Mittwoch, Mai 24, 2006

...und setzte sich zur Rechten Gottes


 
Aus dem hl. Evangelium nach Markus 16:15 – 20

Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!
Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.
Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.



Mit der Himmelfahrt des Herrn findet sein irdischer Weg hier auf Erden sein Ende. Dieser Weg führt ihn durch seine damalige Heimat über seinen Tod hinaus an die Rechte Gottes. Dort setzt er sich hin und bringt damit zum Ausdruck, dass er seinen Weg bei Gott vollendet hat; dass sein Gehen bei Gott zur Ruhe gelangt.
Der heilige Bericht weist aber auch darauf hin, dass er unterwegs eine Gemeinschaft um sich gesammelt hat: seine Jünger, die 12 Apostel, nunmehr vermindert um Judas.
Diese Gemeinschaft verlässt er nicht kopflos und planlos. Er gibt Hinweise für ihren weiteren Weg: Führt sein Weg nun heim zum Vater so geht ihr Weg hier auf Erden weiter. Für diesen weiteren Weg gibt er ihnen den Auftrag: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15) Mit diesem Auftrag eröffnet er ihnen die ganze Welt als ihr Arbeitsfeld; und ihre Arbeit besteht darin, dieses Feld mit dem Evangelium zu erfüllen. Mit der ganzen Welt ist auch schon angedeutet, dass das Evangelium allen Geschöpfen bestimmt ist: Die ganze Welt ist identisch mit allen Geschöpfen. Dieses Evangelium soll jene retten, die daran glauben und sich taufen lassen.
Dass die Botschaft des Evangeliums keine Worthülsen sind, erweist sich durch jene, die glauben: „Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.“ (Mk 16,17f.)
Und tatsächlich: Nach Jesu Aufnahme zur Rechten des Vaters tun sie nach Jesu Wort: „Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.“ (Mk 16,20)

Der Bericht des Evangeliums ist nüchtern; es fehlt die festliche Erregtheit des Berichtes aus der 1. Lesung oder des Briefes aus der 2. Lesung. Dabei wird es dem inspirierten Schriftsteller gewiss nicht an Begeisterung gefehlt haben – diese wird er wohl unterdrückt haben durch sein Bestreben, einen zusammenfassenden Bericht schreiben zu wollen über die Zeit Jesu mit seinen Jüngern zwischen dessen Auferstehung und Himmelfahrt. Demnach müsste unter den sachlichen Worten Feuer zu finden sein, wie die Glut unter der Asche. Versuchen wir diese Glut der Liebe Gottes zu entdecken!
Nun ganz offensichtlich glüht diese Liebe in der Form, dass sie sich nicht begnügt, auf die kleine Gruppe seiner Jünger und auf das kleine Erdstück seiner Heimat beschränkt zu bleiben. Aller Welt und aller Kreatur möchte sich diese Liebe durch die Verkündigung des Evangeliums mitteilen. Die Türen, die sich in der Himmelfahrt für Jesus öffnen tun sich zur selben Zeit aller Welt auf für ihre Evangelisierung. Die Liebe Jesu brennt in der Unbegrenztheit, in der sie sich mitteilen möchte. Für seine Jünger damals und heute bedeutet dies möglichste Angleichung ihres Horizontes an den des Herrn, so dass möglichst niemand durch ihre mangelhafte Hingabe der Fülle des Evangeliums verlustig bleibe.
Diese Liebe glüht auch dadurch, dass seine Jünger mitziehen: Sie aber zogen aus und predigten überall: Seine glühende Liebe begann auch in ihnen zu brennen und ließ sie tun, was er ihnen auftrug. Kein Wunder, denn: der Herr stand ihnen bei und bekräftigte ihre Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ. Es war ein Teamwork von Anfang an, bei dem keiner auf den anderen verzichten wollte und konnte: Der Herr nicht auf seine Jünger; die Jünger nicht auf ihren Herrn! Frage an uns, seine Jünger von heute: wie schaut es bei uns aus mit der Verzichtbarkeit auf den Herrn?
Und schließlich noch etwas: Jesus, der Herr ist nicht mehr da und doch ist er unübersehbar anwesend! Wie ist das möglich? Ich möchte ihn einen dritten Unausgesprochenen nennen, der da am Werk ist; einer, der aus dieser glühenden Liebe des Herrn hervorkommt, der recht eigentlich diese glühende Liebe selber ist. Im Evangelium trägt er keinen Namen aber er ist der, der „der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht der mit dem Vater und dem Sohnangebetet und verherrlicht wird“; es ist der Geist, dessen Zeichen das Feuer ist und den zu erwarten der Herr seinen Jüngern aufgetragen hat. (vgl. Apg 1,4f.) Amen!

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