Samstag, März 25, 2006

So sehr lieben


 
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 3:14-21

Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.
Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.
Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.



„Freue dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung.“ (Jes 66,10f.) Mit dieser Einladung zur Freude aus dem Propheten Jesaja beginnt die Messe zum heutigen 4. Fastensonntag. Das lateinische „Laetare“ für „Freue dich“ –gibt ihm den Namen. Zeichen für diese Freude sind mancherorts die rosafarbenen Messgewänder.
Wir dürfen diese Einladung zur Freude auch auf uns beziehen. Wenn ich nach einer Quelle für diese Freude suche, werde ich in den heutigen Schrifttexten an mehreren Stellen fündig; eine davon ist im Evangelium: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3,16)
Was gibt an dieser ‚So-sehr-Liebe’ Gottes Anlass zur Freude. Nun, einmal dies, dass sich diese Liebe ausnahmslos auf die ganze Welt erstreckt: Da ist niemand und nichts ausgenommen: Diese Liebe hängt nicht ab von Religion, Staatszugehörigkeit, politischer Partei, Rasse, sozialem Stand, von Geschlecht oder körperlicher Beschaffenheit. Es ist dies jene Liebe, in der Jesus die Apostel beauftragt: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15). Diese Liebe ist besonders in unserer Zeit so wichtig, weil sie geradezu einem Auftrag gleichkommt, Barrieren der Verschiedenheit, des Misstrauens und der Feindschaft zu überwinden. Sie führt direkt hin zur ökumenischen Begegnung unter den Christen, zum Gespräch mit den anderen Religionen der Welt und zur Versöhnung mit wirklichen oder vermeintlichen Feinden. Und deswegen ist dies schließlich eine Liebe, die auf jeden Fall auch mich meint, mit allem was ich bin und habe.
Diese Liebe ergibt eine Grundlage, die ein Zusammenleben in Frieden ermöglicht im Annehmen der Verschiedenheit des anderen. Sie kann jeden sein lassen in der Möglichkeit auf Neuschöpfung hin.
Ein weiterer Grund zur Freude über diese Liebe ist, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen Sohn hingab. Unsere Liebe im Hinblick auf die Welt besteht darin, dass wir etwas von ihr nehmen: Wir lieben die Welt, weil und in dem Maße wie sie uns gibt: Alles, was wir zum Leben brauchen, alles, was uns Vergnügen breitet, alles, was uns ein üppiges Dasein ermöglicht. Wir lieben die Welt auf Grund dessen, was wir von ihr nehmen. Die Welt ist uns liebenswert durch das, was sie uns zu bieten hat; und das ist zumeist auch in unseren menschlichen Beziehungen so; unsere Liebe ist eine nehmende Liebe und so eine Antwort auf das, was wir bekommen. Bekämen wir nichts von der Welt könnten wir die Welt auch nicht lieben!
Wie so ganz anders ist doch die Liebe Gottes: Gott liebt die Welt ohne irgendeine Vorleistung von ihrer Seite! Sie ist für ihn unbedingt liebenswert! Diese Liebe Gottes ist von der Welt nicht zu kaufen und nicht zu erwerben. Sie ist reines Geschenk; sie ist reine Gnade! Die Liebe Gottes ist eine rein gebende, ein rein schenkende Liebe. Woher mag diese Liebe wohl kommen? Aus der lichtvollen Abgründigkeit Gottes selbst!
Ein weiterer Grund für die Freude über diese Liebe ist ihr „So-sehr.“ Gott hat die Welt so sehr geliebt; dieses „So-sehr“ meint Unermesslichkeit, führt hin zur Einzigartigkeit und mündet in einer persönlichen Hingabe ohnegleichen: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab! Fällt es schon schwer, vor dieser Liebe zu stehen aufgrund ihrer Unbegreiflichkeit so ist diese Liebe vollends zum Davonlaufen, wenn uns die Erbärmlichkeit unseres Liebens in den Sinn kommt. Da ist von diesem „So-sehr“ Gottes oft keine Spur zu erkennen. Gerade deshalb aber müssen wir uns dieser Liebessonne Gottes unentwegt aussetzen, denn nur durch das Lieben Gottes kann unser Lieben geformt werden; kann es reifen, kann es geläutert werden. Dieses Aussetzen geschieht im Glauben an diesen einzigen Sohn Gottes, Jesus von Nazaret; in diesem Glauben besteht unsere Rettung ins ewige Leben. Und Gott hat diese für uns unerträgliche Liebe in das erträgliche Kleid der Sakramente gehüllt, damit sie für uns bekömmlich und heilsam werden kann. Er hat sie aber auch in das Todesdunkel gehüllt, in das wir in den Tagen der Karwoche mit Jesus eintauchen wollen, damit wir auch an seiner Auferstehung Anteil erhalten.

Keine Kommentare: