Freitag, April 28, 2006

Ich bin es selbst



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 24: 35-48

Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.
Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen?
Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.
Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.
Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?
Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;
er nahm es und aß es vor ihren Augen.
Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.
Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift.
Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,
und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.
Ihr seid Zeugen dafür.

Mit großer Eindringlichkeit führt Jesus seine Jünger zur Erkenntnis und zur Einsicht, dass er wirklich vom Tod erstanden ist; dass er es selber ist und nicht bloß ein Gespenst von ihm: Für alle Sinne gibt er sich ihnen zu erfahren: Sie sollen ihn anfassen, sie sollen ihn sehen, sie sollen ihn hören!
So hält er ihnen seine Hände und seine Füße hin; er isst vor ihren Augen einen gebratenen Fisch; und schließlich verwurzelt er, was sie sehen und angreifen, im Gespräch in der hl. Schrift des ersten Bundes: Im Gesetz des Mose, bei den Propheten, in den Psalmen. So öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift, in der geschrieben steht: „Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.“ (Lk 24,46f.)
Jesus ist wie ein guter Baumeister, der ein festes Fundament legt für die Kirche, die seine Jünger aufbauen sollen. Dieser Grund ist er selber: „Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus.“ (1Kor 3,11)
Diese Grundlegung der Kirche können wir mit einem anderen, sanfteren Bild beschreiben: Mit dem eines Webers. Jesus webt sich nämlich hinein in die Geschichte der Menschheit, indem er auf die Wurzeln verweist, die im ersten Bund zu finden sind und aus denen er wie ein Lebensbaum hervor wächst. Oder sagen wir es noch genauer: Jesus steht dazu, dass sein Leben von Gott in die Menschheitsgeschichte hineingeknüpft worden ist. Er kappt als Auferstandener die Verbindung zu uns Menschen nicht mit den Worten: Und nun ade du schnöde Menschheit! Indem er in die deprimierte und verängstigte Gemeinschaft seiner Jünger zurückkehrt und zu seinen biblischen Wurzeln steht, legt er Zeugnis ab von einer treuen Liebe, die über den Tod hinausgeht, bis in den Himmel reicht und in alle Ewigkeit dauert. Das ist göttliche Treue – ohne Grenzen, ohne Maß. Ist es nicht tröstlich mit so treuer Liebe geliebt zu werden? Ermutigt uns das nicht zur Versöhnung mit unseren Mitmenschen und mit uns selber? Lädt diese treue Liebe des Herrn nicht ein, dass wir sie mit treuer Liebe beantworten – in dem Maß, wie wir es eben vermögen? Verlockt uns das nicht, mit neuen Augen auf unsere Vergangenheit zu blicken und neu zu bedenken, dass auch unser Leben allem Dunkel zum Trotz darauf angelegt ist, in Christus eine Licht- und Lebensfülle zu entfalten, die einmalig ist, die auf jeden von uns hin maßgeschneidert ist, die nur jeder einzelne auf seine Art entfalten kann? Wie viel unverwüstliche Kraft liegt im Verhalten Jesu, unsere Häupter voll Vertrauen zu erheben und die Erlösung anzunehmen, die uns in ihm geschenkt ist. Jesus ist aus dem Grabe auferstanden und seinen Jüngern erschienen, damit auch sie mit ihm auferstehen; und damit auf Grund ihres Zeugnisses auch wir mit ihnen auferstehen!
Die erste Reaktion der Jünger auf Jesu Erscheinen ist Erschrecken; denn Jesus begegnet ihnen wie sie es nicht erwartet haben. Mit diesem Jesus haben sie nicht mehr gerechnet. Dieser Jesus sprengt ihren Erwartungshorizont. Die Türen hinter denen die Jünger sich versteckt haben erweisen sich als undicht: Da gibt es in Jesus eine Kraft, die sie nicht abhalten können. Diese Kraft, in der Jesus durch die verschlossenen Türen hereinkommt weist auf die Kraft hin, in der die Jünger diese Türen öffnen und vor das Volk hinaustreten werden, um Zeugnis abzulegen von Jesus Tod und Auferstehung zur Umkehr und zur Vergebung der Sünden – wie wir es in der ersten Lesung gehört haben. Es ist dies die Kraft des Hl. Geistes, die Jesus ihnen einhaucht und mit der er sie erfüllt.
Wir müssen beim heutigen Evangelium an die fest verriegelten Kammern unserer Leidenschaften denken, an die versperrten Verließe unserer entwürdigenden Abhängigkeiten, an die arg verstellten Winkel unserer erbärmlichen Angst; an jene Orte unseres Lebens, an denen wir Jesus am allerwenigsten erwarten. Genau dorthin möchte Jesus treten; genau dort möchte Jesus uns bestürzt machen; genau dort soll neues Leben beginnen; genau dort sollen wir in der Kraft des Geistes, die Jesus uns schenkt, die Türen aufsperren und öffnen, damit wir in eine neue Freiheit hinaustreten, um den Menschen zu bezeugen, dass Jesus wirklich lebt und dass er uns begegnet ist; dass die Vergebung der Sünden eine Wirklichkeit und vollkommene Umkehr möglich ist, weil wir in Jesus unseren Beistand beim Vater haben.

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