Samstag, April 01, 2006

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt ....

 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 12: 20 - 33

Auch einige Griechen waren anwesend - sie gehörten zu den Pilgern, die beim Fest Gott anbeten wollten.
Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen.
Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus.
Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird.
Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.
Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.
Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.
Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen.
Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.
Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: Es hat gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet.
Jesus antwortete und sagte: Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch.
Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden.
Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.
Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.







„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh 12,24)

Die Neugierde der Griechen, die im heutigen Evangelium Jesus sehen wollen ist nicht verwunderlich. Denn unmittelbar vorausgegangen ist der Einzug Jesu in Jerusalem, wo ihm die Leute Hosanna zugerufen und ihn als König Israels geehrt haben. Auch die Auferweckung des Lazarus durch Jesus ist noch in aller Munde. So ein Mensch macht neugierig! So einen Menschen muss man unbedingt gesehen haben!
Wie beantwortet Jesus nun die Neugierde dieser Griechen? Er tut es auf seine altbewährte und geliebte Weise: er antwortet mit einer Bildrede. In dieser Bildrede fährt er nun aber nicht auf der Ebene des Großartigen und Außergewöhnlichen, des Wunderbaren und des Herrlichen fort, die die Griechen zu ihm hingeführt hatte.
Ganz im Gegenteil: Jesus antwortet auf der Ebene des Unscheinbaren, des Alltäglichen, des Kleinen und des Schwachen. Ja, er antwortet auf der Ebene des Sterbens und des Todes. Er antwortet mit dem Bild vom Weizenkorn: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh 12,24) Doch gelangt er so zum Wesentlichen – zur Fruchtbarkeit. Er macht damit deutlich, dass es ihm nicht um Ruhm und Ehre geht in den Augen der Menschen, nicht um Macht und Herrlichkeit, nicht um Ansehen und Berühmtheit, nicht um all das, was die Menschen so sehr anstreben seit jeher – und natürlich auch heute! Nein, es geht ihm um Fruchtbarkeit! Er möchte, dass sein Leben fruchtbar werde für viele!
Jesus umschreibt mit dieser Bildrede sein Schicksal und seinen Lebenslauf hier auf Erden: Sein Leben als einen Weg ins Sterben und in den Tod; durch den Tod hindurch jedoch zur Fruchtbarkeit, die im ewigen Leben besteht, das Gott ihm in der Auferstehung schenkt – ihm und allen, die zu ihm gehören.
Es ist genau die Linie, die er im Letzten Abendmahl vorgibt, wenn er zu Brot und Wein spricht: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben, das ist mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
Mit dem Feingespür eines wachen und nüchternen Herzens ist ganz deutlich der längere Atem zu spüren, der im Bild vom Weizenkorn weht – über diese Welt hinaus ins Ewige.
Mit diesem Bild gibt Jesus nicht nur den Griechen, die ihn sehen wollen und seinen Jüngern sondern auch uns einen Fahrplan in die Hand für die kommenden Tage, an denen wir seines Leidens und Sterbens gedenken werden.
Mit diesem Bild will Jesus uns außerdem anregen, unsere Lebenseinstellung anzuschauen und zu hinterfragen: Ob und wie wir an unserem Leben hier in dieser Welt hängen? Ob das ewige Leben für uns überhaupt eine Perspektive und eine Option ist? Wie es schließlich mit unserer Bereitschaft ausschaut, in die Erde zu fallen und zu sterben und dadurch reiche Frucht bringen zu können? Damit ist freilich nicht nur der finale Tod unseres irdischen Lebens gemeint sondern die vielen Tode vorher, die im Alltag als Herausforderungen auf uns warten.
Wenn einer mir dienen will folge er mir nach. Womöglich wollten die Griechen Jesus sehen in der stillen Absicht, in den Dienst eines so wundermächtigen und gefeierten Königs treten zu wollen, wie ihn der Einzug in Jerusalem eben dargestellt hat. Jesus hat wohl in ihr Herz gesehen.
Nun stellt Jesus gleich klar: Mir dienen ist schon recht – aber das geschieht in der Form der Nachfolge – und zwar in der Nachfolge des sterbenden Weizenkorns. Wenn sie also mit ihm was zu tun haben wollen dann ist das nur möglich, wenn sie ihre Einstellung zum Leben in seinem Sinne grundlegend ändern. Das gilt auch uns als Herausforderung und doch auch als Trost zugleich, denn auf diesem Weg einer grundlegenden christlichen Umkehr sind wir nicht allein: der Herr geht mit uns, wie er mit seinen Jüngern gegangen ist – vor seinem Tod und nachher als Auferstandener.
Von den Griechen ist im Evangelium daraufhin nicht mehr die Rede; hoffentlich sind sie nicht wie der reiche Mann, der Jesus nicht nachfolgen konnte, traurig weggegangen (vgl. Mt 19,22), weil sie ihren bisherigen Weg nicht verlassen konnten. Möge uns der Herr helfen, Weizenkorn zu werden, zu sein – mit ihm, wie er; möge er uns helfen, dass wir ihm nachfolgen und dienen können, dass wir sein können wo er ist. So möge der Herr in seinem Erbarmen uns alle an sich ziehen. Amen!

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