Samstag, Dezember 09, 2006

Die Stimme in der Wüste



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 3: 1 – 6

Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene;
Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.
Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.
So erfüllte sich, was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!
Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.
Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.


Da werden im Evangelium große und mächtige Leute aufgezählt: Tiberius, Pontius Pilatus, Herodes, Philippus, Lysanias und schließlich Hannas und Kaiphas. (vgl. Lk 3,1-2a) Die Crème de la Crème von Politik und Religion.
Ja, und dann ergeht das Wort Gottes! Aber an wen von diesen hohen, mächtigen Leuten? Wenn wir uns nun diese Leute der Reihe nach anschauen, dann haben die alle bereits etwas:
Tiberius war Kaiser und hatte die Regierung über das mächtige römische Reich;
Pontius Pilatus hatte die Statthalterei von Judäa;
Herodes hatte als Vierfürst Galiläa zu verwalten, sein Bruder
Philippus Ituräa und Trachonitis;
Lysanias Abilene;
Die drei Letztgenannten waren so was wie Landeshauptleute.
Dann wird das Wort Gottes wohl an Hannas und Kajaphas ergangen sein!
Aber nein! Auch die hatten schon was: Das Amt des Hohenpriesters.
Sie alle haben etwas, mit dem sie vollauf beschäftigt sind – so sehr, dass für das Wort Gottes überhaupt kein Platz mehr bleibt. Auf alle diese Mächtigen und Würdenträger trifft zu, was wir im Tagesgebet gehört haben: Sie wurden von ihren irdischen Aufgaben und Sorgen gehindert, das Wort Gottes zu hören. Darum ist es auch nicht an sie ergangen.

Aber an wen hat Gott dann sein Wort gerichtet? An einen Mann, der nichts hatte: „An Johannes, den Sohn des Zacharias.“ (Lk 3,2b) Von ihm heißt es nur, dass er in der Wüste ist. Das ist ein Hinweis auf Freiheit von Macht und Würde von Amt und Reichtum. Das ist ein Hinweis auf seine Freiheit für das Wort Gottes. Darum ist er es, an den das Wort Gottes ergeht. Gott liebt keine Leerläufe in seinem Wirken. Da ist er sehr ökonomisch – heilsökonomisch. Darum richtet er sein Wort gleich an den, bei dem es ankommt.
Dabei hatte gewiss auch Johannes seine Aufgaben und irdischen Sorgen: Auch Einsiedler müssen ihren Tag planen und sich um ihr Essen kümmern. Das hat auch Johannes getan. Allerdings hat ihn dies nicht gehindert, auf Gott zu hören und sein Wort zu vernehmen. Vielmehr hat er seine Aufgaben so erfüllt, dass seine Aufmerksamkeit für Gott wach geblieben ist.

Und darum geht es ja auch bei uns:
Wir haben schließlich ja auch nicht gebetet, dass wir von unseren Aufgaben davonlaufen sollen – gar in die Wüste. Sondern wir haben lediglich darum gebetet, dass unsere Aufgaben und irdischen Sorgen uns nicht hindern mögen, Jesus entgegenzugehen. Denn zu ihm möchte Gott uns durch sein Wort führen.
Sie mögen nicht zu Bergen und Tälern werden, die uns von Jesus fernhalten; vielmehr sollen sie ebene Straßen sein, auf denen wir Jesus begegnen können und er uns.
Das sind mächtige Erdbewegungen in unserem Leben! Welches Werkzeug könnte uns da wohl helfen beim Einebnen dieser Berge und Hügel und beim Auffüllen der Täler?
Etwa die Dankbarkeit dafür, dass Gott uns eine Arbeit, eine Aufgabe, eine Lebenserfüllung gegeben hat.
Dann der Gedanke daran, dass wir anderen und Gott selber Freude machen mit der Erfüllung unserer Aufgaben.
Oder auch die Erinnerung, dass Gott uns hilft bei der Bewältigung unsers Lebens, weil er ja immer bei uns und mit uns ist. In der Lesung haben wir gehört, wie sehr Gott bei uns ist – so sehr, dass er bewirkt, dass alle hohen Berge und sogar die ewigen Hügel sich senken und die Täler sich heben zu ebenem Land. Dazu kommen noch die Wälder und die duftenden Bäume, die Schatten spenden (wir dürfen dabei auch an unseren Christbaum denken!) (vgl. Bar 5,7-9)
Aber die ewigen Hügel von vorhin – ihr werdet euch fragen, was das ist. Nun, die ewigen Hügel sind unsere eingefleischten, dummen Gewohnheiten, die wir ewig nicht loswerden. Gott kann sogar die aus unserem Weg räumen. Wenn wir sie ihm nur geben, indem wir seine Nähe wahrnehmen und annehmen.
So wird der Herr jedes gute Werk, das er in uns begonnen hat schließlich auch vollenden. (vgl. Phil 1,6)
Wir wollen also in diesen Tagen des Advent immer weniger zu denen gezählt werden, die an etwas so sehr picken und kleben, dass sie für den Herrn nicht mehr frei und ansprechbar sind; vielmehr wollen wir wie Johannes zu Menschen werden, denen Gott etwas sagen kann, mit denen er reden kann. Das sind adventliche Menschen – mit denen Gott dann auch Weihnachten feiern kann, wenn er zu ihnen kommt und sie zu ihm – auch mitten drin in den Aufgaben und Sorgen ihres Lebens.

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