Mittwoch, September 20, 2006

Ihr aber - für wen haltet ihr mich?



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 8:27 – 35

Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen?
Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten.
Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias!
Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen.
Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen.
Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe.
Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.





„Ihr aber – für wen haltet ihr mich?“ (Mk 8,29)

Was hat den Petrus angeregt, im Namen der übrigen Jünger zu bekennen: Jesus, „du bist der Messias?“ (Mk 8, 29) War es ein pastorales Programm zur Ordnung des kirchlichen Lebens? War es eine Krisensituation der Kirche wie etwa Glaubens- und Sittenverfall, Mangel an geistlichen Berufen, Spannungen zwischen Hirten und gläubigem Volk, Anfeindung der Kirche von außen? Nichts von all dem hat Petrus zu seinem Bekenntnis geführt! Es war allein der Wunsch Jesu, zu erfahren, für wen sie ihn halten und was er für sie bedeutet.
Diese ausdrückliche Bitte Jesu beantwortete Petrus mit seinem ausdrücklichen Bekenntnis. Um es noch deutlicher zu sagen: Jesus bittet seine Jünger persönlich darum, dass sie ihm doch sagen möchten, für wen sie ihn halten. Petrus antwortet mit dem persönlichen Bekenntnis: „Du bist der Messias.“
Ich erkenne darin einen ursächliche Zusammenhang: Ohne die Bitte Jesus kein Bekenntnis des Petrus. Der Wunsch Jesu hat das Bekenntnis des Petrus ermöglicht, hervorgerufen, zum Leben erweckt. So banal das klingen mag so wesentlich ist es für das Leben des Petrus: Sein gesamtes Leben wird Antwort auf den Anruf Jesu: Er lässt die Fischernetze liegen und folgt Jesus nach, weil der ihn ruft (vgl. Mk 1,17f) Nach der Verleugnung Jesus weint Petrus nachdem Jesus ihn angeschaut hat. (Mk 14,72) Und schließlich geht Petrus hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium von Jesus, nachdem dieser ihn und die übrigen Jünger dazu aufgefordert hat (vgl. Mk 16, 16-20) Das Leben des Petrus und das der übrigen Jünger wird gewandelt von einem Leben nach dem eigenen Willen in ein Leben nach Jesu Willen. Ihr Leben wird zu einer Antwort auf Jesu Frage: Ihr aber, für wen haltet ihr mich! Jesus Wunsch und Wille wird zum Fundament und zum Maßstab ihres Lebens.

Bei uns Christen muss das auch so sein: Unser christliches Leben muss Antwort sein auf die Frage, die Jesus heute auch uns stellt: Ihr aber – für wen haltet ihr mich? Wie im Evangelium bei den Jüngern ist es auch bei uns so, dass Jesus von uns eine andere Antwort erwartet als von jenen Menschen, die ihm nicht so nahe stehen können wie wir, weil sie keine Christen sind.
Aber sind wir ihm so nahe, dass wir ihn fragen hören: „Ihr aber – für wen haltet ihr mich? Du aber – für wen hältst du mich?“ Wenn wir ihm so nahe sind, dann erst wird mir, wenn ich mich zum Gebet begebe, das Bekenntnis möglich sein: Du bist der, der mich zum Gebet ruft, damit ich mit ihm spreche und einfach bei ihm bin. Oder wenn ich zur hl. Messe gehe: Du bist es, der mich zum Mahl geladen hat, um sich mir selber als Speise des ewigen Lebens zu reichen. Oder wenn ich aus der hl. Schrift lese: Du bist es, der mich im Wort des Evangeliums ansprechen möchte. Oder wenn ich einen Liebesdienst erweise: Du bist es, der sich im Nächsten von mir verwöhnen lassen möchte. Oder in der Stunde des Leidens: Du bist es, der mein Kreuz mit mir tragen möchte oder derjenige, der in seinem Leiden von mir getröstet werden möchte. Oder wenn ich an meine Arbeit gehe: Du bist es, der mir meine Talente gegeben und mich zu dieser Arbeit berufen hast.
Oder wenn wir an die kommende Wahl am 1. Oktober denken: Du bist es, dessen Stimme ich aus den Wahlprogrammen der Parteien hören möchte; und wir also jene Partei wählen, aus deren Programm wir am deutlichsten den Herrn fragen hören: Ihr aber – für wen haltet ihr mich? Ohne diese Frage des Herrn ist uns ein Bekenntnis zu Jesus nicht möglich; ohne diese Frage des Herrn hat unser Bekenntnis keinen Rückhalt und somit auch keinen Bestand. Das Bekenntnis zu Jesus ist dermaßen persönlich, dass es nur abgelegt werden kann im Angesicht dieses Jesus, der mir die Frage stellt: Du aber – für wen hältst du mich. Durch mein Bekenntnis drücke ich zugleich aus, was es für mich bedeutet, dass Jesus der Messias ist.
Diese Frage ist wie die Sonne, die morgens die Blumen mit ihrer Wärme berührt, so dass sie bereitwillig ihre Blüten öffnen und ihre Schönheit und ihren Duft an die Umwelt verbreiten. Durch diese Frage Jesu erfahren wir mit den Worten des Tagesgebetes die Macht der Liebe Gottes an uns; das befähigt uns, ihm mit ganzem Herzen zu dienen. Mit dieser Frage beruft uns Gott, vor ihm zu stehen und ihm zu dienen. Wir wollen nicht aufhören, für diesen Ruf zu danken und unablässig jene Nähe zu Jesus zu suchen, in der wir ihn deutlich fragen hören: Ihr aber – für wen haltet ihr mich?

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