Donnerstag, Juni 22, 2006

Es trat eine völlige Stille ein



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 4:35 – 41

Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.
Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn.
Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann.
Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?
Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.
Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?
Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?




„Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“ (Mk 4,40) Jesus stört es nicht, dass seine Jünger in der Not sich an ihn wenden. Er ist auch nicht übel gelaunt, weil sie ihn vom Schlaf aufgeweckt haben!
Aber es stört ihn, dass sie ihm unterstellen, es sei ihm gleichgültig, was mit ihnen geschehe: „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“ (Mk 4,38)
Seinen seelenruhigen Schlaf mitten im gefährlichen Sturm deuten sie als Gleichgültigkeit. Sie erkennen nicht, dass es sein Vertrauen auf den bergenden Schutz Gottes ist, das ihn ruhig schlafen lässt. (vgl. Ps 91,1; Ps 32,7)
Sie können noch nicht glauben, dass in Jesus eine Macht Gottes da ist, der die Mächte auf Erden nichts anhaben können.
Vor allem aber können sie nicht glauben, dass diese Macht Gottes in Jesus für sie da ist - um sie zu retten!
Die Geschichte im heutigen Evangelium will nicht zuerst erreichen, dass die Jünger mutiger werden in den Gefahren des Lebens.
Jesus will erreichen, dass die Jünger ihre Einstellung ihm gegenüber ändern, dass sie in ihm mehr erkennen als einen bloßen Menschen.
Jesus will, dass seine Jünger erkennen, dass in ihm Gottes Kraft und Stärke da ist; und dass diese Kraft da ist, um sie in aller Gefahr zu beschützen und zu bewahren. So sollen die Jünger zu einem tiefen Frieden finden – auch mitten im Sturm.
Jesus will keine Jünger, die mutig sind – bloß deshalb, weil es nicht modern ist, seine Angst zu zeigen! Er will gläubige Jünger, vertrauende Jünger! Jünger, die sich in seiner Nähe geborgen wissen. Er will Jünger, die angstfrei und furchtlos sind, weil er da ist!

Welches Verhalten hat Jesus sich von seinen Jüngern in der Situation des heutigen Evangeliums wohl erwartet? Dass sie sich zu ihm auf den Polster legen? Oder dass sie Wasser schöpfen in der Gewissheit, dass ihnen mit Jesus gewiss nichts passieren wird?
Wenn wir jedoch bedenken, dass Jesus seine Jünger auffordert: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ (Mt 10,8) dann sollten sie selber im Vertrauen auf Jesus dessen göttliche Macht gegen den Wirbelsturm wachrufen – wenn er selber schon schlafen muss.

Im Verhalten der Jünger können wir uns selber wieder finden. Auch wir werden bei Gefahr vom Gefühl der Bedrohung dermaßen überwältigt, dass kein Gedanke an Jesus mehr Platz hat. (In Klammer gesagt ist das bei den Gefühlen der Freude, des Erfolges, des Glückes genau das Gleiche – kein Platz für einen Gedanken an Jesus! – Diese Gedanken müssen(!) wir dann irgendwann später im Rahmen eines Dankgottesdienstes nachholen!)
So erleben wir wie die Jünger in Situationen des Unglückes unsere Jesusvergessenheit. Das Unglück trifft uns einsam an, getrennt von Jesus. Ist aber Jesus nicht bewusst an unserer Seite haben Angst, quälende Sorge und lähmender Schmerz freien Zugang zu unserem Herzen. – Es ist das ein Zeichen von Unerlöstheit.
Und genau diese Unerlöstheit von uns zu nehmen, ist Jesus gekommen; genau dazu will er da sein.
Auch wir brauchen eine andere Einstellung zu Jesus. Er muss in unserem Leben gegenwärtig werden – immer und überall. Das Leben muss uns – in welcher Form auch immer – mit Jesus antreffen.
Dann kann es uns nicht mehr tödlich treffen. Dann wird uns alles zum Segen und zum Heil: Das Schwere und das Leichte; das Dunkle und das Lichte; das Hässliche und das Schöne.
Mit Jesus sind wir für alle Wellen des Lebens empfangbereit! Und in den Stürmen des Lebens werden wir wachsen aber sicher nicht untergehen.
Wie heißt es doch: O Jesus, all mein Leben bist du, ohne dich nur Tod!
Nehmen wir Jesus mit hinaus ins Leben! Gehen wir mit ihm – und wir haben allen Grund, den Stürmen unseres Lebens zuversichtlich entgegenzusehen.

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