Samstag, Mai 13, 2006

Jesus, der wahre Weinstock!



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 15:1 – 8

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer.
Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.
Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.
Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.
Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.



Wenn wir heute am Muttertag unsere Mütter in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stellen und ihnen danken für ihr Muttersein, dann stellt sich auch der Herr gleichsam in die Reihe der Dankschuldigen, indem er das Gleichnis vom Weinstock und den Rebzweigen im Evangelium erzählt. Denn in wesentlichen Punkten ist der Weinstock ein deutliches Zeichen für das Muttersein. Dieses Zeichen schenkt der Herr heute unseren Müttern nicht nur als Anerkennung ihres mütterlichen Dienstes sondern ebenso auch als eine immerwährende Einladung, die Ähnlichkeit ihres Daseins mit dem Seinen zu sehen, anzunehmen und sich daran zu erbauen.
„Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.“ (Joh 15,4) Wie sehr treffen diese Worte doch auch die Beziehung zwischen der Mutter und ihrem Kind – auf jeden Fall, solange es im Mutterleib ist aber auch nach der Geburt, solange bis aus dem Kind ein eigenständiger Mensch geworden ist? Nun bedeutet zwar Fruchtbarkeit aus der Mutter-Kind-Beziehung heraus, dass sich das Kind zu einem eigenverantwortlichen Menschen entwickelt. Aber wie dieser Prozess der Loslösung verläuft und wie die Eigenverantwortung gelebt wird, das hängt wesentlich davon ab, wie das Kind in der Mutter und wie die Mutter im Kind gelebt hat und lebt. Denn es ist unbestreitbar, dass bei aller äußeren Trennung eine innere Verbundenheit bleibt – als Erbe und als Verpflichtung. Als Verpflichtung zur Dankbarkeit, was das Kind betrifft und zur stillen, offenen, betenden Begleitung, was die Mutter betrifft. In einer gesunden Mutter-Kind-Beziehung ist zeitlebens im Wesentlichen ein Bleiben ineinander da, in dem freilich die äußere Freigabe und Loslösung inbegriffen ist.
An diesem Punkt möchte ich wieder zum Gleichnis vom Weinstock zurückkehren, denn auch dort ist vom Bleiben die Rede: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh 15,5) Auch hier ist das Bleiben am Weinstock lebensnotwendig für die Rebzweige. Wenn wir dieses Bleiben in Jesus tiefer anschauen wollen, dann hilft uns dabei, was ich zuvor über Mutter und Kind gesagt habe; Auch unser Bleiben in Jesus hat eine äußere und innere Gestalt. Wobei auch hier die äußere Form sich ändert aber ein Ausdruck unserer inneren Verbundenheit mit dem Herrn bleibt.
Was ich damit meine, wird schon im Leben der Jünger mit Jesus deutlich: Jesus hat mit dem Bleiben in ihm kein Bleiben bei ihm gemeint in einem räumlichen, geographischen Sinn: Sonst hätte Jesus nicht sterben oder zumindest nicht in den Himmel auffahren dürfen; ihre Form des Bleibens in Jesus ändert sich. War er bis zu seinem Heimgang zum Vater menschlich körperlich mit ihnen in Kontakt so vollzog sich dieses Bleiben in ihm nachher durch den Hl. Geist, den Jesus ihnen gerade auch deshalb geschickt hat, damit er sie erinnert, was Jesus zu ihnen gesagt hat. Gerade aber aus der Erinnerung an Jesu Tun und Reden, an seinen Tod und seine Auferstehung, bewegt dieser Hl. Geist zum Bleiben in Jesus durch die Geschwisterliebe, wie sich je und je Gelegenheit dazu bietet: Z. B. wie sich in der ersten Lesung Barnabas sehr aufmerksam darum kümmert, dass Paulus in der Jüngergemeinde kein Fremder bleibt, sondern aufgenommen und integriert wird. (Apg 9,26-31) Der Bericht in der ersten Lesung erzählt dann allgemein vom Leben in der Gemeinde und hilft uns so zu deuten, was denn Jesus mit den Früchten noch meint, die dem Bleiben in ihm entwachsen: „Die Kirche in ganz Judäa, Galiläa und Samárien hatte nun Frieden; sie wurde gefestigt und lebte in der Furcht vor dem Herrn. Und sie wuchs durch die Hilfe des Heiligen Geistes.“ (Apg 9,31)
Es ist gerade diese Hilfe des Heiligen Geistes, die wir heute brauchen, um im Herrn bleiben zu können. Dieser Geist macht mobil durch seine Stabilität, durch das Bleiben im Herrn. Der feste Stand ist die notwendige Voraussetzung für den sicheren Schritt. Deshalb ruft Paulus seiner Gemeinde zu:„Darum, meine geliebten Schwestern und Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn!“ (Phil 4,1)

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