Samstag, November 18, 2006

Kommen in großer Macht und Herrlichkeit



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 13: 24 – 32

Aber in jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern und der Mond wird nicht mehr scheinen;
die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen.
Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.
Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr (all) das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht.
Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft.
Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.
Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.





Das Ende des Kirchenjahres fällt zusammen mit dem Ende des Jahreskreises, der gerade dabei ist, vom Herbst in den Winter überzugehen. Dem entsprechen in den liturgischen Texten dieser Sonntage Berichte der Schrift über das Ende der Weltzeit überhaupt.
Und wie in der Natur Bilder des Ausatmens, des zur Ruhe sich Begebens, des zu Ende Gehens und des Sterbens die Stimmung prägen so ist auch in den heutigen Schrifttexten vom Untergang die Rede: „die Sonne wird sich verfinstern, der Mond wird nicht mehr scheinen, die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werde erschüttert werden.“ (Mk 13,24f)

Nun wissen wir zwar, dass der natürliche Verlauf eines Jahres sich wiederholt und nach jedem November wieder ein März kommt und nach jedem Winter ein Frühling, wobei aber durch den Klimawandel wir auch nicht mehr sicher wissen, wie genau diese Abfolge verlaufen wird; wir befürchten unangenehme bis katastrophale Veränderungen in der bisher gewohnten, harmonischen Abfolge der Jahreszeiten.
Diese Befürchtungen bringen uns dem radikalen Wandel näher, von dem im Evangelium die Rede ist: Tatsächlich sind die Verfinsterung der Sonne und des Mondes sowie das Fallen der Sterne vom Himmel Ereignisse, die wir noch nie erlebt haben und die allem Sein hier auf Erden ein Ende bereitet. Die kosmische Ordnung bricht zusammen. Damit verbunden gerät die globale Ordnung völlig aus den Fugen. Wir können die Situation mit den Worten Teresas zusammenfassen: Todo se pasa – Alles vergeht!

Neben dieser kosmischen und globalen Krise werden wir durch das Gedenken an Elisabeth von Thüringen an die existentielle Krise erinnert, in der sich nicht wenige unserer Landsleute befinden, weil sie verarmt sind und um ihre alltägliche Existenz kämpfen müssen. Die Inlandcaritas unterstützt sie bei diesem Ringen und bittet heute, dass wir sie durch unseren Beitrag zur Elisabethsammlung in diesem Kampf unterstützen.
Was durch diesen unseren Beitrag mitbewirkt werden soll, kommt in der Antwort zum Ausdruck, die das Evangelium auf alle eben angeführten Krisen gibt: „Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.“ (Mk 13,26f.)

Wir sind berufen, durch unseren Beitrag diese Engel zu sein, damit unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Not der Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit begegne durch jene Hilfe, die sie in ihrer Not erfahren und zu der wir die Caritas durch unsere Spende befähigen.
Mit dem Erscheinen in großer Macht und Herrlichkeit möchte der Herr also nicht warten bis zum Ende der Weltzeit. Dieses Erscheinen möchte er verwirklichen bereits heute durch das Gute, das wir tun oder zu dem wir andere durch unseren Beitrag befähigen. Und ich meine, wenn auch wir am Ende der Zeit zu den von IHM Auserwählten gehören und von seinen Engeln zusammengeführt werden wollen, dann sollten wir heute aus Liebe zu Engeln werden, die ihren Mitmenschen in Not nach Kräften helfen wollen. Denn es steht außer Frage, dass die von IHM Auserwählten an der Liebe zu erkennen sein werden, in der sie gelebt haben.

Zu dieser Liebe möchte der Herr uns selber anregen durch ein weiteres verborgenes Kommen in großer Macht und Herrlichkeit. Ich meine damit zum einen sein Kommen hier im Gottesdienst und in den Sakramenten aber zum anderen auch sein Kommen in unserem Herzen. Mit diesem Gedanken möchte ich unseren nächsten großen Karmelheiligen im Dezember ankündigen: Johannes vom Kreuz. Der schreibt in seinem geistlichen Gesang (CB1,8): „Was willst du noch, o Seele, und was suchst du noch außer dir, da du doch in dir drinnen deine Reichtümer hast, deine Freuden, deine Befriedigung, deine Sättigung und dein Königreich – deinen Geliebten, den du begehrst und den du suchst? Ergötze und erfreue dich in innerlicher Sammlung an ihm, denn du hast ihn ja so nahe. Hier begehre ihn, hier bete ihn an und gehe ihn nicht außerhalb deiner suchen, denn dort wirst du dich zerstreuen und ermüden; du wirst ihn nicht sicherer, nicht schneller, nicht näher finden und dich an ihm erfreuen, als in dir drinnen.“

Was bedeutet das alles? Nun, dass sein Kommen am Ende der Weltzeit in großer Macht und Herrlichkeit nicht sein erstes und einziges Kommen in diese Welt ist und dass dieses Kommen vorbereitet wird durch sein vorausgehendes Kommen in diese Welt: Durch seine Menschwerdung und seine Geburt, durch sein Kommen im Gottesdienst und in den Sakramenten, durch sein Kommen in die Seele eines jeden Menschen, durch sein Kommen in der Gestalt unseres Liebens.

Der Herr, der da kommt in großer Macht und Herrlichkeit wird also durchaus kein Unbekannter sein. Sondern er ist der, den wir mit allen Kräften unseres Herzens lieben, und dem wir unsere Liebe auf tausend Weisen zeigen wollen, dessen Nähe wir suchen, dessen Kommen wir mit Sehnsucht erwarten. Der unser Friede ist und unsere Freude; unsere Kraft und unsere Stärke.

Der Herr schenke uns, dass wir sein Kommen im Verborgenen mit jenem Glauben wahrnehmen, feiern und genießen können, der uns am Ende der Zeit unter seinen Auserwählten sein lässt, wenn er kommt in großer Macht und Herrlichkeit. Amen!

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