Dienstag, Oktober 31, 2006

Das ist eure Berufung: Heilig zu sein!



Wort Gottes aus 1 Thess 4: 1 – 7

Im Übrigen, Geschwister, bitten und ermahnen wir euch im Namen Jesu, des Herrn: Ihr habt von uns gelernt, wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen, und ihr lebt auch so; werdet darin noch vollkommener!
Ihr wisst ja, welche Ermahnungen wir euch im Auftrag Jesu, des Herrn, gegeben haben.
Das ist es, was Gott will: eure Heiligung. Das bedeutet, dass ihr die Unzucht meidet,
dass jeder von euch lernt, mit seiner Frau in heiliger und achtungsvoller Weise zu verkehren,
nicht in leidenschaftlicher Begierde wie die Heiden, die Gott nicht kennen,
und dass keiner seine Rechte überschreitet und seinen Bruder bei Geschäften betrügt, denn all das rächt der Herr, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben.
Denn Gott hat uns nicht dazu berufen, unrein zu leben, sondern heilig zu sein.




Am heutigen Festtag schenkt Gott uns die Freude, die Verdienste aller seiner Heiligen zu feiern. Seiner Heiligen! Warum? Weil sie seinen Willen erfüllt haben, den Paulus uns im 1. Brief an die Thessalonicher 4,1-8 mitteilt: „Das ist es, was Gott will: eure Heiligung.“ (1Thess 4,3) Erst dadurch, dass sie diesen seinen Willen erfüllten, wurden sie seine Heiligen; und erst so konnten sie auch unsere Heiligen werden, indem sie unsere Fürsprecher bei Gott sind. Ihre Fürsprache im Himmel ist die Fortsetzung ihres Dienstes auf Erden. Den Dienst der Heiligung, den sie auf Erden wirkten, begrenzt durch Zeit, Raum und Menschlichkeit wirken sie jetzt im Himmel in jener zeit- und raumlosen Entgrenzung, die in der unmittelbaren Anschauung Gottes möglich ist.
Es gehört erstrangig zum Dienst der Heiligen, uns aufmerksam zu machen darauf, dass es unsere Berufung ist, heilig zu sein (vgl. 1 Thess 4,7). Diese Berufung hat sich Paulus nicht ausgedacht; sie wird gefordert schon im Buch Levitikus: „Denn ich bin der Herr, euer Gott. Erweist euch als heilig, und seid heilig, weil ich heilig bin.“ (Lev 11,44) Sie wird begründet bereits im Schöpferwillen Gottes, uns Menschen nach seinem Abbild zu schaffen. (vgl. Gen 1,27) Und erhält ihre höchste Ausformung in der Bergpredigt: „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.“ (Mt 5,48) Es ist klar: das Vermögen zu dieser Heiligkeit ist nicht in den Heiligen selbst begründet sondern in dem, der allein heilig und der Quell aller Heiligkeit ist (vgl. 2. Hochgebet); die Heiligen sind heilig in dem, „der in ihnen das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über ihren guten Willen hinaus.“ (Phil 2,13) Sie sind heilig im Heiligen. Sie können Gott, den Allheiligen in ihrem Leben heilig sein lassen. Gott kann sich in ihrem Leben entfalten; er bewohnt das Innerste ihres Herzens, das Teresa so eindrucksvoll mit einer Burg vergleicht, die zahlreiche Wohnungen hat, in deren innerster Wohnung jedoch Gott wohnt und wo die geheime Dinge geschehen zwischen Gott und der Seele.
Besteht nun auch das Streben nach Heiligkeit zu jeder Zeit darin, das Genügen in Gott allein zu suchen und zu finden (Teresa von Avila) so hat doch auch jede Heiligkeit ihre besondere Gestalt, geprägt von den Umständen jener Zeit, in der sie gelebt wird. Jede Zeit fordert ihre Form der Heiligkeit. Sie ist die Heilsantwort Gottes auf eine bestimmte zeitliche Not. Jeder Heilige ist überzeitlich und Zeitgenosse zugleich. Denn jeder Heilige ist aus den Menschen ausgewählt und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott (vgl. Heb 5,1).
Wenn wir vorhin die Berufung der Thessalonicher zur Heiligkeit erwähnten so schauen wir doch einmal nach, wie sich Paulus dies konkret vorgestellt hat: „Das ist es, was Gott will: eure Heiligung. Das bedeutet, dass ihr die Unzucht meidet, dass jeder von euch lernt, mit seiner Frau in heiliger und achtungsvoller Weise zu verkehren, nicht in leidenschaftlicher Begierde wie die Heiden, die Gott nicht kennen, und dass keiner seine Rechte überschreitet und seinen Bruder bei Geschäften betrügt. Denn Gott hat uns nicht dazu berufen, unrein zu leben, sondern heilig zu sein.“ (1 Thess 4,3-7) Wir sehen: Heiligkeit erblüht aus dem vollen Leben!

Oder bedenken wir, wie Franz von Sales schreibt, „dass ein Edelmann anders fromm sein muss als ein Handwerker; anders ein Diener als ein Fürst; anders eine Witwe als ein unverheiratetes Mädchen oder eine in der Ehe lebende Frau. Oder wäre es angebracht, wenn ein Bischof wie ein Kartäuser die Einöde aufsuchte? Wenn Verheiratete sich nicht mehr um die Mehrung des Vermögens bemühen würden als ein Kapuziner? Wenn ein Handwerker nach Art der Ordensleute den ganzen Tag in der Kirche verbrächte?“ (aus der Philothea)

Der Heilige Geist möge uns erleuchten und lenken, dass wir aus den Zeichen der Zeit und aus den Linien unseres Lebens den Weg der Heiligkeit erkennen können, den der Herr von uns möchte, dass wir ihn heute gehen. Er schenke uns Vertrauen auf seine lichtvolle Führung, er gebe uns Mut zu einer Hingabe aus ganzem Herzen und er schenke uns Hochachtung vor dem kleinsten Schritt, der uns möglich ist – im gläubigen Vertrauen darauf, dass das Reich Gottes immer im Senfkorn beginnt – im kleinsten aller Samenkörner. (vgl. Mt 13,31f.)

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