Samstag, Juni 10, 2006

Einheit im Wesen, Sonderheit in den Personen, gleiche Fülle in der Herrlichkeit


Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 28:16 – 20

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.
Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.
Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.




Um dem dreifaltigen Gott nahe zu kommen, wollen wir uns von Mose führen lassen und mit den Israeliten tun, was er sagt: Forscht nach!
Im Verlauf dieser Nachforschung entdecken wir folgendes von diesem Gott: Dass er seine Art und sein Wesen zeigt im Handeln an seinem Volk. So finden wir im Nachforschen der 1. Lesung, dass dieser Gott zu seinem Volk spricht und ihm Weisung gibt. Wir lesen weiter, dass er nicht nur spricht sondern auch handelt: Er holt sein Volk aus Ägypten heraus!
Wir sehen einen offensiven Gott vor uns. Ihm ist es nicht egal, was sein Volk tut und was ihm geschieht. Es ist ihm nicht gleichgültig, ob sein Volk anderen Göttern dient und er kann es nicht ertragen, dass sein Volk in Ägypten unterdrückt wird und leidet.
Es ist unter den damaligen geschichtlichen Umständen unerhört, was er sein Volk durch Mose wissen lässt: „Heute sollst du erkennen und dir zu Herzen nehmen: Jahwe ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst." Darum ist auch kein anderes Gebot als das seine maßgeblich und Heil bringend; darum die logische Forderung: „Daher sollst du auf seine Gesetze und seine Gebote, auf die ich dich heute verpflichte, achten, damit es dir und später deinen Nachkommen gut geht und du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt für alle Zeit.“ (Dtn 4,40)

Wenden wir uns nun dem Evangelium zu. Was sagt Jesus da zu seinen Jüngern: „ Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28,18f) Wir erleben den gleichen Machtanspruch Gottes – nun aber erhoben durch Jesus. Und wir erleben die gleiche Offensivität, wie in der ersten Lesung; nur diesmal ausgeweitet auf die ganze Welt und alle Völker der Erde. Die menschliche Schwachheit, wie sie sich im Versagen gegenüber diesem Anspruch im Verlauf des 1. Bundes erwiesen hat, macht diesen Gott keineswegs verzagt – im Gegenteil: er wird kühner, er erhöht den Einsatz: Er sendet seinen Sohn in Jesus von Nazareth. Der spricht nun in seinem Namen und sendet die Jünger aus in alle Welt, um alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen, sie zu taufen und ihnen seine Lehre zu verkünden. Auch hier wieder nicht der geringste Zweifel, dass genau dies das allerbeste für alle Menschen sei: seine Jünger zu werden, getauft zu sein, von seinem Wort und seiner Weisung zu leben.

Damit diese Heilsoffensive Gottes durch die menschliche Begrenztheit seiner Kirche nicht im Sande verläuft hat er ihr den Hl. Geist als unlösliches Band der Liebe mit Jesus, ihrem Gründer geschenkt; es ist dies jener Geist der Liebe, die niemals aufhört, denn es ist die Liebe Gottes. Und weil dieser Geist Gottes in der Kirche lebt, ist sie heute offensiv und hat nicht den leisesten Zweifel, dass ihre Botschaft vom Reich Gottes auch heute das ist, was die Menschen am notwendigsten brauchen. Dass es auch heute die Weisung Gottes ist, die wirkliches Leben schenkt und die die Menschen aus ihren zahlreichen kleinen und großen Sackgassen herausführt. Das ist die Gewissheit, die die Kirche heute erfüllt in Lehre und Leben. So bringt sie den Menschen die wahre Lebensenergie des hl. Geistes. So bewahrt sie die Menschen vor dem Joch, das ihnen Konsumismus, Kapitalismus und esoterische Heilslehren aus nah und fern auflegen wollen.

Der dreifaltige Gott ist ein Gott der andauernden Offensive – aus Liebe, zu unserem Heil! Er legt die Hände nicht in den Schoß und sagt sich: "Na ja; es ist ja gleich, an welchen Gott die Menschen glauben; sie meinen im Grunde ja sowieso immer nur mich und letzten Endes führen ohnedies alle Wege zu mir."
Das ist nach dem Zeugnis der Schrift eben nicht der Fall sondern zu ihm kommt niemand außer durch seinen Sohn. (vgl. Joh 14,6) Darum ist Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben. Der hl. Geist schenke uns allen diese Einsicht und die Kraft, Jesus zu folgen und von ihm Zeugnis zu geben. Denn es ist dies der Geist, der uns nicht wiederum zu Sklaven macht sondern der Geist, der uns zu Kindern macht; der Geist, in dem wir rufen: Abba Vater; In diesem Geist sind wir Erben Gottes und Miterben Christi.

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