Donnerstag, Juli 06, 2006

Und er sandte sie aus ...



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 6:7 – 13

Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben,
und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel,
kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.
Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst.
Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.
Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf.
Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.





In der ersten Lesung erleben wir heute eine Auseinandersetzung zwischen einem etablierten Priester und einem Propheten. Amos heißt dieser Prophet und er hat im Tempel in Bet-El gepredigt, dass das Reich Israel untergehen werde, weil seine religiösen und politischen Führer und in ihrer Gefolgschaft dann das ganze Volk von Gott abgefallen sind.

Der Priester verjagt Amos aus dem Tempel und aus dem Land:
Flüchte in das Land Juda!
Iß dort dein Brot und tritt dort als Prophet auf!
In Bet-El darfst du nicht mehr als Prophet reden! (Am7,12.13a)
Anstatt sich der Kritik des Propheten zu stellen und sie auf ihre Berechtigung hin zu durchleuchten jagt der Priester den unbequemen Mahner fort.

Dies erinnert uns daran, dass auch unsere Kirche eigentlich zu jeder Zeit ihre mahnenden Propheten hatte und dass auch sie nicht immer bereit war auf diese Frauen und Männer zu hören. Oft genug hat sie sich dieser lästigen Leute entledigt durch Methoden, die nicht immer glimpflich und bisweilen gar unmenschlich waren - um es einmal gelinde auszudrücken.

Eines wird jedoch aus dieser Lesung klar: Die Kirche, das Volk Gottes, ist immer wieder in Gefahr sich zu etablieren, zu erstarren in den Umständen von Macht, Reichtum und Wohlstand und so taub und blind zu werden für ihren eigentlichen Auftrag in dieser Welt und in der jeweiligen Zeit. Deshalb braucht die Kirche auch immer wieder Frauen und Männer, die ihr prophetisch heimleuchten, d.h. auf den Weg leuchten, den Gott von ihr will, dass sie ihn geht. Solche Leute sind unbequem aber notwendig. Sie haben mit Widerstand und mit Verfolgung zu rechnen. Diese Widrigkeiten bewirken, dass diese Leute sich diese Aufgabe nicht selber aussuchen; sie wissen sich vielmehr von Gott berufen und gesandt.

Das meint auch Amos wenn er sagt: Was, Ich? ER!
Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler,
sondern ich bin ein Viehzüchter,
und ich ziehe Maulbeerfeigen.
ER, der Herr, hat mich von meiner Herde weggeholt und zu mir gesagt: Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel. (Am7,14f.)

Es ist schon sehr stark wie radikal, ja, wie rücksichtslos Gott in das Leben des Amos eingreift. Von seiner gewohnten Arbeit, von seiner gesicherten Lebensexistenz holt er ihn weg und wirft ihn hinein in das Haltlose, in das Ungewisse, in das Gefährliche eines Prophetenlebens. Gleiches geschieht ja auch im Evangelium: Jesus schickt seine Jünger aus - die hat er übrigens auch mitten aus ihrer Arbeit herausgerissen und sie von ihrem Beruf weggeholt - er schickt sie also aus ohne Brot, ohne Vorratstasche, ohne Geld, ohne zweites Hemd - ohne materielle Absicherung. Nur Sandalen dürfen sie tragen und einen Wanderstab. Anstelle materieller Güter gibt Jesus ihnen die Vollmacht, unreine Geister auszutreiben, die Botschaft zur Umkehr und die Gabe zu heilen. An diesen Gaben des Herrn sollen sie sich festhalten, für ihre Weitergabe sollen sie ganz frei sein.

Dieses Verhalten Gottes in der ersten Lesung und durch seinen Sohn im Evangelium sollte uns nachdenklich stimmen - uns als einzelne und uns als Kirch des Herrn.

Denn wer von uns könnte angesichts dieses unberechenbaren Gottes sagen: Ich bin sicher vor seinem Anspruch, vor seinem Zugriff, vor seinem Auftrag, weil ich Kinder zu Hause habe, weil ich verheiratet bin, weil ich eine Frau bin, weil ich mehr als genug zu tun habe, weil ich eine große Gemeinde habe oder weiß Gott aus was noch für Gründen.

Niemand von uns kann sich vor diesem Gott verschanzen - hinter seinem Beruf, hinter seiner Bedürftigkeit, hinter seinem Geschlecht, hinter seiner Rasse. Was beim Propheten Amos bereits angeklungen ist wird bei Jesus klar: Dieser Gott hat jeden von uns im Visier; er meint jeden von uns.

Darum sollten wir uns auch lieber fragen: Welchen Auftrag hat der Herr für mich - trotz oder gerade wegen meiner momentanen Befindlichkeit. Welche Botschaft von ihm soll ich der Welt mitteilen in meiner Situation und durch meine momentane Situation. Dies ist unser einzig richtiges Verhalten vor diesem unberechenbar auswählenden Gott, der gerade deshalb so unberechenbar ist, weil
er uns alle erwählt hat vor der Erschaffung der Welt,
damit wir heilig und untadelig leben vor IHM;
weil er uns alle aus Liebe im voraus dazu bestimmt hat,
seine Töchter und Söhne zu werden durch Jesus Christus;
weil er uns alle bestimmt hat, zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade. (vgl. Eph 1,4-6a)

Kennzeichen seiner Sendung ist aber gemäß dem heutigen Evangelium ein Leben in Einfachheit, Freiheit und Gewaltlosigkeit. Diese Strukturen in unserem Leben und durch unser Leben in der Welt von heute zu verwirklichen - das ist sein Auftrag an die Jünger von damals und an uns, die Kirche von heute. Wenn wir aber sehen, wie sehr diese Strukturen des Reiches Gott in unserer Welt und auch in unserer Kirche noch fehlen, dann wissen wir, dass wir noch mitten in der Arbeit sind; und es kann nur heißen: An die Arbeit in unserem persönlichen Leben, in unseren Familien, in unseren Gemeinden, in unserer Kirche - bauen wir ab die dämonischen Strukturen eines aufwendigen, eines unfreien und eines gewalttätigen Lebens und sorgen wir, dass unser Leben auf den Säulen der Einfachheit, der Freiheit und der Gewaltlosigkeit zu ruhen kommt.

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