Montag, Juni 05, 2006

Erfüllt vom Hl. Geist



Lesung aus dem Buch Ezechiel 37:1 – 14

Die Hand des Herrn legte sich auf mich und der Herr brachte mich im Geist hinaus und versetzte mich mitten in die Ebene. Sie war voll von Gebeinen.
Er führte mich ringsum an ihnen vorüber und ich sah sehr viele über die Ebene verstreut liegen; sie waren ganz ausgetrocknet.
Er fragte mich: Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden? Ich antwortete: Herr und Gott, das weißt nur du.
Da sagte er zu mir: Sprich als Prophet über diese Gebeine und sag zu ihnen: Ihr ausgetrockneten Gebeine, hört das Wort des Herrn!
So spricht Gott, der Herr, zu diesen Gebeinen: Ich selbst bringe Geist in euch, dann werdet ihr lebendig.
Ich spanne Sehnen über euch und umgebe euch mit Fleisch; ich überziehe euch mit Haut und bringe Geist in euch, dann werdet ihr lebendig. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.
Da sprach ich als Prophet, wie mir befohlen war; und noch während ich redete, hörte ich auf einmal ein Geräusch: Die Gebeine rückten zusammen, Bein an Bein.
Und als ich hinsah, waren plötzlich Sehnen auf ihnen und Fleisch umgab sie und Haut überzog sie. Aber es war noch kein Geist in ihnen.
Da sagte er zu mir: Rede als Prophet zum Geist, rede, Menschensohn, sag zum Geist: So spricht Gott, der Herr: Geist, komm herbei von den vier Winden! Hauch diese Erschlagenen an, damit sie lebendig werden.
Da sprach ich als Prophet, wie er mir befohlen hatte, und es kam Geist in sie. Sie wurden lebendig und standen auf - ein großes, gewaltiges Heer.
Er sagte zu mir: Menschensohn, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel. Jetzt sagt Israel: Ausgetrocknet sind unsere Gebeine, unsere Hoffnung ist untergegangen, wir sind verloren.
Deshalb tritt als Prophet auf und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel.
Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.
Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen und ich führe es aus - Spruch des Herrn.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 10:21 – 24

In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand weiß, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
Jesus wandte sich an die Jünger und sagte zu ihnen allein: Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht.
Ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.




„Vom Heiligen Geist erfüllt“ erlebten wir Jesus eben im Evangelium. Schauen wir uns Jesus näher an, wie er sich unter dem Einfluss des Hl. Geistes verhält. Vielleicht kann uns das hilfreich sein für unser Verhalten unter dem Einfluss des Hl. Geistes, mit dem ja auch wir gestern erfüllt worden sind. Lernen wir von Jesus, wie mit diesem hl. Geist umgehen; lernen wir von Jesus, wie diese hl. Kraft in uns wirken zu lassen. Lernen wir von Jesus, wie diesen Geist aus uns sprechen zu lassen.
Wie äußert sich dieses Erfülltsein Jesu durch den Hl. Geist:
Dass er seiner Freude Ausdruck verleiht in einem Lobpreis dem Vater gegenüber: Ich preise dich Vater, Herr des Himmels und der Erde!
Haben nicht auch wir vieles worüber wir uns freuen können? Also freuen wir uns darüber und bringen wir unsere Freude in einem Lobpreis Gott gegenüber zum Ausdruck! Es müssen dabei nicht exakt die Worte Jesu sein; wir dürfen unsere eigenen Worte dazu verwenden. Und warten wir mit diesem Lobpreis nicht auf besondere Freuden; lassen wir uns zu diesem Lobpreis ruhig auch durch die kleinen Freuden unseres Lebens hinreißen.
Und andere dürfen diesen Lobpreis durchaus hören und mitbekommen. Jesus hat ja auch vor den Jüngern seinen Vater gepriesen und ihnen so zu verstehen gegeben, wessen Kind er ist und wem er den Grund seiner Freude verdankt.
Scheuen auch wir uns nicht durch unseren Dank und unser Lob andere wissen zu lassen, wessen Kinder wir sind und wem wir uns verdanken.

Worüber freut sich nun Jesus? Er freut sich über seine besondere Beziehung zu Gott: „Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand weiß, wer der Vater ist, nur der Sohn.“ (Lk 10,22)
Der Hl. Geist möchte auch jedem von uns erkennen lassen, dass er eine einmalige unverwechselbare Beziehung zu Gott hat – und das dies Grund ist zu unermesslicher, unablässiger Freude. Aus dieser Gewissheit konnte Paulus an die Philipper schreiben: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Phil 4,4). Von daher ist es verständlich, dass der Hl. Geist ein Geist der Freude ist. Denn ist es nicht Grund zur Freude ohne Ende, wenn wir bedenken, was Gott jedem von uns „alles übergeben“ hat: Unser natürliches Leben; unsere Erlösung durch Jesus Christus; unsere ewige Heimat beim Vater – und dabei erwähne ich mit diesen drei Fakten bloß die Eckdaten unserer Freude! Lassen wir uns also von diesem Geist auf die Fährte der Freude setzen, indem wir unserer persönlichen, intimen Beziehung zu Gott nachspüren, um zur wahren Freude zu gelangen.

Des Weiteren bemerken wir, dass diese Freude Jesus nicht von seinen Jüngern isoliert – im Gegenteil: sie verbindet ihn mit den Jüngern; es drängt ihn geradezu, diese Freude mit ihnen zu teilen; und es ist gar ein weiterer Grund zur Freude, dass seine Fülle für sie bestimmt ist: „weil Gott all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hat.“ Und dann: „Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht.“ Wie oft geschieht es hingegen bei uns, dass wir das, was uns freut und die Freude darüber für uns behalten wollen, weil wir Angst haben, es könnte uns genommen werden oder weil wir anderen die Mitfreude nicht gönnen, oder weil wir uns unserer Freude schämen?
Der Hl. Geist gibt und zeigt uns, was wirklich der Freude wert ist und er drängt uns, die Freude zu teilen. Also: Was haben wir, worüber wir uns freuen und welche Freude können wir mit anderen teilen?

Ich meine, Jesus zeigt uns heute „erfüllt vom Hl. Geist,“ wie dieser Geist die verstreuten und isolierten Knochen unseres Egoismus zu einem lebendigen Leib der Freude zusammenfügen möchte; Jesus sagt uns „erfüllt vom Hl. Geist,“ dass dieser Geist, den wir gestern empfangen habe, der auch uns gestern erfüllt hat, uns aus den Gräbern der Ichsucht herausführen möchte an den Tag, der erleuchtet ist von der Freude, die Gott schenkt und in die Gemeinschaft, die Gott stiftet in eben diesem Geist und die die Gemeinschaft seines Sohnes ist und die den Namen „Kirche“ trägt.

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