Freitag, Oktober 06, 2006

Heilige Gemeinschaft



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 10:2 – 16

Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen.
Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben?
Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und (die Frau) aus der Ehe zu entlassen.
Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben.
Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen.
Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen,
und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.
Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber.
Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch.
Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.
Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab.
Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.
Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.




Was die beiden Themen des heutigen Evangeliums verbindet ist der Gedanke der Gemeinschaft. Gemeinschaft von Gott gewollt und von den Menschen gestört.
Zum einen die Gemeinschaft von Mann und Frau zum anderen die Gemeinschaft von Jesus mit den Kindern.
In beiden erscheinen Menschen als hartherzig: Zum einen, weil sie die von Gott gewollte Gemeinschaft von Mann und Frau zerstören und zum anderen weil sie die Gemeinschaft zwischen Jesus und den Kindern verhindern wollen.
In beiden Fällen besteht die Hartherzigkeit grundsätzlich darin, dass sie die Heiligkeit von Gemeinschaft missachten, die daher kommt, dass sie von Gott gewollt und somit von ihm begründet ist. Die Gemeinschaft, die im Willen Gottes begründet ist, hat auch Anteil an seiner Heiligkeit. Hartherzigkeit ist Verschlossenheit für diese Heiligkeit. Sie hat zur Folge, dass die angemessene Ehrfurcht fehlt beim Eintritt in die Gemeinschaft etwa mit einem Ehepartner. Damit wird eigentlich ein Raum göttlicher Heiligkeit betreten. Ist das Herz hart, fehlt die Ehrfurcht, fehlt das Bedenken, was in der Ehegemeinschaft an Unermesslichem geschenkt wird, wer im Ehepartner eigentlich gegeben ist: Welcher Schatz, welcher Reichtum, welche Würde, welche unauslotbare Tiefe. Es fehlt das Bewusstsein der eigenen Unwürdigkeit für so eine heilige Gemeinschaft – jenes Bewusstsein, das vor dem Eintritt in diesen heiligen Raum ehelicher Gemeinschaft zurückschrecken ließe, wenn es nicht Gottes ausdrücklicher Wunsch und Wille wäre, dass Mann und Frau Vater und Mutter verlassen und ein Fleisch werden (vgl. Mk 10,7f.). So zeigt sich diese Hartherzigkeit schon darin, dass im Überschwang emotionaler Sympathie vergessen wird, das eigene Wollen der ehelichen Gemeinschaft unerschütterlich im Wollen Gottes zu verankern. Dieses Fehlen des religiösen Fundamentes von Anfang an zeigt sich dann in mangelnder Dankbarkeit für das Geschenk ehelicher Verbundenheit, sie zeigt weiters sich in der Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit im alltäglichen Leben dieser Verbundenheit. Und sie kommt schließlich zum Ausdruck, wenn ein Verhalten des Ehepartners nicht mehr tragbar erscheint und er aus der Ehe entlassen wird. Ein Herz das Gott fern bleibt, wird immer hart bleiben; weich wird es nur in der Nähe Gottes.

Auch die Jünger sind nicht in der Nähe Gottes; darauf weist hin, dass sie die Mütter abweisen, die ihre Kinder zu Jesus bringen wollen. Weil sie von Gott fern sind, können sie nicht erkennen, dass Gott die Gemeinschaft der Kinder mit Jesus will. Jesus drückt genau dies aus, wenn er seine Jünger zurechtweist mit den Worten: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“ (Mk 10,14) Menschen, wie die Kinder! Was sind das für Menschen? Es sind einfache Menschen ohne Kompliziertheit und Verbogenheit; es sind Menschen, die ein reines Herz haben ohne Arglist, ohne Hintergedanken, ohne Vorurteile; es sind Menschen, die ein unverstelltes Herz haben zu dem die Wahrheit unmittelbar Zugang findet; es sind liebesfähige Menschen, die unbefangen und furchtlos die Liebe auch im Kleid schmerzlicher Wahrheit weitergeben können; es sind Menschen wie Jesus. Die Kinder gehören deshalb zu Jesus, weil er selber ganz Kind ist vor seinem Vater im Himmel. Dieses Kindsein ist unvereinbar mit einem harten Herzen. Die Jünger sind in ihrer Herzenshärte noch weit entfernt von diesem Kindsein. Und sie sind in ihrer Herzenshaltung noch weit entfernt von Jesus.
Menschen wie die Kinder gehört das Reich Gottes; das heißt: die Gemeinschaft mit Gott ist ihnen schon gewiss zugesagt. Und sie sind offen und empfänglich für das Reich Gottes, das sie in Jesu Armen und in seinem Segen empfangen; sie sind offen, um so von der Güte Gottes mehr zu erhalten, als sie verdienen und Größeres als sie erbitten. Sie sind empfänglich für das, was der Vater den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hat (vgl. Mt 11,25; Lk 10,21) nämlich das „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ (1Kor 2,9) Werden wir nicht müde, wie die Kinder zu werden! Werden wir nicht müde, Menschen seiner Gnade zu werden; Geschwister Jesu, Erben Gottes und Miterben Christi! (vgl. Röm 8,17)

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