Donnerstag, April 13, 2006

Es ist vollbracht



Die Passion nach Johannes 18,1 – 19,42

Jesus! Wir haben dich auf deinem Kreuzweg begleitet bis hin an dein Grab. So weit es uns möglich war, haben wir versucht, von Herzen mit dir zu fühlen und mit dir zu leiden. Verzeih, wenn unser Mitgefühl manchmal angestrengt war und eher kümmerlich: Aber wie sollte heute unser Herz ganz bei dir sein können, da es doch sonst so oft auf dich vergisst und dir fern ist!? Verzeih uns, wenn wir nicht einmal die Dauer einer Leidensgeschichte hindurch ungeteilt und ganz aufmerksam bei dir sein konnten.
Wir haben bemerkt, dass du bewusst und entschlossen in dein Leiden hineingegangen bist. Du hast alles gewusst, was mit dir geschehen wird. Du hattest keine Angst vor dem Leiden. Du bist deinen Leidensweg stark gegangen. Du hast Rede und Antwort gestellt den Mächtigen, die dir gegenüberstanden. Du hast dein Kreuz selber getragen. Wo hast du bloß die Kraft dazu hergenommen? Wohl daher, dass du wusstest, dass in all dem Schrecklichen der Vater dir einen Kelch gereicht hat, damit du ihn trinkst. Der Vater stand hinter deinen Leiden – aber er stand auch hinter dir. Ein wahrer Leidensvater! Wohl daher kam deine Kraft, dass du wusstest, dass dein Königreich nicht von dieser Welt ist. Wohl daher, dass du wusstest, dass auch dieser Weg ein Ende hat und dass der Zeitpunkt kommt, an dem alles vollbracht ist und du deinen Geist aufgeben kannst. Wohl daher kam deine Kraft, dass du hinter all dem Schrecklichen, was dir widerfahren wird, eine Verfügung und einen Willen erkanntest, der im Wort der Schrift zum Ausdruck kommt. Es ist das Wort der hl. Schrift des Ersten Bundes. Und in diesem Wort verehrtest du den Willen des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs – der zugleich dein Vater ist, dein Abba – in einmaliger, unergründlicher Weise! Lass uns nicht erschrecken darüber dass dein Vater so grausam ist – hat er doch die Welt so sehr geliebt, dass er dich, seinen einzigen Sohn dahingab! (Joh 3,17) sondern lass uns betroffen sein über die Schrecklichkeit und Bodenlosigkeit unsere Sünde, die ein solch grausames Geschehen mit dir erforderte.
Wir haben auch Maria, deine Mutter und den Jünger, den du liebtest unter deinem Kreuz gesehen und wie du ihre Gemeinschaft in deinem Willen neu gegründet hast.
Lass uns daran erkennen, dass du auch von uns erwartest, dass wir uns gemeinsam unter dein Kreuz stellen mit ähnlicher Entschlossenheit, wie du dein Kreuz für uns angenommen hast. Und dass wir unsere Verbundenheit miteinander in dir gründen, indem wir füreinander da sind nach deinem Willen: „Liebt einander wie ich euch geliebt habe.“ (Joh 13,34)
Und wenn wir unsere Leidenswege gehen, dann lass uns an deinen Leidensweg denken: schenke uns aus dieser Erinnerung Kraft, mutig unser Kreuz anzunehmen, entschlossen unseren Weg zu gehen – getröstet durch die gläubige Gewissheit, dass du an unserer Seite bist; hast du doch verheißen, „bei uns zu sein alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20) Amen!

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