Freitag, Oktober 20, 2006

Wir können es!



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 10:35 – 45

Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.
Er antwortete: Was soll ich für euch tun?
Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.
Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?
Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.
Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.
Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes.
Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.
Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,
und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.




Sie antworteten: Wir können es! (Mk 10,39a)

So erwiderten die Jünger die Frage des Herrn: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“ (Mk 10,38b) Sie fragten nicht vorsorglich: Was bedeutet es, deinen Kelch zu trinken und mit deiner Taufe getauft zu werden! Ohne genau zu wissen, was da auf sie zukommt, antworten sie unbekümmert: „Wir können es!“
In dieser Haltung sind sie Abram ähnlich, der auch einfach gegangen ist, nachdem der Herr zu ihm gesprochen hatte: „Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde.“ (vgl. Gen 12,1-4) Er wollte auch nicht im Voraus genau den Weg wissen und was unterwegs passieren würde und wie endlich das verheißene Land wohl aussehen werde.
Abram und die beiden Jünger haben das Wagnis des Glaubens auf sich genommen. Sie haben im Vertrauen auf das Wort des Herrn hin gesagt: Wir können es!
Und wie konnten sie es! Jakobus war der erste der Jünger, der sein Leben für Jesus hingegeben hat (Apg 12,2) und Johannes musste erleben, wie ihm vor zu alle wegsterben, ehe er als letzter der Jünger hoch betagt dem Herrn endlich entgegengehen konnte mit den Worten auf seinen Lippen: „Amen, komm Herr Jesus!“ (Offb 22,20)
Sie haben ihr Leben in jenem Glauben gewagt, der fest steht in dem, was er erhofft und der überzeugt ist von Dingen, die er nicht sieht. (vgl. Hebr 11,1)
Ob wohl auch in uns dieser Wagemut im Glauben lebendig ist? Fragen wir uns nur, was wir bereit sind aus unserem Glauben heraus herzugeben. Ich fürchte, dass unser Leben nicht viel anders ausschauen würde, wenn wir nicht an Gott glaubten. Oder sollte es tatsächlich etwas geben, das wir einzig und rein um Gottes Willen tun? Ist nicht vielmehr unser Tun und Lassen von Rücksichtnahmen bestimmt, die Gott eigentlich überflüssig machen? Verläuft unser Leben nicht auf ehernen Gleisen – unabhängig davon, ob wir nun an Gott glauben oder nicht?
Wie erfrischend ist da doch die Begegnung mit Abram, Jakobus und Johannes? Und erst mit Maria, der Mutter Jesu! Wie sehr hat auch sie ihr Leben gewagt aus dem Glauben, einzig auf die Verheißung des Engels hin: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten!“ (Lk 1,35) Ohne weiter nach dem Wie und Wann und Wo zu fragen, nahm sie die Mutterschaft für den Sohn Gottes an mit den Worten: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lk 1,38)
Das ist wie frische Luft in einem abgestandenen Raum. Das lässt aufatmen, unsere Sinne werden wach zusammen mit der Bereitschaft, wie der junge Samuel zu rufen: „Rede, denn dein Diener hört!“ (1Sam 3,10)
Mit den Worten von J.H. Newman macht uns das bereit, „auf Christi Wort hin, dasjenige, was wir haben, einzusetzen für das, was wir noch nicht haben und so zu handeln auf großmütige, edle Art – gewiss nicht unüberlegt und leichtfertig, aber doch ohne genau zu wissen, wie viel wir aufgeben, oder was wir dafür erhalten, ohne Sicherheit über den Lohn, über den Umfang unseres Opfers; in jeder Hinsicht ihm hingegeben, auf ihn uns verlassend, auf ihn wartend und ihm vertrauend, dass er sein Versprechen einlöst und uns Kraft gibt, unser Wort zu halten, um so in allem ohne Sorge und Angst um die Zukunft unseren Weg zu gehen.“ (PPS IV,20)
Besiegen wir mit dieser Bereitschaft unsere Trägheit, die Ruhe haben und das Leben genießen will. Machen wir neue Schritte, gehen wir neue Wege, die uns unsere Bequemlichkeit und unsere Ängstlichkeit bisher versperrt haben. Es geht schließlich um unser wahres Heil, um „das Reich Gottes, das nicht nur besteht in Essen und Trinken sondern in Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.“ (Röm 14,17)
Schauen wir in unsere Welt, erkennen wir die Zeichen der Zeit, und handeln wir aus einem Herzen heraus, das bereit ist, Gott aufrichtig zu dienen und seinen Weisungen zu folgen. (Tagesgebet vom 29. So) „Denn die Liebe zu Gott besteht darin, dass wir seine Gebote halten. Seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube.“ (1 Joh 5,3f.) Und dieser Glaube lässt auch uns antworten: Wir können es!

Keine Kommentare: