Samstag, August 26, 2006

Du hast Worte des ewigen Lebens



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 6:60 – 69

Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?
Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?
Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?
Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.
Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.
Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.
Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.
Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?
Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.



„Was er sagt ist unerträglich! Wer kann das anhören?“ (Joh 6,60) So reagieren viele seiner Jünger auf seine Worte über die Eucharistie. Sie erleben einen Jesus, der durch seine Worte nicht anzieht sondern abstößt; nicht begeisterte Zustimmung sondern Ablehnung hervorruft – und das nicht etwa bei seinen Gegnern sondern bei seinen Jüngern.
Wir erleben Jünger Jesu, bei denen er an die Grenze dessen kommt, was sie sich von ihm vorstellen können. Er will diese Grenzen sprengen und sie darüber hinaus führen. Sie jedoch können ihm nicht mehr folgen sondern „sie ziehen sich von ihm zurück und wandern nicht mehr mit ihm umher.“ (Joh 6,66)
Dieser Jesus entspricht nicht mehr ihren Vorstellungen; darum verlassen sie ihn und gehen ihre eigenen Wege. Jesus hat sie an einen Punkt geführt, an dem sie ihre Vorstellungen von ihm revidieren, ändern, erneuern hätten müssen. Jesus hat ihnen vor Augen geführt, worum es in der Gemeinschaft mit ihm grundsätzlich geht: dass sie in ihrem Denken, Reden und Tun von seinem Denken, Reden und Tun gestaltet und geformt werden. Dass also sie sich von Jesus formen lassen müssen und nicht Jesus von ihnen geformt werden muss. Sie müssen sich ihm angleichen; denn er hat sich ihnen schon längst angeglichen, indem er „Mensch wurde wie sie in allem ihnen gleich – die Sünde ausgenommen.“ (vgl. Phil 2,6f) Und das erfordert natürlich auch von ihnen: Vorgefasste Meinungen von ihm ändern; Vorstellungen von ihm ergänzen und ausweiten; bisherige Denkmuster aufgeben oder vertiefen. Es erfordert von ihnen Bereitschaft, sich je und je von einem neuen Jesus überraschen und bereichern zu lassen; es fordert von ihnen die Mühe sich je und je neu zu öffnen und sich darauf einzustellen, was Jesus ihnen über sich, aus sich heraus mitteilt. Diese Offenheit und Beweglichkeit hatte viele seiner Jünger nicht. Erstarrt in ihren Vorstellungen von Jesus, fixiert auf ein bestimmtes Bild von ihm konnte Jesus nicht mehr in ihnen lebendig sein, konnte er sich nicht mehr in ihnen entfalten; und sie konnten nicht mehr mit ihm leben. Diese Jünger stellen uns die Frage nach unseren Vorstellungen von Jesus und wie viel Spielraum wir ihm gewähren? Sie lassen uns die Grenzen in unserer Beziehung zu Jesus suchen, an die der Herr nicht rühren darf, weil dann auch wir ihm die Gefolgschaft aufkünden.
Zugleich macht Jesus klar, dass die Beziehung zu ihm, die Verbundenheit mit ihm nicht ausschließlich Frucht unseres Mühens, unserer Bereitschaft und unserer Begeisterung für Jesus ist. Ihm zu folgen, ist nicht zuerst ein Können und ein Vermögen – zuerst ist es ein Dürfen: „Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.“ (Joh 6,65) Unser Leben in Jesu Nachfolge ist zuerst eine Gabe Gottes. Dieser Tatsache müssen wir uns von neuem bewusst werden und um diese Gabe bitten – etwa vor jeder sakramentalen Begegnung mit dem Herrn bei der hl. Messe, bei der Beichte oder wenn wir uns zum Gebet bereiten oder wenn wir dem Herrn in unseren Mitmenschen dienen.
Die Vorteile eines solchen Bittens sind enorm: Zum einen bewahrt uns dieses Bitten davor, Jesus auf unsere Vorstellungen zu fixieren. Dann führt uns diese Bitte in die Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes, denn sie stellt uns Jesus dar als den Sohn Gottes, als den, dessen Worte deshalb Geist und Leben sind. Und schließlich führt uns dieses Bitten zur Einsicht des Petrus: „Du bist der Heilige Gottes! Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh 60,68f) Und diese gläubige Einsicht ist es letzten Endes, die uns davor bewahrt, Jesus zu verlassen, um bei den zahlreichen zeitgenössischen Anbietern von vermeintlicher Lebensqualität das zu suchen, was nur bei Jesus zu finden ist: die lebens- und liebesvolle Beziehung zu ihm, die allein glücklich macht und die Jesus im Gleichnis vom Weinstock so anspricht: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch! Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht. Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen!“ (Joh 15,4f).
So wollen wir uns entschieden dem Entschluss des Josua und des Volkes Israel anschließen, den sie in der 1. Lesung gefasst haben: „Das sei uns fern, dass wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen,“ den Göttern eines zügellosen Lebens in Machtgier und Geldsucht. Nein! „Auch wir wollen dem Herrn dienen, denn er ist unser Gott!“ (Jos 24,17.18b) Amen!

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