na ja, einmal im Jahr so ein Familienausflug ist eine willkommene Abwechslung, die noch nicht unbedingt ein Zeichen von Frömmigkeit sein muss.
Wenn wir jedoch (in Lk 4,16) hören, dass Jesus wie gewohnt am Sabbat in die Synagoge geht, dann können wir mit Recht annehmen, dass ihm diese Gewohnheit die Eltern beigebracht haben, indem sie ihm den wöchentlichen Synagogenbesuch vorgelebt haben.
Die Pilgerfahrt nach Jerusalem ist also keine jährliche Eintagsfliege sondern neben dem wöchentlichen Synagogenbesuch am Sabbat ein religiös gestaltendes Element ihres Alltagslebens, das seine Auswirkungen zweifellos auch gehabt haben wird im täglichen Gebet in der Familie.
So möchte die Frömmigkeit der Hl. Familie uns anregen neben dem täglichen Beten im Kreis der Familie und dem gemeinsamen Besuch des Gottesdienstes am Sonntag jährlich auch eine Wallfahrt mit der ganzen Familie zu unternehmen.
Meine Schwager etwa fährt jährlich mit seiner Familie, insgesamt vier Personen, nach Maria Luggau in Kärnten. Und diese Tradition haben sie von meiner Mutter übernommen, die auch jährlich mit uns dorthin gepilgert ist.

Betrachten wir nun die Eintracht der hl. Familie, wie sie uns im Bericht des Evangelisten entgegentritt. Da können wir einmal feststellen, dass der Knabe seine Freiräume hatte; sonst hätte er wohl kaum unbemerkt in Jerusalem zurückbleiben können. Eintracht heißt also nicht, dass die drei immer aufeinander gepickt und dass Josef und Maria wie eine Gluckhenne andauernd auf ihrem Kind gesessen wären.
Diese Eintracht ist vielmehr eine innere Haltung, die zum Ausdruck kommt, als sie den Buben im Tempel im Kreis der Zuhörer zu Füßen der Schriftgelehrten finden. Da fragen sie ihn sehr wohl und zu recht: „Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht?“ (Lk 1,48) Mehr sagen sie nicht. Sie holen ihn auch nicht mit Gewalt und unter Schimpfkanonaden aus der Menge heraus. Noch tiefer kommt jedoch die Eintracht der hl. Familie zum Vorschein in der Reaktion auf die Antwort des Knaben: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ (Lk 1,49) Sie können das so stehen lassen; sie fallen Jesus nicht ins Wort und geben keinen negativen Kommentar ab. Es heißt von ihnen bloß: „Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.“ (Lk 1,50) Und von Maria heißt es zudem: „ Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.“ (Lk 1,51b) Dass diese Eintracht in der Familie keine Einbahn war zeigt Jesus schließlich in seinem Verhalten: „Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam.“ (Lk 51a)

Wir entdecken also: Eintracht in der hl Familie bedeutet nicht jegliches Fehlen von Verschiedenheit in Meinung und Verhalten. Wie sie jedoch mit diesen Differenzen umgehen, darin zeigt sich ihre Eintracht und kommt jene Liebe zum Leuchten, die diese Eintracht begründet. Dass sich dies jedoch im Tempel zeigt, an jenem Ort also, an dem Gott wohnt, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Gott in ihrer Familie wohnt und in ihrem Herzen, in ihren Worten und in ihrem Tun anwesend ist. Und das kommt daher, weil ihre Frömmigkeit nichts Aufgesetztes, nichts Gemachtes, nichts Erzwungenes ist, das mit dem alltäglichen Leben nichts zu tun hat. Ihre Frömmigkeit ist vielmehr eine Anhänglichkeit an Gott, die so natürlich zu ihrem Leben gehört wie das Atmen, das Essen und Trinken, das Reden und Schlafen.

Beten wir also mit den Worten der Schlußoration: „ Bleibe bei uns mit deiner Gnade, damit wir das Vorbild der Heiligen Familie nachahmen und nach der Mühsal dieses Lebens in ihrer Gemeinschaft das Erbe erlangen, das du deinen Kindern bereitet hast.“ Amen!

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