Samstag, Juni 17, 2006

Mit dem Reich Gottes ist es so, wie ....


Aus dem hl. Evangeliumnach Markus 4:26 – 34

Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie.
Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.
Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.
Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?
Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät.
Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten.
Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.






Wenn Jesus heute vom Reich Gottes spricht, dann sagt er nicht zu seinen Jünger: Ihr seid das Reich Gottes oder: die Gemeinschaft der Kirche zu irgendeiner Zeit ist das Reich Gottes.
Für ihn ist das Reich Gottes kein fixer Zustand.
Für ihn ist das Reich Gottes ein Prozess, ein Geschehen, ein Vorgang. Zu diesem Vorgang gehört ein Anfang, ein Werden und eine Vollendung;
Im Gleichnis entspricht dem das Aussäen, das Wachsen, die Ernte.
Zum Reich Gottes gehören Mitwirkende zu Beginn, unterwegs und am Ende. Im Gleichnis ist es der Mann, der den Samen sät; der es wachsen lässt und der erntet.
Zum Reich Gottes gehören Haltungen: Die Hoffnung auf Ertrag, die den Mann bewegt, den Samen auszusäen;
das Vertrauen, in dem der Mann die Aussaat der Erde überlassen und warten kann, bis die Frucht ausgereift ist;
die dankbare und frohe Bereitschaft zu ernten, was gewachsen ist.
Da dieses Bild aus dem bäuerlichen Lebensraum für uns zumeist nicht mehr vertraut ist möchte ich ähnliche Bilder aus unserem Alltag anfügen.
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Menschen, der seinen PC einschaltet: er drückt den Startknopf; darauf beginnt der PC zu arbeiten und der Mensch weiß nicht wie. Sowie dann das gewünschte Bild auf dem Monitor erscheint freut sich der Mensch daran und beginnt damit zu arbeiten.
Oder ein noch einfacheres Bild:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Menschen, der zum Wasserhahn geht und daran dreht; er wartet bis das Wasser kommt; dann verwendet er es nach seinem Plan: z. B. zum Trinken, zum Gießen oder zum Reinigen.
Ähnliche weitere Bilder könnt ihr euch selber ausdenken. Sie alle können ein Gleichnis für das Reich Gottes darstellen.

Gehen wir einen Schritt weiter und schauen wir auf die Kirche. Fragen wir uns, was sie mit dem Reich Gottes zu tun hat. Wir sehen den Beginn: Petrus, die anderen 11 Apostel und die übrige kleine Schar, die sich um Jesus versammelt; und heute: Papst Benedikt, die Bischöfe unserer Kirche und über eine Milliarde Menschen, die an Jesus glauben. Die 2000 Jahre dazwischen die Zeit des Wachsens und des Reifens – ein Prozess, der noch nicht zu Ende ist. Doch was ist die Kraft, die wachsen lässt? Es ist Jesus Christus, der Kraft des heiligen Geistes in seinem Wort und in seinen Sakramenten das Wachsen des Reiches Gottes in der Kirche unablässig fördert. Er ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Er lässt uns den Ursprung der Kirche in Gott nie vergessen und hält uns das Ziel der Kirche in ihrer Vollendung bei Gott unablässig vor Augen.
Die Kirche ist zu allen Zeiten das vornehmste Kleid, in dem das Reich Gottes in dieser Welt da ist. Dieses Kleid ist dort am schönsten, wo die Verbundenheit ihrer Glieder mit Christus am unmittelbarsten ist. Die Kirche ist das deutlichste Gleichnis vom Reich Gottes. Diese Deutlichkeit kommt durch ihre ununterbrochene Verbundenheit mit ihrem Ursprung in Jesus Christus her und ruht letztlich in der Verheißung Jesu, dass die Mächte der Unterwelt seine Kirche nicht überwinden werden. (vgl. Mt 16,18) Dem entspricht die Verheißung, bei seiner Kirche zu bleiben bis ans Ende der Welt. (vgl. Mt 28,20)
Diese Worte des Herrn machen die Kirche zum zuverlässigen Tor, das zum Leben führt (vgl. Mt 7,14) zum geheiligten Werkzeug in seinen Händen, mit dem er unablässig die Welt bearbeitet zu ihrem Heil und zu ihrer Erlösung. Uns wollen diese Worte des Herrn Festigkeit geben in unserer Zugehörigkeit zur Kirche. Sie wollen uns befreien von jeglicher Angst, die uns daran hindert, in dieser Kirche zu wirken zum Heil der Welt und uns vom Herrn berufen und gebrauchen zu lassen als Mitarbeiter am Reich Gottes hier und heute. Im Tagesgebet haben wir diese Berufung erkannt und angenommen: Gott du unsere Hoffnung und unsere Kraft, ohne dich vermögen wir nichts. Steh uns mit deiner Gnade bei, damit wir denken, reden und tun was dir gefällt. Leben wir diese Berufung in lebendiger Hoffnung, in unerschütterlichem Vertrauen und in liebender Hingabe.

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