Donnerstag, Juli 06, 2006

Kommt und ruht ein wenig aus ...


 
Aus dem hl. Evangelium nach Markus 6:30 – 34

Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.
Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.
Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein.
Aber man sah sie abfahren und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an.

Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.




Nicht nur die meisten von uns machen in diesen sommerlichen Tagen Urlaub - auch die Jünger machen im heutigen Evangelium Ferien, Jesus schickt sie auf Erholung indem er zu ihnen spricht:

Kommt mit an einen einsamen Ort,
wo wir allein sind,
und ruht ein wenig aus. (Mk 6,31)
Es ist bezeichnend, dass die Zeit der Erholung für die Jünger nicht eine Zeit ohne Jesus ist, sondern vielmehr eine Zeit, in der sie mit Jesus allein sind, und diese Erholung findet statt an einem Ort, an den Jesus mitkommt; noch genauer: Jesus führt sie an den Ort der Erholung und sie kommen mit Jesus mit.

Unterscheidet sich dieser Urlaub der Jüngern nicht diametral vom Urlaub vieler Christen, den sie allzu leicht auch als eine Freizeit von ihrem religiösen Leben das Jahr über verstehen, als eine Zeit also, die frei ist von einem regelmäßigen Gottesdienstbesuch, die frei ist vom regelmäßigen Beten morgens, abends und bei Tisch?

Bei den Aposteln zählt nicht der Urlaub auf dem Lande, in den Bergen, am Meer, oder sonst wo; in dieser lokalen Hinsicht ist im Evangelium nur allgemein von einem einsamen Ort die Rede, der nicht näher be¬stimmt wird.
Viel wichtiger als Urlaubslokalitäten ist für die Jünger, dass sie die Zeit der Erholung mit Jesus verbringen - das zählt. Ja, ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass es nicht dieser oder jener bestimmt Ort ist, der ihnen zur nötigen Erholung verhilft; es ist vielmehr die Gegenwart des Herrn, die ihnen die Urlaubszeit zu einer Zeit der Erholung macht.
Die Devise bei den Jüngern lautet also: Urlaub mit Jesus! - Basta!
Wie ist ihnen aber diese christliche Urlaubshaltung möglich?
Sie fällt ihnen nicht von ungefähr in den Schoß. Sie hängt wesentlich zusammen mit der Arbeit, die sie vor ihrem Urlaub verrichten und von der sie sich im Urlaub erholen sollen:
in jener Zeit versammelten sich die Apostel, die Jesus ausgesandt hatte, wieder bei ihm
und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. (Mk 6, 30)
Die Arbeit, die sie vor ihren Ferien tun, tun sie im Auftrag Jesu; Jesus hat sie ausgesendet; sie haben diese Arbeit von Jesus empfangen; sie haben im Namen Jesu gearbeitet; auf Grund dieses Auftrages waren die Jünger auch bei ihrer Arbeit mit Jesus verbunden; sie haben mit Jesus gearbeitet; darum ist es logisch, dass sie jetzt auch mit Jesus Urlaub machen.

Und wir? Arbeiten auch wir das Jahr über mit Jesus? Denken wir in der Frühe beim Aufstehen daran, dass wir die Arbeit des kommenden Tages aus den guten Händen Jesu empfangen? Dass er es ist, der uns in diesen neuen Tag schickt: in die Arbeit, in den Beruf, zu unseren Mitarbeitern? Und dass mir keiner kommt und sagt, derartige Gedanken bräuchte sich nur der Pfarrer und ähnliche geistliche Gefäße zu machen!
Die Taufe ist mehr als ausreichend für derartige Überlegungen und für die Lebenshaltung, die sich daraus ergibt.
Wenn nun also einer das Jahr über nicht mit Jesus arbeitet, ist es dann nicht logisch, dass er auch ohne Jesus Urlaub macht?
Urlaub mit Jesus ist darum nur möglich wenn Jesus auch Arbeitgeber ist.

Und dass Jesus ein guter Arbeitgeber ist, zeigt sich daran, dass die Apo¬stel ihm alles berichten dürfen, was sie getan und gelehrt hatten.
Ist es nicht etwas wunderschönes, jemand zu haben, dem wir alles be¬richten dürfen, was wir getan und gesagt haben? Gibt es etwa jemanden in unserer Nähe, dem wir alles - wirklich alles - berichten dürfen? Unse¬rem Ehepartner? Unserem besten Freund? Unseren Eltern? Ist es nicht so, dass wir selbst dem Vertrautesten gegenüber ein Restgeheimnis für uns bewahren, das wir ihm beim besten Willen nicht sagen können? Jesus aber dürfen wir alles berichten, was wir getan und gesagt haben! Was ist doch in so einer Beziehung zu Jesus für ein Potential an Befreiung, an Freiheit und an Frieden enthalten!
Ganz recht hat darum Paulus, wenn er in der zweiten Lesung schreibt: Er, Jesus, ist unser Friede! (Eph 2,14a)

Es spricht auch für Jesus, als einen guten Arbeitgeber, dass es bei ihm nicht nur heißt: Dalli, dalli! Zack, zack! Und: Arbeiten, dass die Fetzen fliegen! Jesus verordnet die Zeit der Erholung auch nicht mit der Stoppuhr in der Hand. Es ist vielmehr wohltuend zu erfahren, dass im Reich Gottes und das heißt mit anderen Worten: auf dem Bauplatz "Kirche" das "Ruht ein wenig aus" seinen angemessenen Platz hat. Und dass dies auch für Priester gilt, geht aus dem heutigen Evangelium klar hervor: Auch die Hirten der Kirche brauchen einen Hirten, der ih¬nen ein wenig Ausruhen verordnet. Auch hierin atmet die Botschaft Jesu den Atem der Menschlichkeit.
Merkwürdig ist nun aber zu guter Letzt, wie Jesus sich verhält, als er an den einsamen Ort kommt, an dem er mit seinen Jüngern allein sein wollte. Dieser Ort ist nämlich nicht einsam und er ist mit seinen Jüngern nicht allein: als er nämlich ausstieg, sah er viele Menschen;
man sah sie abfahren und viele erfuhren davon;
sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin - nämlich in die einsame Gegend, wo er mit seinen Jüngern allein sein wollte -
und kamen noch vor ihnen an. (Mk 6, 33)
Als Jesus nun die vielen Mensch sieht, lässt er das Boot nicht ärgerlich abdrehen, um es mit einer anderen einsamen Gegend zu versuchen, sondern:

Als er ausstieg und die vielen Menschen sah,
hatte er Mitleid mit ihnen;
denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Und er lehrte sie lange. (Mk 6,34)

Urlaub bedeutet bei Jesus nie und nimmer Urlaub vom Menschen und Urlaub von der Menschlichkeit. Die Menschen dürfen mit ihrer Not immer zu Jesus kommen und zwar deshalb, weil seine Beziehung zu diesen Menschen keine amtliche, sondern eine herzliche, eine menschliche ist. Für die Jünger bedeutet das Verhalten Jesu, dass das Zusammenleben mit Jesus auch in den Ferien keine geschlossene sondern eine offene Gesellschaft ist.

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