Donnerstag, Mai 11, 2006

Jesus, der gute Hirt


 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 10:11-18

Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht,
weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,
wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.
Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.
Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.
Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.



Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.

Schauen wir uns an, was Jesus mit dieser Lebenshingabe meint, die einem guten Hirten eignet. Das Gegenbild des bezahlten Knechtes hilft uns dabei.
Lebenshingabe bedeutet, keine Angst zu haben vor dem Wolf; sich dem Wolf entgegenstellen, die Schafe vor ihm beschützen; notfalls mit ihm kämpfen; wenn möglich ihn in die Flucht schlagen; auf keinen Fall die Schafe dem Wolf preisgeben, so dass er sie reißen und zerstreuen kann.
Zuletzt bedeutet diese Lebenshingabe, dass der gute Hirt sich für die Schafe vom Wolf reißen lässt, damit den Schafen dieses Schicksal erspart bleibt.
Warum ist diese Hingabe dem guten Hirten möglich? Warum ist sie dem bezahlten Knecht unmöglich: Weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Das heißt, dem bezahlten Knecht geht es um den Lohn, den er durch seinen Dienst an den Schafen erhält. Die Schafe selber ohne den Lohn sind ihm völlig egal. Die Schafe sind für ihn reines Mittel zum Zweck.
Nicht so beim guten Hirten: Sein Zweck ist nicht der Lohn; sein Zweck sind die Schafe. Nicht sein eigenes Wohlergehen liegt ihm am Herzen sondern das Wohlergehen der Schafe. Das ist sein Ziel. Und das Mittel zum Erreichen dieses Zieles ist die Hingabe seines Lebens.
Ich denke wir brauchen ehrlicherweise nicht lange suchen, um zu entdecken, wie vertraut uns die Haltung des bezahlten Knechtes ist und wie fremd die Haltung des guten Hirten. Die heutige Zeit ist die Zeit des bezahlten Knechtes; je deutlicher sich aber die „Früchte“ abzeichnen, die die Haltung des bezahlten Knechtes hervorbringt, um so klarer wird, dass es der Einstellung des guten Hirten bedarf, um unsere Welt zu retten. Die Menschen unsere Zeit sind geknechtet durch bezahlte Knechte; sie sind aber berufen zur Herrlichkeit im Herrn Jesus Christus, dem guten Hirten.

Die äußerste konkrete Form seiner Lebenshingabe für die Schafe vollzieht Jesus zuletzt in seinem Sterben am Kreuz. Da unterliegt er dem Tod; dieser „Wolf“ reißt ihn. Doch in der Auferstehung überwindet er diesen schlimmsten Feind des Menschen für immer durch das ewige Leben, das Gott ihm schenkt. Und dieses ewige Leben ist Leben in Fülle für alle Menschen.

Doch ereignet sich diese Lebenshingabe Jesu nicht wie ein Blitz. Sie wird vorbereitet und zeichnet sich ab durch andere Weisen der Hingabe. Diese anderen Weisen führen aber alle hinauf ans Kreuz.
Eine Weise wird im Evangelium besonders betont: Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Dieses Kennen meint vorerst einmal Interesse; ein Interesse jedoch, das nicht an der Oberfläche bleibt, das sich nicht mit Smalltalk zufrieden gibt. Es ist lebendiges Interesse im Sinne eines liebenden Interesses. Das schließlich zu einem „Kennen durch und durch“ führt. Zu einem Kennen, das bereit ist zum Erkennen, zum Annehmen, zum Mitleben, zum Mitleiden, kurz und gut zum Schafwerden wie wir – in allem uns gleich außer der Sünde. Es ist ein Kennen, das bereit ist zum Einsatz bis zur Hingabe des Lebens. Von diesem Kennen spricht Ps 139,1-6: „Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich.
Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken.
Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen.
Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge - du, Herr, kennst es bereits.
Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich. örtlich: Du umschließt mich von hinten und von vorn.
Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen.“
Dieses Kennen will nicht Neugierde befriedigen, nicht kontrollieren und beherrschen. Es ist ein diskretes Kennen gegen die Einsamkeit; ein Kennen Und Wissen Jesu um mich, das mich mit dem Psalm 23, 4-6 sprechen lässt: „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher. Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.“

Beten wir um Menschen, die wie Jesus gute Hirten sind; die wie Jesus jene kennen, die ER ihnen anvertraut hat.

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