Samstag, Mai 20, 2006

Bleibt in meiner Liebe!



Aus dem hl. Evangelium nach Joh 15:9 – 17

Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!
Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.
Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.
Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
Dies trage ich euch auf: Liebt einander!



„Dies trage ich euch auf: Liebt einander!“ (Joh 15,17) Jesus hat uns auch gesagt, wie wir einander lieben sollen: „Liebt einander so wie ich euch geliebt habe.“ (Joh 15,12)
Er gibt uns seine Liebe als Beispiel und Vorbild. Er möchte, dass wir von ihm lernen, wie wir einander lieben. Er möchte im Lieben unser Meister und Lehrer sein. „Lernt von mir, denn ich bin gütig und demütig von Herzen!“, so fordert er uns in der Bergpredigt auf. (Mt 11,29)
Das Lieben von Jesus lernen – diesen Auftrag enthält das heutige Evangelium!
Er möchte unser Bestreben korrigieren, das Lieben von der Welt zu lernen.
Die Welt liebt die Reichen, die Schönen, die Starken, die Erfolgreichen, die Gesunden; wer nicht in eine dieser Kategorien fällt wird von der Welt nicht geliebt!
Jesus hingegen liebt die Schwachen, die Sünder, die Kranken, die Erfolglosen – alle jene, die in den Augen der Welt verachtet und übersehen werden.
Paulus hat das sehr deutlich erkannt: Das Schwache hat Gott erwählt um das Starke zu beschämen. Das was nichts ist, hat er auserwählt um das, was etwas ist zu beschämen! (vgl. 1Kor 1,27)
Wollen wir diese Lieblinge Gottes auch lieben, dann müssen wir in der Liebe Jesu bleiben! Das heißt, wir müssen das Geschenk der Liebe Jesu zu uns annehmen und uns von ihm lieben lassen – gerade in unserer Schwachheit und Armut und Krankheit. Denn gerade all dies können wir bei uns ja auch nur sehr schwer annehmen. In der Liebe Jesu bleiben heißt dann, dass wir uns selber zusammen mit Jesus lieben und annehmen. Und diese Größe Jesu uns gegenüber ermutigt und stärkt uns dann, dass wir auch andere Menschen in ihrer Armut lieben können.
Diese Größe Jesu macht auch uns groß im Lieben.

Wir können von Jesus nicht nur lernen, wen wir lieben sollen sondern auch wie wir lieben sollen.
Das Lieben Jesu besteht in der Hingabe seines Lebens für seine Freunde. Diese Lebenshingabe ist die größte Liebe – bei ihm und bei uns. ER sagt von sich selber, „dass er nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Mt 20.28) Lieben ist Dienen.
Und Dienen ist Lieben: Unser Hingabe, unser Dienst in unseren Beziehungen und Gemeinschaften ist Lieben im Sinne Jesu. Sich das immer wieder bewusst zu machen kann unseren Dienst mit großer Freude erfüllen und uns tiefen Frieden schenken.

Zum Lieben Jesu gehört es auch dazu, dass er sich ganz in die Beziehung zu seinen Jüngern einbringt: „Ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ (Joh 15,15) Das bewundere ich sehr an Jesus: Dass er sein Teuerstes, sein Innerstes, das was ihn zutiefst erfüllt und bewegt – das er das ganz seinen Jüngern mitteilt!
Warum tut Jesus dies? Weil es der Auftrag seines Vaters ist, dies alles weiterzugeben. Er weiß sich berufen, die Worte seines Vaters den Menschen weiterzusagen, damit wir Menschen vom Leben Gottes und von seiner Liebe zu uns erfahren.
Da sind gewiss noch Schritte nötig bei uns, dass wir unsere Gottesbeziehung als Reichtum auch für andere sehen und ihn weitergeben können; da müssen wir noch einen Weg gehen in der Schule Jesu, damit wir auch in dieser Form lieben können wie Jesus liebt.
Und schließlich noch eine Besonderheit im Lieben Jesu: Nicht ihr habt mich erwählt sondern ich habe euch erwählt. Wir erinnern uns, wie Jesus am See entlanggeht und seine Jünger ruft; (Mt 4,18-22) Gott hat uns zuerst geliebt!
Auch wir müssen „Zuerstliebende“ werden - und nicht darauf warten, von anderen zuerst geliebt zu werden. Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, was tut ihr da schon besonderes fragt Jesus uns in der Bergpredigt. (vgl. Mt 5,46f.)
Wir haben die Kraft zu diesem ersten Schritt der Liebe im Wissen darum, dass wir bereits von Gott geliebt sind in Jesus Christus.
Werden und bleiben wir also Lernende in der Liebesschule Jesu; auch er selber ist ja ein Lernender in der Liebesschule Gottes: „Wie mich der Vater geliebt hat so habe auch ich euch geliebt!“ (Joh 15,9) Nur in der Liebesschule Jesu können wir seinem Auftrag gerecht werden: „Seid barmherzig wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.“ (Lk 6,36) Amen!

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