Samstag, Oktober 14, 2006

Ströme lebendigen Wassers



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 7:14–18.37–39a

Schon war die Hälfte der Festwoche vorüber, da ging Jesus zum Tempel hinauf und lehrte.
Die Juden wunderten sich und sagten: Wie kann der die Schrift verstehen, ohne dafür ausgebildet zu sein?
Darauf antwortete ihnen Jesus: Meine Lehre stammt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.
Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche.
Wer im eigenen Namen spricht, sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist glaubwürdig und in ihm ist keine Falschheit.
Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke,
wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen.
Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben;




"Wen dürstet, der komme zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, - wie die Schrift sagt -, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen." (Joh 7,37f)

Wie froh kann der Mensch sein, dem eine Quelle für seinen Durst fließt; zumal eine Quelle, die seinen Durst löschen kann. Denn es gibt auch trügerische Quellen, die den Durst noch mehren.
Wenn Jesus sich im Evangelium als eine Quelle für den Dürstenden anbietet, dann fragen wir uns, welcher Art dieser Durst wohl sein mag und wie beschaffen das Wasser, das der Herr zu bieten hat.
Unsere hl. Mutter Teresa kann uns auf diese Frage Antwort geben durch ihr Leben, das sie in einer Autobiographie und in zahlreichen Briefen vor uns ausbreitet; zudem beschreibt sie uns wie in einer inneren Biographie in der „Seelenburg“ und im „Weg der Vollkommenheit“, wie Jesus ihr Lebensquell geworden ist. Ihren Weg zu Jesus erweist sich als ein Weg für alle, als ein Weg auch für uns.
Teresa war nicht von Anfang an jene begnadete Mystikerin, als die sie verehrt wird und die ihr mit Recht den Titel einer „Kirchenlehrerin“ eingebracht hat. Zur Mystikerin ist sie erst geworden im Verlauf eines Prozesses, an dessen Beginn ein Lebens stand, das sich zwar vom Niedrigen nicht fesseln und völlig erblinden ließ das sich aber auch nicht nach dem Höchsten ausstreckte. Bis 39 führte sie dieses Leben des Mittelmaßes. Mit dem Mann aus dem heutigen Sonntagsevangelium Mk 10, 17-22 hat sie zwar niemanden getötet und keine Ehe gebrochen; sie hat nicht gestohlen und kein falsches Zeugnis abgelegt; sie hat keinen Raub begangen und Vater und Mutter geehrt. Aber wie der junge Mann war auch sie nicht bereit, ihren ganzen Besitz herzugeben und Jesus zu folgen.
Eine Darstellung Jesu als Mann der Schmerzen erschütterte sie dermaßen, dass sie aufgelöst in Tränen vor dem Bild zu Boden fiel und den Herrn anflehte, ihr ein für allemal die Kraft zu geben, ihn nicht mehr zu beleidigen. In diesem Gebet setzte sie ihr ganzes Vertrauen auf Gott. Sie sagte dem Herrn, dass sie von dort nicht mehr aufstehen würde, bis er tat, worum sie ihn anflehte. Und sie war sich sicher, dass er ihr geholfen hat, denn seitdem ging es viel besser mit ihr. (vgl. Vida 9,1-3)
Dieses Bekehrungserlebnis enthält im Kern schon, was ihren weiteren Weg bestimmen sollte: die persönlich lebendige Nähe zum Herrn! Teresa erlebte die heilende Kraft, die von Jesus ausgeht (vgl Lk 6,19). Es galt für sie nun einen Weg in die Nähe Jesu zu finden. Diesen Weg entdeckte sie im inneren Beten, von dem sie schreibt, „dass es nichts anderes ist als das Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt.“ (Vida 8,5)
Nun ist Jesus nicht irgendein Freund sondern der Freund, der sie so sehr liebt, dass er sein Leben für sie gibt; das heißt, ein Freund, der sich an Großzügigkeit nicht übertreffen lässt und der 100 für eins gibt.
So ist es kein Wunder, dass die unablässig gesuchte Begegnung mit diesem Freund im Gebet in die unermesslichen Tiefen des göttlichen Lebens führt. Sie durchmisst – soweit Menschen möglich – die Tiefen ihrer eigenen Person und die Tiefen Gottes. Mit dem Apostel Paulus (Röm 11,33) konnte sie ausrufen: „ O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!“ Den Reichtum dieser Erfahrung hat sie auch für uns geschenkt bekommen; das erkannte sie von Anfang an. Darum scheute sie auch keine Mühe, neben der Überlast an Arbeit, die sie als Gründerin zahlreicher Klöster zu tun hatte, diese Erfahrungen niederzuschreiben und in ihren Werken den Mitschwestern und uns zu hinterlassen. In großartige Bilder vermochte sie ihre Erlebnisse mit dem Herrn zu kleiden:
Die Seelenburg als Bild des menschlichen Herzens, in dessen Innerstem Gott wohnt, der alle zu sich zieht (vgl Joh 12,32)und wo die tief geheimnisvollen Dinge zwischen Gott und dem Menschen geschehen.
Die Seidenraupe, die im Einspinnen in den Kokon das ihr Mögliche im geistlichen Leben tut, um sich dann im wunderschönen Schmetterling die Vereinigung mit Gott schenken zu lassen.
Schließlich die verschiedenen Arten der Bewässerung, in denen sie den Weg des Gebetes darstellt vom anfänglichen Mühen um die gnadenvolle Nähe des Herrn bis hin zu jenem seligen Zustand, indem der Herr sich überreich und mühelos dem demütigen und offenen Menschen schenkt.
Die Einsicht, dass es wohl wert ist, diesen Herrn ein ganzes Leben lang zu suchen, möge in uns den Eifer entflammen, im Gebet unermüdlich die Nähe unseres guten Jesus zu suchen, der unser Herr und unser Gott ist und der gepriesen sei in Ewigkeit. Amen!

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