Mittwoch, Juni 14, 2006

Guter Hirt - Du wahre Speise!



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 14:12 – 26

Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm schlachtete, sagten die Jünger zu Jesus: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?
Da schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm,
bis er in ein Haus hineingeht; dann sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister lässt dich fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann?
Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles für uns vor!
Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf.
Während sie nun bei Tisch waren und aßen, sagte er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern, einer von denen, die zusammen mit mir essen.
Da wurden sie traurig und einer nach dem andern fragte ihn: Doch nicht etwa ich?
Er sagte zu ihnen: Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst.
Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib.
Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus.
Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.
Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes.
Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.





Jesus tut etwas Alltägliches, indem er Brot und Wein in die Hand nimmt, um sie zum Essen auszuteilen.
Doch dann sagt er was Besonderes: Zum Brot: Das ist mein Leib für euch!
Und zum Wein: Das ist mein Blut für euch!
Er gibt damit etwas Besonderes, etwas Einmaliges – nämlich sich selber – in Etwas Alltägliches – in Brot und Wein – hinein.
Damit macht Jesus uns ein Angebot: Er möchte für uns ein alltäglicher Jesus werden; ein Jesus für alle Tage, für alle Stunden, für alle Situationen, für alle Zustände. Jesus möchte uns im Leben ganz nahe sein.
Genau das will er auch sagen, wenn er heute in den Prozessionen aus der Kirche hinaus auf die Straßen und Wege unseres Lebens getragen wird. Dort bei der Prozession sind wir ihm auch körperlich so nahe, wie es hier in der Kirche nicht möglich ist – ausgenommen bei der Kommunion, wo wir dem Herrn ganz nahe sein können.
Das heutige Fronleichnamsfest ist unser Dank für diesen nahen, alltäglichen Jesus.
Es drückt aus, dass wir sein Angebot annehmen und uns bemühen wollen alle Tage mit ihm zu sein so wie er mit uns sein will.
Durch dieses Fest wollen wir sagen, dass die alltägliche Nähe Jesus für uns keine Selbstverständlichkeit ist, die wir mit Gedankenlosigkeit übergehen.
Durch die Prozessionen wollen wir sagen: Mit Phantasie und Freude wollen wir Jesus auf den Wegen unseres Lebens entdecken, so dass unsere Wege Wege mit ihm werden.
Gerne wollen wir seinen Beistand wie unser tägliches Brot genießen – zum Segen für uns und für alle Menschen, die mit uns zu tun haben.
Und wie von der unscheinbaren Hostie die Strahlen der Monstranz ausgehen – genauso will Jesus unseren Alltag zum Strahlen bringen.
Wenn ich bei Prozessionen die Monstranz getragen habe, fragte ich immer wieder: Jesus, durch welche Strahlen, die von dir ausgehen, könnte der heutige Tag eine Monstranz werden: welches Wort, welche Tat, welcher Gedanke könnte mir und anderen den heutigen Tag strahlend und froh machen?

Bei einer Prozession wurde ich einmal von so einem Gebet abgelenkt, indem ich durch die Monstranz hindurch Leute miteinander schwätzen sah:
Halt mich Jesus, halt mich, habe ich mit aufsteigendem Groll den Herrn gebeten, sonst gehe ich vor und hole die zwei oder drei bei den Ohren aus der Prozession und sag ihnen: Jetzt hört mal her! Wir sind hier bei einer Prozession und nicht im Gasthaus oder auf dem Markt. Wenn ihr unbedingt euren Handel jetzt machen wollt, dann geht gleich ins Gasthaus und stört nicht bei der Prozession!
Darauf der gute Jesus: Aber, aber, Josef, jetzt sei nicht so; du bist mit deinen Gedanken ja auch nicht immer ganz bei mir - wie zum Beispiel gerade jetzt! Freilich hätte ich gerne, wenn sie ihren Handel mit mir treiben täten. Aber sie verstehen es eben noch nicht besser. Hab nur ein bisschen Geduld mit ihnen; früher oder später komme ich dann schon auch mit denen ins Geschäft.
Und was dich angeht: Bleib bei mir! Es ist gescheiter! Und nutz jetzt die Gelegenheit, durch Geduld aus deinem Leben eine Monstranz zu machen.
So habe ich auf einfache Weise erfahren, was die Sequenz besingt:
Guter Hirt, du wahre Speise, / Jesus, gnädig dich erweise! / Nähre uns auf deinen Auen, / lass uns deine Wonnen schauen / in des Lebens ewigem Reich!
Du, der alles weiß und leitet, / uns im Tal des Todes weidet, / lass an deinem Tisch uns weilen, / deine Herrlichkeit uns teilen. / Deinen Seligen mach uns gleich! Amen!

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